Segel selbstgemacht

Tiga

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Hi Leute,

für meine Arrow habe ich jetzt einen kompletten Segelsatz in Neuseeland bestellt, für die Woodpacker möchte ich es mal selbst versuchen.

Als Grundlage für meinen selbstgemachten Segel dient der Bericht von Andreas. Nun ist mir aber bei seiner Anleitung eines aufgefallen: er verwendet zum zusammenkleben der Segelbahnen eine Profilschablone aus Holz. Allerdings für alle Bahnen immer dieselbe Schablone, obwohl ja die Bahnen nach oben hin immer schmäler werden und sich somit die Profilsehne verkürzt. Ich vermute mal daß er diese Tatsache durch das neigen des 2. Schablonenteils ausgleichen möchte. Allerdings dürfte das meiner Meinung nach nur unzureichend funktionieren.



Ich stelle mir das so vor:
die schwarze Linie stellt das Musterprofil dar, in diesem Fall das gute, alte NACA 0012. Die grüne Linie ist der Beginn der ersten Segelbahn, also das Unterliek. Hier passt es noch perfekt. Die blaue Linie ist der Beginn der 4. Segelbahn, die an der 33%-Marke aufgelegt wurde. Wie man sieht ist bleibt von der Profiltiefe kaum noch was übrig. Selbst die von Andreas angegebene Neigung um 2-3% (oder auch etwas mehr) kann diesen Effekt nur teilweise ausgleichen.

Daher meine Frage: wäre es nicht besser, eine Originalschablone herzustellen, die das Profil auf ganzer Länge exakt wiedergibt? So hätte jede Segelbahn die Idealkurve und das Segelprofil würde auch im Topbereich nicht verflachen.



Vielleicht könnt ihr mir ja sagen ob ich das richtig sehe oder irgendwo einen Denkfehler eingebaut habe.

Falls meine Überlegungen korrekt sind dann wäre auch die Herstellung der Schablone schnell passiert: 5 Musterrippen herstellen und mit dem "heißen Draht" aus Styrodur ausschneiden.

Grüße
Rainer
 
Hallo Rainer,
ich denke mal, das ist der richtige Ansatz.
Rein theoretisch betrachtet würde ich im oberen Teil des Segels die Profilwölbung sogar noch erhöhen (mehr Bauch oben, wie es im anderen Thread schon bezüglich der Experimenta erwähnt wurde). Da ein Dreieckssegel ja eine unterelliptische Tiefenverteilung hat sollte so die Auftriebsverteilung mehr in Richtung Ellipse verschoben werden können.

Friedmar
 

Tiga

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Hi Friedmar,

ja, daran hatte ich auch schon gedacht. Zumal ja auch durch durch die Mastbiegung und den Twist das Profil flacher wird.

Ich dachte daran im Unterliek mit 10-11% Profiltiefe zu beginnen und bei jeder Bahn um 1% zu steigern.

Grüße
Rainer
 

Niels

User
Hallo Rainer,
Friedmans Erklärung ist nichts mehr hinzuzufügen.

Ich würde nur nicht ein Naca-Profil nehmen, das ist ungeeignet, weil ganz vorne zuviel Rundung ist. Damit würdest Du keine Höhe laufen können.
Lieber ein Kreisbogenprofil, das nach vorne verschoben ist.

In Thomas hervorragenden Trimmartikel sieht das gewünschte Profil so aus:



Schöne Grüße,
Niels

[ 20. Dezember 2003, 12:17: Beitrag editiert von: Niels ]
 

Gast_633

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tja tiga, du hast natuerllich recht. wenn ich den platz haette, waere eine ganze klebeschablone das beste. die neigung ist aber trotzdem wichtig. wobei ich es dir nicht erklaeren kann, sondern nur festgestellt habe. ( das ganze ist uebrigens nicht auf meinen mist gewachsen, sondern wird hier im club seit 30 jahren so gelehrt- eine ganzsegel sablone hat keiner). aber an den segeln ist am meisten noch zu entdecken und zu probieren. nur zu. -
sag ich ja schon immer, der rumpf ist nur 2.rangig.
erzaehl deinen erfahrungen

gruss andreas
 

Tiga

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Hi Andreas,

über diese abwinkeln der Schablone habe ich lange nachgedacht weil mir Sinn dieser Aktion nicht ganz klar war. Aber inzwischen bin ich mir ziemlich sicher daß man damit den Twist des Achterlieks hinbekommen will.

Wenn das so ist (wovon ich mal ausgehe) dann bekomme ich das sicher noch genauer hin wenn ich die in der von mir angedachten 1:1-Schablone gleich die passende Schränkung mit einbaue.

Ich sehe in einem Segel nichts anderes als eine senkrecht gestellte Tragfläche, und auch da baut man ja je nach gewünschten Eigenschaften 2-4% Verwindung ein, also genau der Winkel den auch du beschreibst.

Ich werde es auf jeden Fall mal so versuchen, erst mal mit einem Satz Packpapiersegel, und dann berichten!

Grüße
Rainer
 

Tiga

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Hi Niels,

ich habe mir diese Profilgeschichte nochmal überlegt und finde das NACA 0012 doch nicht so falsch. Es hat zwar einen sehr stumpfen Anströmbereich, aber der ist ja durch den 12mm-Mast ohnehin vorgegeben!

In diesem Punkt ist auch die Skizze von Thomas nicht ganz korrekt, das sieht es so aus als wäre der Mast nur ein neutraler Fixpunkt an dem das Segel angeschlagen ist.

Aber man muß den Mast ja in das Profil mit einbeziehen.



Ich habe hier mal versucht, den Mast mit 12mm Durchmesse maßstabsgerecht in ein Profil mit ca. 200 mm Profilsehne (entspricht dem IOM-Segel in halber Masthöhe) einzuzeichnen. Betrachtet man den Teil des Profils der hinter dem Mast beginnt (und da müßte man ja noch 2-3 mm Abstand hinzurechnen) dann ist es ab diesem Punkt bereits nicht mehr allzu stark gewölbt.

Würde man ein Profil mit dünnerem Nasenbereich wählen dann passt das ja gar nicht mehr zum Mastdurchmesser.

Grüße
Rainer
 
Hallo Rainer,

zuerst mal, ich habe, außer einer Ausnahme PVC Tischtuch vor 30 Jahren, noch kein Segel selbst hergestellt.
Wenn Du die Serie von Thomas zum Segeltrimm intus hast, werden in einigen Detals vielleicht andere Ansätzen kommen. Ich habe die Theorie noch nicht vollständig aufgenommen, aber bisher geglaubt so viel verstanden zu haben.
1. Die Erzeugung des Segelprofils ist von vielen Bedingungen abhängig.
2. Segelherstellung in mehreren Bahnen ist nur ein Pusselteil zur Erlangung des Profils.
3. Ein fertiges Profil kann ich nicht zusammenkleben.
4. Das Wechselspiel der Einstellmöglichkeiten ist zu beachten um DAS PROFIL für DIE Wasser-/Windbedingungen zu erhalten.

So wie ich es verstanden habe, ist die Neigung der beiden Schablonenhälften DIE GRUNDLAGE, dass ein Profil im ungetrimmten Zustand im Segel entsteht. Würde man 4 Bahnen ohne diese Neigung zusammenkleben, bleibt das Segel weiterhin eine Ebene, die auf dem Tisch wieder flach aufliegt. Natürlich fällt das Segel Nummer 1 auch fast flach auf den Tisch, weil das Maerial so dünn ist, aber nur fast.
Durch die Neigung der Schablonen werden die 4 ebenen Segelfolien in ein räumliches, kantiges Gebilde gebracht, das dann ein Profil hat. Stellt man sich vor die Neigung sei 20 % dann erhält man eine Schüssel. Wenn das Material dick genug und die Neigung groß genug ist, fällt das Segel nicht mehr flach auf dem Tisch zusammen.
Diese Formsteifigkeit behindert dann aber bei schwachen Winden, dass das Segel bei Bugwechsel schwerer durchschlägt und eine Zeit lang das Profil falsch rum steht.
Die Möglichkeit einer Profilschablone 1:1 ist vielleicht von Extremsportlern probiert, mir aber in der Praxis nicht bekannt.
Was soll damit bezweckt werden. Bei unserer Methode mit den 4 zugelassenen Bahnen entsteht ein kantiger Körper an den Klebestellen, dessen Kantenbildung mit Zunahme der Bahnen abnimmtund bei einer 1:1 Schablone dann nicht mehr ist. Die 1:1 Schablone bringt aus meiner Sicht den entscheidenden Vorteil erst, wenn man in der Lage ist durch Thermobehandlung eine ganze Segelfolie in einem Gang der Schablone ohne Klebeverbindungen anzupassen.

Da beim Segelprofil derzeit noch so viel probiert wird, erscheint der Aufwand bei der jetzigen Methode überschaubar. Ich habe gehört, dass manche Segelhersteller auch eine zweite Profilschablone haben, um eventuell an anderer Stelle ein tieferes Profil zu erzeugen.

Du hast recht, wenn Thomas seine Skizze nicht ganz exakt ist. Ich habe seine Serie als Grundlagenvermittlung verstanden, damit das Fahrrad nicht neu erfunden werden muß. Mir hat die Sehrie viel gegeben (Dieser Dank geht an Dich Thomas).

Bei Deiner Skizze mit dem 12 mm Mast ist zu bedenken, dass Drehpunkt Großbaum, heute in der Regel ca. 4-6mm hinter dem Mast, und Drehpunkt Segelprofil nicht identisch sind. Eine gewollte Profilveränderung bei ganz dicht (etwas flacher)und voll gefiert (etwas tiefer) kann damit erzeugt werden.
Wenn in Deiner Skizze das Vorliek mit den Befestigungsschnüren einzeichnet werden und man sich die Stellung des Vorlieks zum Mast beim Durchlaufen von ganz gefiert BB bis ganz STB vorstellt könnte ich mir denken, dass das Profil zeitweise deutlich vom NACA 0012 abweicht. Zum Verständnis schneide mal in der Skizze die Nasenrung und die untere Profilhälfte weg und zeichne die Befestigungsschnüre im belasteten Zustand bei Halbwindkurs ein (Vorliek sollte zur besseren Beweglichkeit bei ganz dicht ca 2-4 mm vom Mast entfernt sein).
Es müßte eine gewölbte Platte mit unterhängendem Rohr entstehen. Mit diesem Gebilde wollen wir das gewünschte Profil erzeugen.

Twist
Im Flugzeubau ist es die Tragflächenschränkung (glaub ich) um den induzierten Widerstand an den Tragflächenenden zu vermindern. Ob es bei uns um den gleichen Effekt geht glaub ich nicht.
Im Tragflächenbau kann die Schränkung eingebaut werden, da ein Körper Verdrehfestigkeit mitbringt. Ob die im Segel eingebaute Schränkung Sinn bringt, kann ich nicht einschätzen. Ich vermute, dass sie nur sinnvoll durch Trimmung realisiert werden kann.

Schluss

Viele Grüße aus dem NO

Ulli
 

Tiga

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Hi Ulli,

Ein aus Bahnen zusammengesetztes Segel kann immer nur eine Annäherung an die Idealform eines harmonisch verlaufenden Flügelprofils sein. Nehmen wir mal an ich konstruiere eine Schablone, am unteren Ende beginne ich mit einer Profilsehne von 360mm und einer Profildicke von 10% (Profil A). Auf 80% der Segelhöhe habe ich dann ein Profil mit 150mm Sehne und 13% Dicke (Profil B).

Auf dem Weg von Profil A nach Profil B habe ich an jedem beliebigen Messpunkt ein anderes Profil.

Nehmen wir mal theoretisch an ich würde ein Segel aus 100 Bahnen erzeugen, dann könnte ich jede Bahn neu anpassen und würde mich daher dem Gesamtprofil relativ genau annähern. Je weniger Bahnen es sind desto ungenauer wird die Anpassung, denn ein Profilwechsel kann ja nur immer an der Stoßstelle zweier Bahnen vorgenommen werden. Ein Segel aus 4 Bahnen ist also nur ein relativ schlechter Kompromiss, allerdings für unsere Zwecke sicher völlig ausreichend.

Du hast recht: das "perfekte" Segel bekomme ich nur in dem ich es aus einem Stück in einer spezielen Form "backe" - wird ja auch teilweise schon so gemacht!

Der für mich interessante und wichtige Punkt ist aber, ob ich mit einer 1:1 Schablone mit genauem Profilverlauf auf diese 2-3prozentige Neigung der einfachen Schablone von Andreas verzichten kann. Ich denke ja, denn diese Neigung habe ich ja schon dadurch daß am Ende eines Schablonensegments ein anderes bzw. kleineres Profil da ist wie am Anfang.

Ich habe das gerade mal auf die Schnelle mit 3 Profilrippen und einfachem Papier versucht und habe nach der Verklebung tatsächlich eine leichte Wölbung drin, also das Papier liegt nicht mehr ganz flach auf der Tischplatte auf.

Aber ob das alles so stimmt weiß ich erst wenn ich es versucht habe. Ich werde mal mein Eigenkonstruktion mit den Backmagick-Sails vergleichen - bin schon jetzt gespannt was dabei raus kommt!

Grüße
Rainer
 

Niels

User
Hallo Segelbaufreunde!
Das ist ja mal wieder mal ganz schnell eine Riesendiskussion geworden, aus der man was ordentliches rausziehen kann.

Ich gebe zu, Thomas Zeichnung ein wenig aus Bequemlichkeit übernommen zu haben. Das sie qualitativ richtig ist, gehe ich von aus. Zumal ich Thomas Tipps sehr schätze, damit ließ sich meine MM sozusagen vom Käfer zum Porsche wandeln. :)

Auf zur Sache:
Wie schon angedeutet, dienen die ominösen 2-3° dazu, das Profil zu erstellen. Sonst kann man keine dreidimensionalen Strukturen erzeugen.
Vielleicht stelle man sich eine Getränkedose vor, um die zwei Papierbahnen geklebt sind und in einer ringsumlaufenen Naht miteinander wie zwei Segelbahnen verklebt sind. Schneidet man das in Längsrichtung der Dose auseinander und legt die verklebten Bögen auf den Tisch, stellt sich heraus, das das ganz doch wieder platt ist.



Halbwegs deutlich geworden? Es bleiben natürlich effekte, die sich durch die Nahtdicke ergeben, aber das hat keine praktische Bedeutung.

Oder auf einem anderen Weg erklärt: Die Kanten einer Segelbahn haben eine konvexe Krümmung. Wenn nun zwei solcher Kanten zu einer Naht zusammengesetzt werden, ergibt sich ein Profil, weil in der Mitte mehr Tuch ist, das dann nach Lee sacht. Profilbänke oder eine "Schildkröte" sind Hilfen, das im modellmaßstab hinzukriegen.



Halbwegs verständlich?
Es kann natürlich sein, daß Deine drei Profilrippen eine ganz ähnlichen Effekt haben.

Das Problem am Naca-Profil ist wirklich der Nasenradius. So wie Du das mit Mast gezeichnet hast, ist es ja schon ein wenig gemäßigter. Trotzdem bleibt der Rat dabei, ein Kreisprofil zu verwenden. Im Rahmen der Experimentierlust bleiben Dir natürlich alle Möglichkeiten offen.

Wenn wir mit unseren Vereinscongern über die Alster schippern, und unsere begabten Segelschüler das Großfall nach dem Motto "Viel hilft viel" durchgesetzt haben, dann sieht das Groß auch so ähnlich aus, nämlich mit einem kleinen Radius vorne. Durch diesen Anschnitt muß das Segel dichter gefahren werden, als üblich. Oder anders gesagt: Man kann damit keine Höhe fahren, weil das Segel sehr schnell vorne einfällt. Man merkt direkt, daß das Boot einfach besch... fährt. Mit einem ordentlichen Profil hat man direkt mehr Höhe und mehr Speed.

Eigentlich sind die 33% auch ein wenig zu weit vorne. Irgendwo habe ich gelesen, daß diese Lage für catgetakelte Boote gilt ( Sebastian müsste das genauer wissen ;) ).
Bei Yachten fährt man die maximale Profiltiefe recht in der Mitte, oder ein kleines Stück davor (45% z.B.) Sonst nimmt die Höhe am Wind ab, dafür wird das Profil ein wenig toleranter, d.h. bei Steuerfehlern fällt nicht so viel zum Tuch ein. Das wäre damit eine Einstellung für mehr Welle. Irgendwo stand, daß dieser Effekt der "narrower groove", also d.h. man muß bei einem Segel mit flacherem Anschnitt genauer steuern , für Modellyachten genauso gilt.

Aber Raum für Verbesserungen gibt es überall :)
Schöne Grüße,
Niels
 

Tiga

User gesperrt
Hi Niels,

du hast das Prinzip leider noch nicht verstanden, daher ist das Konservendosen-Beispiel falsch, zumindest was meine 1:1-Schablone angeht. Es trifft hingegen auf die Schablone von Andreas zu.

Andreas verwendet zwei Schablonenteile, die beide dasselbe Profil aufweisen. Das entspricht dem Dosenbeispiel. Er würde ohne das Abwinkeln um 2-3 Grad genau den von dir geschilderten Effekt erreichen - die Bahnen wären hinterher absolut platt.

Ich verwende aber eine 1:1-Schablone, die den genauen Profilverlauf wiedergibt, also die Profiländerung mit jeder neuen Segelbahn.



Links dein Beispiel, rechts das Prinzip der Originalschablone. Ich habe ja an jeder der 3 Nahtstellen ein völlig anderes, jeweils deutlich verjüngtes Profil.

Bei der Methode mit der einfachen Schablone sind die 2-3 Grad ein geschätzter Wert "pi mal Auge", je nach Segel kann der Wert relativ genau hinkommen oder auch nicht. Mit der "Originalschablonenmethode" habe ich exakt den Winkel der erforderlich ist.

Zu meinem NACA-Profil: es wurde von mir nicht zeichnerisch vereinfacht sondern es ist das Originalprofil, erstellt mit dem Programm "MPROFILE".

Viele Grüße
Rainer

[ 20. Dezember 2003, 19:45: Beitrag editiert von: Tiga ]
 
Hallo,

mal nicht reingeschaut, schon gibt es was zu meinem Lieblingsthema. Und dann noch derartig viel..... Es ist Vorweihnachtszeit – habt ihr nichts mehr Einzukaufen?

Ne ne, die Skizze mit dem mittigen Mast ist schon so gedacht, wie sie gezeichnet ist: Wenn der Mast eine Keep hat, dann bleibt das Segel auch in der Mitte. Und ich benutze nunmal gerne eine Keep.
Bei der Ringe-Befestigung dagegen rutscht es wie von Rainer gezeichnet auf die Leeseite (meistens, bei wenig Wind nach einer Wende nicht immer... L). Uli hat recht, mein Trimmartikel ist ein kleiner Grundlagen-Artikel, der nicht alle Fälle beschreibt. Denn sonst könnte es ein Buch werden – ein dickes.....

1:1-Schablone: Kenne tatsächlich jemanden in Berlin, der solche Dinger früher (vor/um 1980 herum) für M-Segel gemacht hatte. Riesen Aufwand – abschreckend!
Die kleine Schildkröte hat es aber genauso bzw. sogar besser geschafft.

Der Sinn der schrägen seitlichen Auflageflächen bei der Profilschablone aus Holz ist ein entsprechendes „Auseinanderziehen“ der beiden Bahnen im Nahtbereich. Dadurch wird erst ein Profil in die beiden Stücke eingeschoben. Wäre die Auflage gerade und damit nur eine in sich ebene Tragfläche, würde nichts passieren, da sich das Material in der Profilmitte nicht in der Nahtbreite verändert.
Mit Twist im Achterliek hat das aber nichts zu tun, der wird nicht eingearbeitet sondern später per Niederholer einge- und per Winddruck oft wieder verstellt. Ganz einfach, würden die Flieger auch gerne so einfach haben, aber die können ja ggfs. die Wölbklappen/Querruder etwas trimmen.....

Verschiedene Profiltiefe im Segel: In der Theorie ist es richtig, wenn ein Segel oben mehr Bauch bekommt. Viele Segel werden auch so gemacht. Das kann man auch sehr einfach erreichen, wenn man eben verschiebene Schildkröten verwendet. Der Aufwand für so eine Schablone ist ja nicht so hoch, von daher kann man sich austoben. Bantocks Segel sind übrigens glaube ich auch oben bauchiger gefertigt.
Ich selbst bin bislang allerdings immer nur mit einer Schablone ausgekommen, allerdings stets in Kombination mit Vorlieksrundung / Mastbiegung = gesamter Riggtrimm.

Wenn man oben mehrere kleine Bahnen vorsieht, dann kann man auch mit einer flachen Schablone mehr Profiltiefe erzeugen, da jede Bahn ein Stück Profiltiefe ins gesamte Segel bringt. Ist allerdings bei den IOM-Segeln leider nicht erlaubt, da die Bahnen vorgegeben sind.

Prinzipiell habe ich selbst gerne Segel, die ich auch mal flach trimmen kann. Einen eingearbeiteten Bauch kann man aber nur bedingt „flachtrimmen“, ohne dabei Falten zu bekommen – zumindestens bei mir. Beim Modellsegel reicht es in meinen Augen zumeist, wenn man über Mastrimm und Unterliekverstellung ein relativ flach profiliertes Segel verwendet. Nur meine „Superleichtwind-Segel“ waren z.T. tief bauchig, besonders auch oben prozentual tiefer. Das ergab zwar guten Zug, aber weniger Höhe - gegenüber Walicki-Booten. Soweit ich weiß, hatte Walicki früher zumindestens im Gegensatz zu allen anderen Segelmachern keinen eingearbeiteten Bauch/Profil in seinen Segeln, da er sonst seine Profiltrimmung nicht richtig nutzen konnte - die konnte bei seinen flachen Segeln daher die gesamte Profileinstellung steuern. Seine Segel fand ich damals immer mehr als Brett als ein theoretisch wirkungsvolles Segel, aber in Kombination aus Profilmast und Unterliekverstellung /Achterliektrimm waren sie auf dem Wasser bekanntlich nicht so ganz schlecht. (Ob ein Segel aus Bahnen besteht muß ja nichts darüber aussagen, ob es auch profiliert gefertigt wurde.)

Unter www.micromagic-rc-segeln.de bei Berichte-Bauberichte habe ich einen Artikel eingestellt, der meine Methode zur Herstellung profilierter Segel beschreibt. Einen noch etwas umfassenderen habe ich schon seit einiger Zeit in Arbeit – Eure Diskussion kommt mir gerade recht ;)

So, das habe ich offline geschrieben, zwischen 18:00 bis 21:00 – mal sehen, bei Eurer Beteiligung bin ich sicher schon überlaufen worden.... Dann nichts für ungut.

Gruß
Thomas
 

Tiga

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Hi Thomas,

deinem Kommentar entnehme ich daß meine Vollschablonen-Methode zumindest mal nicht falsch ist und ich damit denselben Effekt erreicht wie du mit deiner Schildkröte.

Ich halte meine Methode für ziemlich einfach: 2 Styrodurplatten aus dem Baumarkt (3 EUR pro Stück) in 4 bzw. 3 Segmente zerschneiden, die den 4 bzw. 4 Segelbahnen von Gross und Fock entsprechen. Mit einer Profilsoftware passende Rippen ausdrucken lassen und aus Sperrholz aussägen. Dann mit einem Styroschneider ("heißer Draht") die Profile aus den Styrodurplatten ausschneiden.

Die ganze Prozedur dauert maximal 2 Std.

Grüße
Rainer
 
Hallo Rainer,
sorry, bin auf Deine konkrete Frage mit der 1:1 Schablone nicht eingegangen, weil wohl etwas überlesen....
Probier es mit Deiner Methode einfach aus.
So wie Du es vorhast ist es ja auch nicht großer Aufwand mit der Form (hast wohl das entsprechende Schneide-Werkzeug...). Mein Bekannter hatte seine Form seinerzeit aus einem dicken Sperrholzbrett geschliffen. Das fand ich daher doch etwas aufwendig.
Ich hatte für die kleinen MM-Segel auch schon mal an eine 1:1 3D-Form gedacht, auf der ich dann aus lauter kleinen Material-(Rest-)stücken in Lastrichtung ein Segel gestalten wollte. Durch solche kleinen Stücke würde das dann schon in Richtung „North-3D-Segel“ gehen. So ein hübscher Flickenteppich ist aber bei IOM nicht erlaubt.
Ich glaube nicht mal Bantock hat trotz Serienfertigung eine solche Schablone im Einsatz. Obwohl es eigentlich dort ideal sein könnte.
Da ich sehr gute Erfahrungen mit der normalen kleinen Schildkröten-Schablone habe, finde ich diese Methode (nicht nur) für IOM-Segel am geeignesten. Ich würde an Deiner Stelle daher eher die Arbeit in vielleicht zwei solcher Schablonen mit unterschiedlichem Profil investieren. Mit denen kannst Du dann zig Versuche machen, die durch unterschiedliche Lage der Bahnen (soweit im Klassenregel-Rahmen zulässig) und vor allem auch verschiedener Vorlieksrundungen z.T. sehr unterschiedliche Segel hervorbringen können. Auch über die genaue Profilierung der Schablone würde ich mir weniger Gedanken machen. Das kommt nach meinen Erfahrungen im Segel eh anders raus, als man zunächst denkt bzw. erwartet. Von daher bist Du mit einer kleinen Schablone einfach flexibler und kannst mehr probieren. Die 1:1 läßt dagegen nur wenig Spielraum zu.
In meinen Augen ist die reine Segel-Schablone (ganz gleich welche nun) nicht der Schlüssel zum guten Segel, sondern es bleibt dabei, wie man das Segel im Ganzen konstruiert und sie dabei einsetzt. Also ich sag mal die geschickte Kombination aus Material, Zuschnitt und Verarbeitung. Du wirst sehen, daß es hier etliche Wege gibt, die gute Segel ergeben können, wenn man alle Parameter zueinander passend gestaltet – und das Du eben auch ebenso viele Fehler einbauen kannst. Z.B. allein schon das Material gibt eine gewisse Konstruktion/Schnitt vor. Ist es z.B. relativ steif, kannst / solltest Du es eher nicht bauchig machen (schlägt schlecht um). Ist es sehr dünn, muß es gegen u.U. auftretende Zugfalten geschützt werden. Die Lage der Bahnen im Segel gibt viel Spielraum für die Einbringung eines Profils. Schau Dir mal die verschiedenen IOM-Segel dahingehend an. Es gibt z.B. welche, die die Bahnen relativ weit auseinander ziehen, also nach unten und oben orientieren, in der Mitte weniger. Das soll die vertikale Wölbung des Segels günstig beeinflussen – so sagte es mir mal ein Franzose.
Und dann gibt es auch noch die Geschichte/Theorien mit der günstigen Oberflächenbeschaffenheit, aber das ist ein eigenes Thema.

Also probier es aus – Du wirst merken, was ich hier versuche zu beschreiben.

Viel Erfolg
Gruß
Thomas
 

Tiga

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Hi Thomas,

danke für deine ausführliche Antwort!

Mir ist schon klar was du mir damit sagen willst. Nach über 20 Jahren Regattaerfahrung kenne ich die Segelprofil- und Segeltrimmproblematik aus dem FF. Und weiß daher auch daß es unzählige Faktoren gibt welche die Eigenschaften eines Segels beeinflussen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: selbst der persönliche Stil kann hier entscheidend sein. Ich habe schon häufig erlebt das jemand mit einem hochgelobten und erfolgreichen Rigg trotz identischem Trimm nicht klar kam weil er einen anderen Segelstil hatte.

Mir ging es bei meiner Frage auch nicht um die Feinheiten, da muß man einfach selber seine Erfahrungen sammeln. Es ging mir nur darum ob ich mit meiner Idee der 1:1-Schablone auf dem Holzweg bin oder ob das eine gangbare Alternative zur Schablonenmethode von Andreas oder zu deiner Schildkrötenmethode ist.

Viele Grüße
Rainer
 
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