UL_Zeugs

Wo ich hier gerade so rumlese merke ich, dass einige von euch im UL Wesen unterwegs sind.
Könntet ihr mir sagen ob man die UL-Flieger wie beim TÜV alle paar Jahre vorführen muss und wie das mit der Wartung der Dinger aussieht? Bringt man das zum Hersteller oder macht man sowas meist allein am Flieger? Was sind das dann für Wartungsintervalle üblicher weise?

Ilja

PS: Als ich die Piper gesehen habe musste ich einfach mal fragen...
 
Hi,

das ist ein etwas umfangreicheres Thema, wenn man es genauer betrachten will.

ULs müssen zunächst mal jährlich zur Nachprüfung. Dabei kontrolliert ein Prüfer das Gerät.
Diese Prüfung und das Verhältnis zum Prüfer sollte normalerweise etwas anders aussehen, als ein TÜV-Termin, der ja eher lästig ist. Der Kontakt mit dem Prüfer bestätigt einem letzendlich, dass man das Flugzeug korrekt pflegt und wartet. Ich persönlich empfinde Prüfer als meine Partner in der Wartungsarbeit der Flugzeuge.

Die notwendigen Wartungsarbeiten und die Frage, wer sie ausführen darf, richtet sich nach der Art der Arbeit und der zu wartenden Sache. Ich weiß nicht, ob die Wartung von ULs komplett von sogenannten 'sachkundigen Personen' überwacht werden muss (wie bei Segelflugzeugen und Motorseglern eigentlich vorgesehen), oder ob jeder am Gerät schrauben darf.
Aber zB bei Motorseglern darf nicht jeder frei am Triebwerk rumfummeln (und das ist gut so).
Im Falle einer Reparatur wird man sich auch sicherlich die Frage stellen lassen müssen, was man da gemacht hat. Bei Segelflugzeugen müssen große Reparaturen zB vorher angemeldet werden (wer, was, wie, wo).

Sicher ist eines: man sollte nicht davon ausgehen, dass man ein Flugzeug (UL inbegriffen) mit Modellfliegerknowhow komplett pflegen kann. Sicherlich ist dies ein guter Einstieg, aber die Methode 'ich kann das, mache ich schon immer so' ist fehl am Platze, wenn man sich (und andere!) nachher reinsetzt.

Aber auch wenn sich das erstmal vielleicht nach viel anhört: es lässt sich durchaus machen und der Prüfaufwand ist nicht so groß, wie es im ersten Moment erscheinen mag.

Wie gesagt ist für mich der Prüfungstermin eine gute Sache zur Abstimmung der Pflege eine Flugzeuges.

Ansonsten gibt es Wartungsintervalle für einige Komponenten. Motoren müssen alle x Stunden eine bestimmte Wartung bekommen (meistens 25/50/100 Stunden mit dazugehörigen Maßnahmen)
Funkgeräte und Funknavigationsgeräte müssen regelmäßig geprüft werden.
Propeller müssen evtl. in gewissen Abständen zum Hersteller zur Prüfung.

Und letztendlich gibt es für einige Dinge eine maximale Lebensdauer, nach der das ganze erledigt ist und bestenfalls noch für eine Vitrine taugt.

Diese Dinge sind nicht pauschal festgelegt sondern vom Gerät/Motor abhängig.

Ein gewisser Aufwand ist also durchaus vorhanden :D

Ciao, Steffen
 
Jo danke so weit,

die Sache ist ja die, dass die ULs ne extra Sparte darstellen und als Luftsportgeräte nicht als Luftfahrzeuge gelten. Ich hätte deshalb gern gewußt, inwieweit da Erfahrungen zur Wartung von ULs bestehen. Offensichtlich müssen die Dinger jährlich von einem Prüfer begutachtet werden. Das machen die Besitzer sicherlich selber, wenn nicht viel zu reparieren ist.
Bieten denn die gängigen Hersteller irgendwelche Durchsichten an? oder müssen es sogar?

Ilja
 
Hi,

selbstverständlich sind ULs auch Luftfahrzeuge. (Modellflugzeuge sind das auch).

ob die Wartung selbst gemacht werden kann oder nicht, liegt in gewissen Grenzen am UL. So sind Faserreparaturen oder Metallreparaturen im Allgemeinen nur von ausgebildetem Personal zulässig.

Teileweise nicht mal das und nur beim Hersteller.

Trenne immer in mehrere Stufen:
-Pflege und Wartung: normalerweise macht das wer will (Halter/Eigentümer)
-Kontrollen (tendentiell entsprechendes Personal, das man aber selbst sein kann (entsprechenden Lehrgang besuchen und fertig)
-Überholungen: nur entsprechendes Personal (Zellenwart, Motorhersteller)
-Prüfungen: Prüfpersonal

Ciao, Steffen
 
Hallo

Naja eigentlich das falsche Forum, aber ehrlich gesagt ich kenne noch keines im UL-Bereich das so richtig empfehlenswert ist. Evtl. www.pilots24.com

Vielleicht vom Grundsatz her:
Das UL-Fliegen ist entstanden aus der motorisierten Drachenfliegerei. Daher sind viele Dinge anders geregelt als bei den anderen Fliegern.

So darf man z.B. einige Arbeiten am Flugzeug selber erledigen. Zum Teil auch die Motorschrauberei. Da sind die Regelungen anders als in der allgemeninen Luftfahrt. Das spart gegenüber den Arbeiten die man sonst in einem Luftfahrttechnischen Betrieb erledigen müsste zwar viel Geld, ABER:

Man muss die Finger davon lassen, wenn man von dem Metier keine Ahnung hat und sich nicht absolut sicher ist, was man eigentlich tut.

Das selbe gilt für den Bau eines UL-Flugzeuges. Modellbau und UL-Bau unterscheiden sich grundsätzlich, denn wir Modellbauer schätzen meist unsere Konstruktionen und bauen sowieso zu stabil. Da man im UL-Bereich eine Gewichtsbeschränkung hat (max Fluggewicht MTOW: 472,5 kg inkl. Rettungssystem) muss man seine Konstruktion rechnen bzw. rechnen lassen. Oder man verwendet einen Bausatz von denen es viele auf dem Markt gibt.

Der Bau wird mit Hilfe eines Baubetreuers durchgeführt. Es gibt eine Rohbauabnahme mit Belastungstest und eine Schlussabnahme, dann Testflüge usw. usw.

Die jährliche Nachprüfung wird von Prüfern vorgenommen, die dazu befähigt sind.

Die Ausbildung zum UL-Piloten dauert je nach Vorkenntnis ab drei Wochen Vollzeit aufwärts. Die Kosten liegen um die 4500 Euro je nach Flugschule. Für die Passagierflugberechtigung kann man nochmals ca. 600 bis 700 Euro veranschlagen. Es ist sinnvoll das BZF in englisch (Funkberechtigung) zu machen.

Grundsätzlich ist man als engagierter Modellflieger im Vorteil gegenüber unbedarften "Auszubildenden". Weil man die Zusammenhänge warum ein Flugzeug fliegt, über Meteorologie und zum Teil über Technik schon eine gewisse Grundahnung hat. Wer schon mal den Drachen oder Gleitschirmschein gemacht hat, tut sich auch leichter.
Aber man darf sein (Halb)Wissen trotzdem nicht überschätzen.
Es geht auch darum die Kiste heil auf den Boden zu bringen. ;)

Ansonsten ist es schon anders als im Modellflug, wenn man am Steuerknüppel sitzt und merkt, man hat eine größere Verantwortung für sich und die Menschen am Boden. Schlampigkeiten, die im Modellflug schon mal passieren, können hier tödlich sein. Zum Modellfliegen geht man schon mal, wenn man sich nicht so fit fühlt. Niemals würde ich mich in so einem Zustand an einen Steuerknüppel setzen.

Im Frühjahr werde ich endlich den Schein fertig machen. Es macht riesgen Spaß und ich habe inzwischen mehr Flugstunden auf dem Buckel als ich eigentlich bräuchte. Aber da wir hauptsächlich in den Alpen und Italien unterwegs sind und lange Strecken fliegen, kann ich auf diesen Weg viel Erfahrung sammeln. Drei selbstgeflogene Alpenüberquerungen habe ich hinter mir. Und jeder Flug ist anders, hat andere Überraschungen und Herausforderungen.

Übrigens, würde ich jedes von Steffen geschriebene Wort unterstreichen. UL-Fliegen ist nicht das lockerere Fliegen. Nur die Flugzeuge sind etwas kleiner.
Ein paar Bilder über unsere Luftreisen findest Du hier

Hier findest Du
auch einige interessante Links

Sollten wir in den Cafe-Klatsch gehen?
 
Claus Eckert schrieb:
Übrigens, würde ich jedes von Steffen geschriebene Wort unterstreichen.
Was ich umgekehrt auch tun möchte :)

Nur vielleicht noch zum Thema 'rechnen lassen' eine Verstärkung: es geht wirklich weit über einfache Lastannahmen hinaus. Die Erfüllung der Bauvorschriften ist relativ einfach gehalten - bezogen auf jemanden der sich damit auskennt.
Dennoch müssen solide Grundkenntnisse der Materie vorhanden sein, Modellbau ist dafür definitiv nicht ausreichend, selbst höchst erfahrene Entwerfer komplizierter Modelle (entwurfskompliziert, ich sag mal F3B) müssen sich da deutlich einarbeiten.

Aber all das trifft ja eher den Entwurf als die Wartung und Pflege.

Ciao, Steffen
 
Hallo Ilja,
ich habe 2003 den UL-Schein(Trike) gemacht und 2004 ein eigenes,neues Trike gekauft.Einmal im Jahr fliege ich zu meinen Fluglehrer(ca. 20min) und mache die Jahresnachprüfung.Bei einem relativ einfachen Fluggerät wie es ein Trike darstellt,das noch dazu neuwertig,ist die Sache nach 1-2Stunden vorbei.Ich empfinde das auch überhaupt nicht als "Schikane",sondern als Beitrag zu meiner eigenen Sicherheit.
Die Wartungsarbeiten sind nicht sonderlich umfangreich.Ich habe einen BMW- Motorradmotor als Antrieb und glücklicherweise ist der in meiner Firma beschäftigte Mechaniker Experte für BMW-Autos und auch Motorräder.Zündkerzen-Öl-und Filterwechsel sind dabei die wichtigsten Dinge.Das alles ist auch an einem Vormittag erledigt.Seile,Bespannung,Bremsen etc.werden sowieso vor und nach jeden Flug kontrolliert.
Der Wartungsaufwand ist bei einem Trike also sehr gering.Bei "Dreiachsern" ist da schon mehr Aufwand nötig.
Gruß
Markus
eagle 002.jpg
 
ot
Hallo Claus und Markus
wie wäre es nächstes Jahr mal mit einem Treffen der Konvertierten (oder doch nur ein bischen "Bi") im südostbayrischen Raum? Schlage EDNK vor. Den kennt ihr doch sicher!
cu
Ernst M.
 
Hallo Ernst

In Kirchdorf haben wir im Oktober eine Zwischenlandung eingelegt. Schöner Platz und freundliche Menschen. Treffen gerne, Termin weiß ich jetzt noch nicht.
 
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