PUR Inmouldlack mit Aceton verdünnen?

Hallo,

ich will den PUR-Lack, der üblicherweise als Inmouldlack verwendet wird (Isolack PUR-LS145 mit Härter 29344), als Decklack mit der Spritzpistole verarbeiten. Da bei Verwendung als Decklack nur 25% Härter zugefügt werden ist die Mischung jedoch etwas dicklich. Speziellen Verdünner habe ich keinen und wollte daher wissen, ob problemlos mit Aceton verdünnt werden kann.
SGS (da habe ich den Lack gekauft) wollte sich nicht festlegen. Der freundliche Mitarbeiter hörte sich so an wie: "könnte schon klappen, wir garantieren aber für nichts".

Hat jemand Erfahrung mit Aceton als Verdünnung für diesen Inmouldlack und könnte sie bitte hier beschreiben?

Gruss,

Michael
 
Hallo Michael,

ich habe den Lack zwar noch nicht mit Aceton verdünnt. Ich denke in der Form als IMC kann das funktionieren. Die Verdünnung ist ja prinzipiell nur eine Art "Transportsystem" für den Lack, damit der fein vernebelt. Ich fürchte, dass kaum Aceton auf der Oberfäche, aufgrund der hohen Verdunstung von Aceton, auftreffen wird, dadurch ist möglicherweise der Verlauf bei einer Positivlackierung mehr Hammerschlag. Ausserdem erzeugt Aceton Verdunstungskälte, wie sich die auswirkt ist auch fraglich.
Aber wie heißt es so schön " Versuch macht kluch" Berichte mal, ob es funktioniert.

LG
Thomas
 
Hallo Micha
ich habe das schon gemacht.
Atze als Verdünner geht bei fasst jedem Lack. Ich habe im Endergebnis keinen Unterschied zum Lack mit der empfohlenen Verdünnung festgestellt.
Ich verdünne fast jeden Lack mit Atze, da ich zu geizig bin für jeden Lack die besondere Verdünnung mit zu bestellen.
Gruß
Martin
 
Hallo Thomas & Martin,

Danke Euch beiden für die schnellen Antworten. Dann werde ich es mal wagen (denke aber eigentlich auch, dass es kein Wagnis ist, aber bekanntlich ist der Teufel ja ein Eichhörnchen...) und morgen die Pistole mit dem Gemisch füllen.

Viele Grüsse und allzeit gute Landung,

Michael
 
Servus Michael, ich für meinen Teil habe schlechte Erfahrung mit Atze und IMC (von HP) gemacht. Kurz - was ist passiert: Form mit Rengel 18 habe ich mit Trennmittel HGR5 behandelt. Einige Modelle sind schon aus der Form gebaut worden. Aus Unachtsamkeit habe ich einen Klecks Farbe in die Form bekommen. Diese Stelle habe ich mit Atze sauber gemacht. Anschließend darüberlackiert... Genau an dieser Stelle war keine Trennwirkung mehr vorhanden. Beim gewaltsamen Entformen hat es das Formenharz rausgerissen. Auch habe ich bemerkt, wenn in der Spritzpistole noch geringe Mengen an Atze enthalten sind, kann es sein dass das Entformen teilweise nicht so gut klappt wie normal. Ich für meinen Teil nehme deshalb zum Verdünnen immer das empfohlene Produkt. Gruß Schorsch
 
Hallo Michael,

besser erstmal an "unsichtbarer Stelle" testen. Bei selbstgemachter Verdünnung musst du mehrere Aspekte beachten:
Die chemische Aggressivität der Verdünnung kann dir die Chemie des Harzes schädigen, sogar zerstören. Aceton ist unbedenklich bei UP-basierten Lacken/Harzen. Alkohol ist bei EP geeignet. Dichlormethan zerstört alle Harze. Aceton ist nicht für Alkhydharz geeignet, das polymerisiert danach nicht mehr. PUR habe ich bisher nur mit dafür vorgesehenen Lösemitteln verdünnt. Aceton halte ich da für riskant, Nitroverdünnung auch. Benzin könnte man noch probieren. Besser erstmal testen.
Dann musst du die Empfindlichkeit des Trennmittels beachten. Aceton kann das Wachs angreifen, Alkohol löst PVA auf.
Schnelle Verdunstung verringert die Einwirkzeit, kühlt aber auch erheblich. Das kann sogar zu Wasserkondensation auf der Oberfläche führen.

Viel Erfolg und berichte mal über deine Erfahrungen.
Beste Grüße
Andreas
 
Hallo Schosl
Michael Fragt für eine Anwendung als Decklack an und nicht für die Anwendung innerhalb der Form, somit stellt sich die Frage nach der Endformbarkeit nicht.
Mit Lösungsmittel oder Atze in eine eingetrennte Form rum zu wischen um einen Fehler zu beseitigen ist im allgemeinen keine gute Idee.
Wenn dir ein Lackfehler (Klex) in die Form geraten ist, bleibt dir nicht anderes, wie den Lach aushärten zu lassen eine Dünne Schicht GFK in die Form zu bringen und den ganzen Sch.... inkl. Fehler aus der Form zu reißen. oder du Lebst mit dem Fehler und beseitigst ihn am fertigen Bauteil.
Ich bin mir Sicher das du das Problem auch mit der Spezialverdünnung gehabt hättest.
 
"... deshalb zum Verdünnen immer das empfohlene Produkt ..... " genau so.

Die Empfehlung ist nicht in der Geschäftstüchtigkeit des Herstellers begründet sondern am Einfluss des Verdünners
auf Auftragsverhalten, Verlauf, Trocknungsverhalten und Filmbildung und Filmeigensxchaften.
 
Ich selbst habe mir mal vor Ewigkeiten einen sogen. Grauschleier in einer Positivlackierung eingehandelt. Das Ergebnis war eine matte Oberfläche, die sich auch nicht auf Glanz polieren ließ.
Der kam damals vermutlich über ein ungeeignetes Verdünnungsmittel, zu hoher rel. Luftfeuchtigkeit oder durch zu schnelles härten durch hohe Temperaturen.
Ich selbst würde ausschließlich das vorgesehene Verdünnungsmittel nehmen.
Keine Experimente......
 
Hallo zusammen!

Erstmal vielen Dank fuer die vielen interessanten Beitraege, die das Thema aus so unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Miitlerweile kann ich berichten, dass bei Verduennung des Lack/Haerter-Gemischs mit ca 20% Aceton:
1) Das Verduennen "an sich" natuerlich klappt, der Ansatz wird duenner. Es bilden sich keine Klumpen, es faellt nichts aus etc., etc.
2) Das Spritzen problemlos funktioniert
3) Das Zeug nach ausreichender Aushaertezeit glaenzend, ohne Schleier o.ae. und recht kratzfest ist
Allerdings koennte es sein, dass Thomas mit seiner Vermutung recht hatte: Die Oberflaechenstruktur hat gewisse Aehnlichkeiten mit Hammerschlaglack (naja, "Hammerschlag" ist vielleicht etwas uebertrieben). Es ist dabei jedoch zu beachten, dass ich ein "feiger" Lackierer bin, der es bei Decklackierungen eigentlich nie zu glatten Oberflaechen bringt... Und ob bei der Formulierung dieses preisguenstigen Industrielacks das Kriterium "guter Verlauf" hohe Prioritaet hatte, weiss ich auch nicht.

Kurz: Ich wuerde es wieder so machen.

Gruss,

Michael

PS: Witzig ist ja, dass im Lechler Datenblatt beim Mischungsverhaeltnis 25% Haerter nach Gewicht ODER Volumen angegeben ist. Hab' natuerlich Gewicht genommen, so wurde die ganze Chose schon mal von vorneherein duenner :)
 
Hallo Michael,
25% Haerter nach Gewicht ODER Volumen angegeben ist
vermutlich ist der Lack und der Härter gleich schwer. Dann meint das 1:3 Härter-Lack-Verhältnis sicherlich entweder beides Gewicht oder beides Volumen, nicht frei austauschbar.
Wenn du den Härteranteil erhöhst, wird die Suppe erstmal flüssiger, aber sie bindet auch schneller ab, dann fehlt die Zeit zum glatt ziehen.
Es braucht sehr viel Übung oder noch mehr Glück für eine gute Lackierung.

Trotzdem weiterüben
Andreas
 
Hallo Michael,

Hammerschlag ist vielleicht etwas unglücklich von mir formuliert.
Orangenhaut trifft das besser, das ist immer ein Zeichen für zu schnelles Gelieren, da wahrscheinlich kaum Ace auf der Oberfläche auftrifft.
Daher gibt es sogar langsame und schnelle PU Verdünnungen, je nach Temperatur und Objektgröße. Genauso gibt es auch schnelle und langsame Härter.
Wenn die Viskosität beim Auftreffen auf die Oberfläche zu hoch ist, kommt kein Verlauf zustande und es gibt ne Orangenhaut. Halte ich dann länger mit viel Farbe drauf, ist der Läufer da, durch zu hohe Schichtdicke.
 
PS: Witzig ist ja, dass im Lechler Datenblatt beim Mischungsverhaeltnis 25% Haerter nach Gewicht ODER Volumen angegeben ist. Hab' natuerlich Gewicht genommen, so wurde die ganze Chose schon mal von vorneherein duenner :)
Der Lackierer arbeitet nach Volumen
Dazu giebt es zum Anmischen extra Mischbecher mit einer Einteilung manche Lackhersteller bieten auch spezielle Lineale an, an denen mann das Mischungsverhältnis ablesen kann. Im zweifel geht auch einfach ein alter abgebrochener Gleidermaßstab oder auch Zollstock genannt.
Es ist immer ein Balanceakt entweder einen Läufer zu riskieren oder leichte Orangenhaut zu behalten.
Nicht nur die Lackstärke, Lackiergeschwindigkeit u. Temperatur entscheiden über den Verlauf des Lackes auch der Abstand der Pistole zum Objekt.
Ich gehe davon aus das die meisten von uns nicht in der optimalen Umgebung lackieren mit Staub und ungeregelten Temperaturen zu kämpfen haben.
Wenn dann Wert auf eine fehlerfreie, glatte hochglänzende Oberfläche gelegt wird bleibt nichts anderes überig wie den Lack zu schleifen und zu polieren
Gruß
Martin
 
Hallo Andreas,

ja, der Lack hat eine Dichte von 1 und der Härter von 0,95. Das ist also so gut wie identisch, daher vermutlich das MV nach Gewicht oder Volumen nach gleichen Teilen. Allerdings unterscheiden sich die RAL Töne in der Dichte um einiges untereinander, weiß ist eine recht schwere Farbe aufgrund der Anteile von Titandioxid.
Ich denke daher, das Lacksystem ist recht unempfindlich in der Härterdosierung. Ich mische auch nach Gewicht, der einfachheithalber, gehe aber als IMC auf ca. 30% Anteil. Wird deutlich höher gegangen, steigt die Chemikalienbeständigkei, die Sprödigkeit nimmt zu und das Ablüften dauert länger. Da im Härter nicht nur Isocyanat enthalten ist, sondern auch Verdünneranteile, steigert sich die Ablüftzeit, das ist spürbar. Früher war ich bei einem Anteil von 40-45% mit genau dieser längeren Ablüftzeit. Dadurch wird übrigens, bei IMC Anwendung, das Trennsystem stärker angegriffen, aufgrund längerer Einwirkzeit, es sei denn das ist lösemittelfest.

Gruß
Thomas
 
Hallo Thomas,
wir verwenden den IMC-Lack seit 15 Jahren. Zu Beginn hat mir Herr Breddermann ca. 45% Härterzugabe (Gewicht…) empfohlen, und ich meine mich zu erinnern, dass dieser stark erhöhte Härteranteil ursächlich sein sollte für die erwünschte Eigenschaft des Lacks, auch noch mehrere Wochen nach dem Lackieren eine feste Verbindung mit Epoxydharzen einzugehen. Wir haben schon Formteile ein Jahr nach dem Lackieren erfolgreich weiterverarbeitet…
Hast du in diesem Punkt irgendwelche Probleme bekommen, da du nur 30% Härter verwendest?
Eine verringerte Sprödigkeit durch geringeren Härteranteil würde mich schon reizen…
Gruß
Gregor
 
...
Wenn dann Wert auf eine fehlerfreie, glatte hochglänzende Oberfläche gelegt wird bleibt nichts anderes überig wie den Lack zu schleifen und zu polieren
...
Hallo,

Autsch! Ich sehe, dass ich eine wesentliche Information unterschlagen habe: Da ich von meiner Lackiererfahrung her nicht von einer "vernünftigen", d.h. ohne Nachbearbeitung verwendbaren Oberfläche ausgegangen war, war von vorneherein der Plan zu schleifen und zu polieren. Daher also meine (vielleicht für den einen oder anderen unverständliche) Zufriedenheit mit dem eigentlich nur mässigen Ergebnis.

Gruss,

Michael
 
Hallo Gregor,

der Vorteil bei nur 30% Zugabe liegt für mich darin, dass die Sprödigkeit, Kratzemfindlichkeit erheblich geringer wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Lack schneller geliert, man kann dadurch schneller lackieren und das Trennmittel, soweit nicht absolut lösemittelfest, weniger angegriffen wird. Die Teile lassen sich daher besser entformen. Versuche mit Beschleuniger haben dazu geführt, dass erstmal der Lack noch schneller anzieht, aber dadurch sehr versprödet und dadurch Ablösungen über Sprödigkeit am Bauteil entstehen. Nachteilig bei geringerer Zugabemenge ist, dass die Chemikalienbeständigkeit schlechter wird. Ich dachte auch mal, dass der Verbund durch die Erhöhung der Härtermenge besser wäre, bin aber ziemlich sicher, dass die sowieso nur auf Adhäsion beruht, also keine molekulae Verbindung auf Kohäsion. Was zum besseren Verbund erheblich hilft, ist den gehärteten Lack anzuschleifen mittels Schleifvlies.


LG
Thomas
 
Hallo Thomas,
vielen Dank für deine Einschätzung.
Wir haben tatsächlich keine Probleme mit der Haftung des Laminates auf dem Lack, obwohl wir nur erhabene "Staub-Pickel" vor dem Laminieren wegschleifen, die Lackoberfläche reiben wir allerdings gründlich mit Aceton ab...
Sprödigkeit und Kratzempfindlichkeit sind m. E. nicht auf dem Niveau eines guten 2K-Lacks, daher werde ich bei nächster Gelegenheit einmal Versuche mit nur 30%-iger Härterzugabe machen...

Übrigens - Trennprobleme haben wir nur einmal gehabt (wir trennen überwiegend mit PAT921), die Ursache war eindeutig:
Ich hatte aus Bequemlichkeit für ein paar kleine Hutzenformen nicht die HVLP-Pistole reinigen wollen, und mit Pinsel gearbeitet.
Der Lack zog sich immer wieder zurück, ich musste die Formen nach kurzer Gelierzeit mehrfach überstreichen, um eine gleichmäßig deckende Schicht zu erzielen. Dabei habe ich offenbar die Wachsschicht zerstört...
Gruß
Gregor
 
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