praesumptiones hominis

Gast_2482

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Heute bei der Prüfungsvorbereitung gelesen:

«Si unus cum una, solus cum sola, nudus cum nuda in eodem lecto invenientur, pater noster orare non censentur.» :D
 
Es geht darum, dass wenn wenn zwei, einer (m) mit einer (f), ein einzelner mit einer einzelnen, ein nakter mit einer nakten, im gleichen Bett vorgefunden werden, davon ausgegangen wird, dass diese den Beischlaf vollzogen (Zu finden in den Dekretalen des Papstes Gregor als violenta praesumtio fornicationis). Es kann der Gegenbeweis erbracht werden. :rolleyes:

Allerdings zweifle ich im Moment gerade an der Konstruktion des Hauptsatzes... :confused:

Gruss
Jean-Claude
 
High J-C,
wieso zweifeln?
Si unus invenientur. Basta. Das andere sind ja nur Aufzählungen zum selben Thema.
paternoster orare non censentur.....dann erleidet er nicht das Geglaubt werden, ....nur gebetet zu haben.
Das Latein ist ja wie mit dem Fuß hinter dem Ohr kratzen. Jemandem widerfährt eine Tätigkeit ( Leidensform sogar noch im Konjunktiv...aber mit dieser Form umgehen sie den sauberen Satzbau ) vermeintlicherweise, nämlich eine Vermutung.
Einem Juri wie Dir doch eigentlich ungeheuer, oder ?
ccc
( ceterum censeo carbonicum esse verwendam )
 
Hallo Uli

Ich verstehe es im Moment nicht:

Gliedsatz: (unus invenientur)
Unus ist doch das Subjekt im Nominativ Singular, invenientur das Prädikat in der 3ten Person Plural (!) Indikativ Futur Passiv.

Hauptsatz: (pater noster orare non censentur)
Dasselbe: pater noster ist doch wiederum Subjekt im Nominativ Singular, censentur das Prädikat in der 3ten Person Plural (!) Indikativ (!?) Präsens Passiv.

Wieso stimmt Subjekt hinsichtlich des Numerus nicht mit dem Prädikat überein?

Cetero censeo carbonicum esse utendum. Hier handelt es sich ja gerade um einen AcI, was oben offensichtlich nicht der Fall ist.

Gruss
Jean-Claude
 
Öh, das Pater Noster, also das Gebet" Vater Unser " ist doch im Akkusativ. Der, der es " nicht gelaubt wird getan zu haben steht im zweiten (Haupt)-Halbsatz gar nicht mehr drinnen.
Wer so und so ...vorgefunden wird, d e r ( ist aber verschluckt) kann nicht glauben machen, nur " Vater Unser " gebetet haben zu wollen.

Das mit Singular und Plural würde ich deswegen nicht ernst nehmen, weil es ja eigentlich zwei sind, wer mit, und wer mit, und wer mit....
Mein Lateinbuch hab ich gerade ( seit 30 Jahren) verliehen, -tur ist wirklich nur Plural? Die 3. Pers., sing. und Plural ist doch öfters dieselbe.
 
Nenee, hab auch eine Weile gebraucht bis ich den 2. Teil gecheckt habe.

censere - meinen, beurteilen

in der 3. Pl. Passiv tippe ich darauf, dass es quasi als Konstruktion mit unbestimmten Personalpronomen zu sehen ist- also es werden Dinge gemeint=man nimmt an.
also, so ne Art "res censeri ", wobei res elliptisch wegfällt.

pater noster muss Akkusativ sein, wie der zustande kommt weiß ich aber nicht. Ist pater, patris konsonatische Dekl.? Müsste das dann nicht patrem heißen? Oder ist gar "pater noster" als feststehender Begriff nicht deklinierbar? jedenfalls ist das wohl der Akk als Objekt zu orare, nicht der Akk für eine Akkusativ Infinitiv. Der fehlt (eos), Ellipse eben.:D
Trotz großem latinum bleiben da doch paar Fragen offen :D

Ich würde es so übersetzen:

Wenn einer mit einer, ein Einzelner mit einer Einzelnen, ein Nackter mit einer Nackten in das gleiche Bett steigen, wird angenommen, dass sie nicht das Vater Unser beten.
 
propbuster schrieb:
Oder ist gar "pater noster" als feststehender Begriff nicht deklinierbar?
Klar, das Gebet ist ein " Eigenname", nicht deklinierbar. Sonst würde man ja Unseren Vater meinen.
Ansonsten hast es gut erklärt, für manche vielleicht etwas zu technisch...Großes Latinum, das war etwas. Ich bin ja zwischen Großem und kleinem sozusagen verhungert. Sieht man mir heute aber auch nicht mehr an.
 
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