Regler verpolt

Hallo,

habe gestern dummer Weise kurzzeitig den Regler beim Anstecken an den Akku verkehrt angeschlossen: Es gab einen kräftigen Blitz und ein kleines Rauchzeichen vom Regler.
Wiederum richtig angeschlossen funktioniert der Regler jedoch einwandfrei und zeigt optisch und funktionell keine Schäden. Auch nach einem mehr-minütigen Probelauf von Halbgas bis Vollgas trat keine Erwärmung auf. Max. Strom bei dieser Anwendung mit 3s Lipos sind knapp 60A.
Es handelt sich um einen älteren Jeti-Hacker Master 70 flight mit linearem BEC für 6-12 NiCd Zellen.

Frage: Kann ich den Regler weiterhin bedenkenlos in diesem Modell verwenden ?

Grüsse
Ernst
 
Hallo Ernst,

wie dir das nur passieren konnte.

An deiner Stelle würde ich am Akku ein Weibchen auf Plus und ein Männchen auf Minus löten. Da gibt es kein Verwechseln.

Aus Schaden wird man klug. Ich hab mir deswegen auch schon einen Regler zerschossen.

Heinz
 
Ja, so ist das mit der Naturheilkunde: Nicht die Auswirkung, das Symptom angehen, sondern die Empfehlung geht, das Problem an der Wurzel anzupacken.
Hilft aber z.B. bei Beinbrüchen nicht viel, Naturheilkunde würde Bananenschalen, Randsteine und rutschiges Laub verbieten.
Es gibt halt Fragen, da hat man sein System, und das vielleicht sogar mit gutem Grund. Ich hab bei meinen 4mm-Steckern aus alten Zeiten immer noch Doppelweibchen an den Akkus, weil kurzschlusssicher, jedes 4mm-Kabel passt als Ladekabel, Messkabel etc., Stecker ( also Männchen ) an den alten Akkupolen machte man einfach nicht, und und und...
Ich hab bisher einmal einen Regler zerstört durch Falschpolung.
Nun zu Deinem Problem: Wenn er ( noch ) geht, ist das noch nicht viel. Es kann ein Bauteil ( der Eingangskondensator oder das BEC ) einen Schuss haben. Normalerweise puffert der Kondensator, solange es blitzt, ja ab, weil er sich erst selbst auflädt und dabei jegliches Potential runterzieht, aber dies ist nur von kurzer Dauer.
Leider ist es so, daß man Dir jetzt wohl kaum helfen kann. Eisenden wird nicht viel bringen, verpolte Elektronik wird m. W. ungern repariert, weil man den Bauteilen nicht ansieht, ob sie noch gut sind. Und endlos austauschen ( umlöten ) kann ein Service ja nun auch nicht. Und einfach weiterbetreiben....da steht das BEC davor. Ich würde dieses ungenutzt lassen und nach abklemmen der Servoplusleitung mit E-Akku weiterfliegen. Fällt der Motor aus, landen ( es sei denn es ist die Absaufversicherung beim hochalpinen Fliegen, da wärs blöd). Wenigstens geht die FS dann noch. Oder austesten, Weiche dran, und fliegen...und schauen, ob das BEC ausfällt.
Ja, den/die EIngangskondensatoren würd ich auf jeden Fall rausschmeissen. Sind aber Spezialtypen Low-Res, kosten etwas mehr als normale Cs.
 
Hallo Ernst,

bei den derzeit erhältlichen Reglern ohne Verpolschutz
werden im Falle einer Verpolung die parasitären
Dioden in den Leistungs-MOSFETs leitendend.

Durch die in den Brushlessreglern notwendigen Halbbrücken
sind es immer zwei Diodenstrecken in Serie. Selbst bei einem
Akkustrom von 1000A wird die Spannung nicht größer als -2V
werden, da dieser Strom auf mehrere Halbbrücken aufgeteilt
wird und pro Halbbrüche auch mehrere FETs parallel verschaltet
sind.

Liegt dieser Strom zu lange an, dann werden die Fets zerstört
und der Regler funktioniert nicht mehr. In deinem Falle hast du
wirklich Glück gehabt. Die Elkos mußt du deshalb aus meiner Sicht
nicht austauschen, da sich bei dieser kleinen Spannung und der
kurzen Zeit die Oxidschicht nicht abbauen kann.

Ich habe bei Verwendung eines Netzgerätes zum Laden von A123-Akkus
auch schon mehrmals den Regler und nicht den Akku "geladen".
Das heißt ich habe den Regler für mehrere Sekunden mit 10A verpolt und
die Spannung lag bei etwa -1.6V (= 2 * -0.8V pro Diodenstrecke).
Der Regler hat das ohne Probleme Überstanden.

Gruß Horst
 
Danke Horst, das beruhigt mich.
Meine grösste Sorge ist ob das BEC Schaden genommen haben kann ?
Allerdings hat es bei einem längeren Test mit 4 voll laufenden Servos keine Probleme gemacht.
Deine Erklärung entspricht auch einer früheren Erfahrung, da hatte ich einen Regler ca. 5 Sekunden lang verkehrt angeschlossen bis ich es bemerkte, da hat sich aber nachher bei richtigem Anschluss gar nichts mehr gerührt !
Diesmal war die Verbindung jedoch nicht einmal eingesteckt, die Stecker haben sich nur berührt sodass es einen Funken gab, also nur Bruchteile einer Sekunde.

Grüsse
Ernst
 
Hallo Ernst,

bezüglich BEC weiß nur nur, dass es einige Spannungsregler gibt die
wirklich eine andauernde Verpolung selbst bei voller Akkuspannung aushalten
würden.

Allerdings glaube ich nicht, dass so eine Type in deinem Regler verbaut wurde.
Du kannst ja den oder die Spannungsregler auf dem Regler ausfindig machen
und dann kann man im Datenblatt nachschauen was laut Hersteller zulässig
ist.

Das Problem mit Bauteilen und Schaltungen generell ist halt immer, dass es
zwischen gar nicht funktionieren und gar kein Schaden eben auch sein kann
dass das Bauteile vorgeschädigt wurden und der Ausfall irgendwann später
kommen kann.

Am besten ausgiebig am Boden testen und bei einem großen oder wertvollen
Modell lieber auf Nummer sicher gehen und austauschen.

Gruß Horst
 
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