Pou-du-ciel HM-14 oder zu deutsch: HIMMELSLAUS

Teil 2: Der Erstflug

von Knut Zink.
Nachdem ich im Teil 1 den Bau beschrieben habe , werde ich im Teil 2 vom Erstflug berichten.

Am Samstag, den 22. März 2025, waren endlich alle Bedingungen positiv: Das Wetter, mein Fliegerspezl zum Einfliegen, der Platz und mein Fotograf. Heute wollte ich die HIMMELSLAUS einfliegen.
Die Laus (G-ADMH) ist mit Graupner ECOSPAN beige gefinished und gehört meinem Fliegerfreund Schorsch und ist schon über 40 Jahre alt. Von ihm hatte ich mir den Bauplan geliehen. Davor steht meine mit ORATEX-natur bespannte Laus (G-ACDC).

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Da ich als Gast auf dem Fluggelände war, wollte ich den Erstflug von meinem Freund machen lassen - außerdem musste ich ja Fotos machen.
Der Schorsch fliegt aber am Sender Gas rechts, ich dagegen altmodisch links. Daher wurde schnell der Empfänger ausgetauscht - Graupner gegen Jeti - und der Sender programmiert. Bei nur drei Funktionen - Seite, Höhe, Gas - keine große Sache. Da erfuhr ich so ganz nebenbei, dass ich einen groben Fehler gemacht hatte. Bei Tandemflüglern wird der vordere Flügel als Höhenruder eingesetzt. Dabei sind eben die Funktionen Höhe/Tiefe genau umgekehrt wie bei einem Höhenruder am Ende eines Rumpfes. Ich hatte bisher weder einen Tandemflügler noch einen Entenflügler geflogen, bei dem ist es genauso. Wieder mal Glück gehabt, dachte ich. Hätte ich nämlich den Erstflug selbst gemacht, wäre das unweigerlich ein Desaster = Bruch geworden. Man lernt eben nie aus!

Sender ist programmiert, Ruderausschläge sind eingestellt, es kann losgehen.

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Der Schorsch gibt Gas und die Laus rollt die Piste hinunter.

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Als sie an der Clubhütte vorbei rollt kommt von links etwas Wind und stellt das Modell auf die Nase.
Also wieder aufstellen und ausrichten.

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Nach dem dritten Startversuch hatte ich erstmal genug und wir beschlossen, den Erstflug auf einen windstillen Tag zu verschieben. Man muss sein Glück ja nicht herausfordern.

Aber wenigstens wollte ich die Laus vom Schorsch mal im Flug sehen. Hier ein paar Bilder. Entgegen einigen Unkenrufen ("Die soll ja kritisch zu fliegen sein"; "Das Teil fliegt doch nie" usw.) fliegt die Laus total unkritisch und ist einfach zu beherrschen - und hat noch dazu ein einmaliges Flugbild. Was will man mehr?

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Samstag, 12. April 2025.

Alles passt für den ersten wirklichen Erstflug.
Der Schwerpunkt bei 11cm wurde mit etwa 100 g Blei erreicht. Die Ruderausschläge wurden noch etwas vergrößert. Ein Dreizeller (LiPo) mit 1300 mAh steckte ganz vorne im Rumpf und los ging's.
Diesmal war der Rasen schön kurz gemäht und es gab kaum Wind bei strahlend blauem Himmel - genauso wie vor drei Wochen.
Wieder war Schorsch an den Knüppeln, Vollgas und die Laus hebt ab.
Der Rest ist Geschichte. Mehrere Runden um das Flugfeld vor traumhafter Kulisse (Alpen), schöne Landungen und mehrere Starts - die HIMMELSLAUS fliegt ausgesprochen gutmütig, entgegen allen kritischen Bemerkungen einiger "Experten" im Netz.


Start

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In der Luft

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Landung

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Fazit

Ein originelles Modell, das sich ganz einfach fliegen lässt - ein Zweiachser eben. Wenn man sich einmal mit den kurzen Hebelarmen vertraut gemacht hat und wenn man vor allem die Steuerung des vorderen Flügels als "Höhenruder" kapiert hat (Hinterkante hoch = tief, Hinterkante tief = hoch), ist das Fliegen mit der HIMMELSLAUS ein reines Vergnügen, vom Showeffekt ganz zu schweigen!
Normal kann schließlich jeder!

Zum Teil 1
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Guten Tag zusammen,
darf ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Hans, ich bin schon etwas in die Jahre gekommen und versuche mich schon etwas länger an selbstgebauten Fluggeräten. Angefangen hat es mit Konstrukten, die ich aus den Pappdeckeln alter Schulhefte, Schaschlick-Stäben und Zwirn zusammengestrickt habe. Die sind sogar geflogen, vom Balkon aus. Gleitzahlen bis 4:1, hört hört!
In dem Maße, wie die Fersteuer- und vor allem die Antriebstechnik Fortschritte gemacht hat,

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konnte ich die Größe meiner Modelle den Idealmaßen annähern (knapp 400 mm bis gut 600 mm Spannweite).
Und natürlich sitzen in meinem Nest auch ein paar ganz alltägliche Spatzen.

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Viel spannender finde ich allerdings die nicht ganz so gewöhnlichen Konzepte.

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Das alles fliegt so normal, wie jedes Modellflugzeug.
Nur dieses lausige Ding

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zeigt ein paar Eigenheiten, für die ich noch keinen adäquaten Umgang gefunden habe.
Die Schwerpunktberechnung mit Winlängs hat z.B. schon mal Ergebnisse gebracht, die nur zu Steckschüssen in der Wiese geführt haben. Erst mit deutlicher Rückverlegung fing das Teil an, sich fürs Fliegen zu erwärmen. Und im Gleitflug zeigt es sein ganzes Potential. Das ist wirklich phänomenal, wie dieses Läuschen segelt.
Aber sobald der Motor in Aktion tritt, kippt es nach links ab und ist nur mit beinahe Vollausschlag des Seitenruders am Absturz zu hindern.
Nachdem ich den Propeller an die recht geringen Leistungsanforderungen angepasst habe (kleinerer Durchmesser, flachere Steigung bei gegebenem Motor), sind mir ein paar wackelige Runden gelungen, aber immer nur mit reilich Seitenruder rechts und ständig auf der Hut vor sich aufsummierenden Abweichungen in jedwede Richtung. Am besten ging es mit Konstantgas, weil jeder Lastwechsel eine dramatische Richtungsänderung zur Folge hatte. Aber auch dann hat jede noch so geringe Abweichung vom Kurs die Tendenz, sich exponentiell zu vergrößern.
Gebaut habe ich das Gerät nach den Maßgaben eines Bauplans (nur kleiner, 500 mm an der Hauptfläche), also mit 3° Motorsturz und ohne Seitenzug.

Mein Frage ist nun, ob irgendwer eine Idee hat, wie ich dem (noch mal zu bauenden) Modell diese Unarten abgewöhnen kann.
 
Das Original der Himmelslaus war auch bekannt als Witwenmacher. Das hatte seine Ursache in einem kleinen Konstruktionsdefizit. Der Höhenruderauschlag des vorderen Flügels hatte keinen Anschlag und der Flügel konnte so weit herunter gezogen werden bis er mit seiner Endleiste auf die Nasenleiste des hinteren, unteren Flügels auflag. Dadurch ergab sich eine unkontrollierbare Fluglage, die auch nicht mehr ausgeleitet werden konnte. Der schlechte Ruf des Flugzeugs führte dazu, dass die Laus, zu Unrecht, etwas in Vergessenheit geriet. Aber wir Modellbauer können das ja besser machen und ein sicheres und gutmütiges Flugzeug bauen.
Gruß aus dem Sauerland
Ekkehard
 
Hi Knut,

Sehr schickes Läuschen.

Ich krieg fast ne Gänsehaut wenn ich mir nur dran denke wie die Laus mit Vollgas tief und schnell übern Platz geprügelt wird und von hinten Brian Johnson in voller Lautstärke "Thunderstruck" aus dem Lautsprecher brüllt ;)

...wegen der Kennung... ;)

Ich wünsche dir viele schöne Flüge mit diesem hübschen Blutdrucksenker.

Viele Grüße Stefan
 
Danke, die Kennung mußte einfach sein. Wenigstens hat es Einer registriert.

Aber bei solch einer "Prügelhitze" habe ich keine Lust zum über den Platz prügeln. Aber es kommen schon wieder Normaltage, denke ich.
Bis dahin.
K.
 
Servus Knut,
mit großer Freude lesen ich Dein Beiträge auf rcn.
Ich bin aus Aldersbach, 69 Jahre jung und seit 1969 Modellflieger. Meine Modelle sind mittlerweile überwiegend selbst konstruiert und natürlich aus Holz gebaut Soviel zur Vorstellung.

Ich habe den US Plan der Himmelsaus von outerzone runtergeladen (ich glaube das war auch der Plan von Deinem Freund). Da ich noch einen OS 60 Viertakter rumliegen habe, überlege ich den Plan etwas zu vergrößern, so dass er zum Modell passt.
Was denkst Du darüber? Wären 10% ausreichend? Ich entnehme Deinem Bericht - und auch dem Plan - dass das Mehrgewicht des OS vorne hilfreich wäre.

Freundliche Grüße aus Niederbayern

Hans
 
Servus Hans.
Das hört sich sehr gut an. Ein paar 100 g Mehrgewicht vorne spart Blei.
Der Viertakter macht sich sicher sehr gut und kommt den Originalen näher als ein E-Mot.
Wir hatten ja den Plan im Copy-shop so vergrößern lassen, daß eine SpW von 1,68m rauskommt.
Welche SpW willst du machen?


Durch Aldersbach fahre ich immer, wenn ich in den Bayer. Wald fahre. Das Bier ist mir auch bekannt.

Wenn du den Bau beginnst, kannst du ja einen neuen Thread aufmachen Das interessiert bestimmt viele Modellbauer.
Bis dahin.
Knut
 
Hallo Knut, besten Dank für Deine Antwort. Ich habe die Datei nur runtergeladen und ausgedruckt . Ist (angeblich 1:4) und die Spannweite des vorderen Flügels ist 1,7 m.

Aufgrund Deiner Angaben über das benötigte Blei, bin ich am überlegen, diesen Originalplan zu verwenden. Eventuell muss ich den Rumpf vorne ein bisschen modifizieren um den OS 60 unterzubringen.

Wenn Du mal wieder nach Aldersbach kommst, würde ich mich freuen, wenn Du Dich meldest. Eine Einladung in‘s legendäre Bräustüberl ergeht hiermit!
Grüße Hans
 
Die 1,70m (1,68m) dürfte genau das Maß sein, den der FMT-Plan gehabt hat. Den hatte ich auch verwendet.
Ich habe auch schon Modelle gesehen, die die Nase etwas verlängert hatten, um einen Verbrenner unterzubringen. Alles ist möglich.

Bis dahin.
Knut
 
Hallo Knut,
Deine Artikel sind wie immer ein Publikumsmagnet! Aber mit dieser hässlichen Krähe kannst Du Dich eigentlich nur kur vor Mitternacht, wenn keiner auf dem Platz ist, auf das Flugfeld wagen. Im Anblick dieser Missgeburt verblitzt man sich ja die Augen.
Beste Grüße
J.R.
 
Im Anblick dieser Missgeburt verblitzt man sich ja die Augen.
Tja, wo du Recht hast ...

Ich gehe sowieso nur in der Nacht auf die umliegenden Flugplätze, weil ich ja in keinem Club Mitglied bin.

Es ist immer ganz unterschiedlich: Der Eine trinkt, der Andere Bier.
Der Eine fährt BMW, der Andere ein richtiges Auto (DB) ;)

(Für alle Nichtchecker: Wir als uralte Freunde dürften so reden.)

K.
 
Hallo Knut,

ich hoffe, Dich stört es nicht, wenn ich Dir hier 2 Bilder von meinem Bau(beginn) zeige. Den Rumpf habe ich vorne um 30 mm verlängert und die ersten Teile sind auch schon fertig.
Grüße
Hans
 
Hallo Knut,

anbei ein paar Fotos vom aktuellen Bau
meiner „Himmelslaus“
Grüße aus Niederbayern
Hans
 

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Servus Hans.
Super!
Sehr sauber gebaut, da werde ich direkt neidisch.
Mach weiter mit Bildern.
Knut
 

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