VH-BOW

Hallo!

Im Forum veröffentlichte Videos des X-BOW zeigen erstaunliche Flugleistungen dieser kleinen bis sehr kleinen Flügel. Inspiriert davon habe ich einen Weg gesucht, mit möglichst wenig Aufwand einen Flügel aus Vollholz zu bauen, der seinen GFK-Vorbildern fliegerisch, hoffentlich, wenigstens einigermaßen nahe kommt.
Uwe hat mir dankenswerterweise den aktuellsten Grundriss seines 90 cm X-Bow zur Verfügung gestellt. Diesen nahm ich als Basis für meine relativ freie Interpretation, die der Bauweise geschuldet, etwas Angstzuschlag die Gutmütigkeit betreffend bekam.

So sieht mein Versuch bei Maximalauftrieb nun aus:

voi-hoiz-bow grundriss.PNG

Als Profile kommen S-Schlag-Varianten des AG 03 und des AG 11 zum Einsatz. Diese sollen mittels Drelas Schleiftechnik aus dem Balsholz herausgearbeitet werden.
Falls Interesse besteht, werde ich die, noch zu erstellenden, Schichtlinienpläne veröffentlichen und vom Bau berichten.

Liebe Grüsse

Franz
 

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fiepsi

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Hallo Franz,

Ja, bitte Baubericht erstellen. Ist sicher sehr lehrreich und interessant!


Grüße, Michael
 
Schritt 1

Schritt 1

Danke für Euer Interesse!

Für den VH-BOW habe ich den Flügel folgendes Flugzeuges samt den verwendeten Profilen adaptiert: http://charlesriverrc.org/articles/apogeehlg/apogee36_wood.pdf

Der erste Schritt war nun, die Koordinaten aus dem Nurflügel Programm im Maßstab 1:1 auf Papier zu bringen. Eine Schablone, die später sowieso hilfreich ist, erleichtert das Korrigieren kleiner Unstetigkeiten in der Flügelkontur und ist dauerhaften Träger der wichtigsten Flügeldaten.
vh-bow1.PNG

Auf 2 A4 Seiten sieht das Ganze dann so aus:
VH-BOW Randbogen 001.jpgVH-BOW Wurzel 001.jpg

Die beiden Hälften der Halbspannweite können in der richtigen Größe ausgedruckt und entsprechend der Markierungen zusammengefügt werden. Grün sind die vorgesehenen Stöße der 10 mm Balsbretter, samt Faserrichtungen und Raumgewichten, eingezeichnet. Eine durchgehende schwarze Linie zeigt das geplante Ruder. Die strichlierte Linie zeigt an, wo nach dem Schleifen der Profilierung, der hintere Teil des Flügels abgetrennt und an der gegenüberliegenden Halbspannweite mit S-Schlag wieder angeklebt wird.

Die Profile AG 03 und AG 11 sind an der Unterseite weitgehend gerade und werden, wie oben schon erwähnt, ohne S-Schlag aus dem Balsa herausgearbeitet.
Im Apogee-Übersichtsplan sind die unterschiedlichen Nasenleisten-Hochlagen beider Profile angegeben. Diese bewirken, dass, wenn man auf ebener Unterlage baut, eine geringe Schränkung von ca. 0,3° entsteht.

Folgende Vorgehensweise beim Schleifen von Vollholzflügeln hat sich bewährt: http://charlesriverrc.org/articles/construction/markdrela_airfoilshaping.pdf
Für das AG 03 gibt es einen Schleifplan: http://charlesriverrc.org/articles/apogeehlg/wing_tangents1.pdf
Nasenbereich AG 03 vergrößert: http://charlesriverrc.org/articles/apogeehlg/wing_tangents2.pdf
Beim AG 11 gilt an der Oberseite der gleiche Plan, nur an der Unterseite werden die Facetten, bei gleichen Winkeln, weniger weit nach hinten geschliffen.

Die für die Bearbeitung nötigen Daten, wie die Hochlage der Nasenleiste und die Dickenverteilung am Flügel sowie die fürs Schleifen nötigen Linien, folgen.

Liebe Grüsse

Franz

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Zusatz auf Bitte von Franz, bitte beachten:
Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich irrtümlich in einer Zeichnung die falschen Einheiten vermerkt habe (dm/2 statt dm/3).
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

DavidSt

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CAD

CAD

Hallo Franz
Super Idee! Den Apogee hab ich tatsächlich mal aus dem vollen geschliffen => ist sehr gut geflogen! Mit weniger Aufwand als befürchtet (bissi Vorbereitung, eine Staubmaske und ein Bier zum runterspülen.. ;))

Wenn gewünscht, könnte ich deine Zeichnung ins CAD übertragen und daraus dann entsprechende PDFs (DXF's odgl.) "produzieren"....:D

beste Grüße
David
 
Bitte gerne!

Bitte gerne!

Hallo David!

Hallo Franz
... Den Apogee hab ich tatsächlich mal aus dem vollen geschliffen => ist sehr gut geflogen! Mit weniger Aufwand als befürchtet (bissi Vorbereitung, eine Staubmaske und ein Bier zum runterspülen.. ;))
...

beste Grüße
David
Das ist auch meine Erfahrung, am größten ist die Überwindung es zu versuchen.

Ich wollte niemanden Arbeit aufhalsen, aber Dein Angebot bezüglich CAD nehme ich natürlich liebend gerne an.
Für mich selbst ist analog kein Problem, weil ich die Linien gleich aufs Balsa zeichne. Fürs Nachbauen ist DXF, PDF .... natürlich wesentlich gescheiter als meine handgezeichneten Geschichten mit den unweigerlich auftretenden Skalierungsfehlern.

Ich würde mich gerne mit Dir zusammensetzen und die Details besprechen. Bier ist jedenfalls schon kalt gestellt.

Liebe Grüsse

Franz
 

UweH

User
Hallo Franz,

Du hast auf den Skizzen den Schwerpunkt bei 73,3 mm markiert, aber der passt definitiv nicht zu dem Grundriss aus Deiner Ranis-Datei.
Das Programm "Nurflügel" gibt bei der Einstellung "Wirbelzahl 127" und 4 % Stabilitätsmaß bei Brettern regelmäßig einen zu kopflastigen Schwerpunkt an.

Mit Einstellung "Wirbelzahl 31" wirds meistens etwas genauer, aber hier immer noch ziemlich kopflastig.

Die Nachrechnung mit dem recht genauen FLZ_Vortex ergibt für 4 % Stabilitätsmaß einen Schwerpunkt von ca. 76,8 mm, das Nurflügel gibt bei "Wirbelzahl 15" eine Schwerpunktlage von 76,2 mm an.

Aus der Erfahrung von vielen gebauten und nachsimulierten Brettern empfehle ich für den Erstflug 76,5 mm Schwerpunkt einzustellen, nicht 73,3.

Gruß,

Uwe.
 

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Hallo Uwe!

Danke für die Korrektur! Wie die Wirbelzahl von ursprünglich 31 auf 127 gekommen ist, keine Ahnung, war vielleicht schon etwas spät.
Deinen Vorschlag für den Erstflug werde ich auf jeden Fall beherzigen, ich bin froh das Du Deine Erfahrung teilst.
Bei #1 habe ich die aktuellste flg-Datei angehängt. Die Abweichungen sind nicht groß, beim Wert für den Schwerpunkt ca. 1/10 mm.

Morgen wird mit David gezeichnet, heute wurde das Holz für drei Flügel ausgesucht:

Balsa.PNG

Liebe Grüsse

Franz
 

UweH

User
Wie die Wirbelzahl von ursprünglich 31 auf 127 gekommen ist, keine Ahnung, war vielleicht schon etwas spät.
Hallo Franz,

in meiner Datei war die Wirbelzahl auch 127, vielleicht kam es da her?...

Die (Vorentwurfs-) Auslegung mache ich im Nurflügel mit 127 Wirbeln, aber die Schwerpunktbestimmung mit 31 Wirbeln..... bzw. mache ich die flugmechanischen Parameter wie die Schwerpunktbestimmung zuletzt immer im FLZ_Vortex, das passt dann beim Schwerpunkt von Brettern auf < 0,5 mm genau :)

Ach ja, wenn Du den S-Schlag der AG-Profile Deiner *.flg-Datei ganz gut triffst sollten die Ruder beim Erstflug nur ganz minimal hoch stehen, Flugzeug-CA mit X-Foil-Profilmomenten ist dann um 0,3 und die Gutmütigkeit hat reichlich Reserve ;)

Gruß,

Uwe.
 
Hallo Franz,

in meiner Datei war die Wirbelzahl auch 127, vielleicht kam es da her?...
Eher nicht war ein "Neuer Flügel".....

Bezüglich Gutmütigkeit, da brauche ich vielleicht etwas mehr als andere.

Der Höhenruderausschlag sollte nicht zu üppig werde, laut Rechnung (wenn auch mit Vorsicht zu genießen) knapp 2 mm für Maximalauftrieb. Wird hoffentlich ähnlich wie bei meinem RES-Brett, da liegt nicht viel zwischen leichtem Bahnneigungsflug (Start) und konstantem Langsamstflug (Thermik):


Fliegt mit dieser Einstellung übrigens noch recht angenehm und lässt sich auch gut ziellanden.

Sollte der S-Schlag nicht gleich optimal passen: ich baue auf Holz da gibt es andere Möglichkeiten als bei einer Form.

Liebe Grüsse

Franz
 
Während David zeichnet mache ich mit den Flügelrohlingen weiter.

Vorausetzung für eine saubere Unterseite, die nach dem Verleimen eben auf dem Baubrett aufliegt, ist die exakt winkelige Bearbeitung der Kanten.
Als letztes werden die äußeren Vorderkanten angeleimt und mit Klebeband fxiert:

vh-bow2.PNG

Ein gut bearbeitbarer Leim schont beim Schleifen die Nerven und verhindert hervortretende Leimfugen.
Beim Positionieren der Teile ist eine Schablone hilfreich, besonders wenn man, so wie ich, an den falschen Stellen großzügig war.
Probeverleimungen helfen beim Abschätzen der nötigen Leimmenge. Eine dicke Leimfuge hält nicht besser und macht beim Schleifen eher Probleme.
Austretender Leim sollte so schnell wie möglich entfernt und dabei nicht auf der ganzen Oberfläche verteilt werden.
An den Leimfugen sollten keine Höhenversätze spürbar sein. Sollten die Balsabretter leichte Dickentoleranzen haben, ist eine saubere Unterseite wichtig, den an der Oberseite wird ja sowieso das Profil geschliffen.
Eventuell passierte Druckstellen sind kein Problem. Mit einem Tropfen Wasser und dem Folienbügeleisen lassen sich die zerdrückten Holzzellen ganz einfach wieder zurückstellen.
LE-Strip mache ich keinen. Sollte einmal eine Delle passieren, wird ein Tropfen Wasser unter die Folie gespritzt und den Rest erledigt das Bügeleisen.

Liebe Grüsse

Franz
 

mipme_kampfkoloss

Vereinsmitglied
Teammitglied
Danke, den Trick mit Wasser und Föhn kannte ich noch nicht!

Deine Leimsorte ist am Bild nicht zu erkennen. Ich verwende seit Jahren meist nur noch Propeller-Holzleim.
Der wird härter und lässt sich besser schleifen...
 
Hallo Kampfkoloss!

Härtere Leime wie Titebond und in meinem Fall Aliphatic Resin (Deluxe Materials) sind besser geeignet als elastischer aushärtender Weißleim.

Liebe Grüsse

Franz
 

DavidSt

User
Anbei ein Set an PDF's, mit dem einmal starten kann...

Bei Fragen bitte einfach melden.

viel Spaß beim nachbauen...

David
 

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Langsam sieht es nach Flügel aus:

vh-bow3.PNG

Danke David für die just-in-time Lieferung der Zeichnungen.
Ist schon eine sehr deutliche Erleichterung, wenn man alles einfach in der richtigen Größe ausdrucken kann.
Als nächstes werde ich den Keil für die Profilsehnenhöhe, die Schleifleisten und die Schleifwinkel anfertigen.

Liebe Grüsse

Franz
 
Weiter geht es mit einem Flügel

Weiter geht es mit einem Flügel

Für die Schleifleisten und den Profilsehnenkeil habe ich zur Kontrolle die Abmessungen beigefügt:

vh-bow4.PNG

Das Ausschneiden der zusammengeklebten Flügelpläne erfolgt am Besten mit einer großen Schere.
Als nächstes habe ich die Pläne auf der Unterseite des Flügels fixiert. Zwecks besserer Ablösbarkeit gehören die Klebebänder, laut Herrn Zach, zuerst auf die Hose und erst dann aufs Werkstück geklebt. Nun werden die Stützstellen an Vorder und Hinterkante des Flügels markiert und im rechten Winkel angezeichnet. Die Mittelpunkte der Servos werden ebenfalls angezeichnet bzw. durchgestochen.

vh-bow5.PNG

Zur besseren Erkennbarkeit fürs Foto rot:

vh-bow6.PNG

LG

Franz
 
Für 1:1,2 verwende ich einen Schleifklotz, für die restlichen Steigungen eine einfache Schleifvorrichtung aus einer 19 mm Spanplatte als Basis und eine 8 mm Spanplattte als Aufsatz. Dies werden entsprechend der gewünschten Steigung versetzt zusammengeschraubt. Eine Schleifleiste braucht dann nur auf die Kanten der beiden Spanplatten aufgelegt werden.
Die Steigungswerte von Herrn Drela habe ich auf x : 8 umgerechnet angegeben:

vh-bow7.PNG

Für die Steigung 89:8 brauchen die beiden Platten nun z.B. nur um 89 mm versetzt angeordnet werden (siehe Skizze).

LG

Franz
 

mipme_kampfkoloss

Vereinsmitglied
Teammitglied
Hm, soweit glaube ich zu verstehen. So näherst du das Profil tangential an?
Die Schleifleiste hat damit die richtige Steigung gegenüber der Bauplatte.

Aber wie hälst du denn Flügel dann zum Schleifen dran?
Drückst du den Flügel in den Schlitz wo das Schleifpapier klebt? Liegen da Gewichte auf der Schleiflatte? Spannzwingen?
Oder machst du das mit einem Schleifgerät? Bandschleifer?

Schleifst du zuerst die Unterseite - da da nur die Nase geschliffen wird und dann eine gerade Auflage bleibt für das Verschleifen der Oberseite?

Ui, Fragen über Fragen...
Vielleicht kannst du ein Foto machen...?

Merci!
 
Hallo Kampfkoloss!

Ich werde versuchen Deine Fragen zu beantworten, soweit es der Baufortschritt zulässt.

Mein nächster Schritt ist das Anzeichnen der Profilsehne mit Hilfe des Profilsehnenkeiles. Am Flügel und am Keil werden die Stützstellen markiert und nummeriert. Mit einem gut gespitzten und halbwegs weichem Bleistift wird die Profilsehne dann an die Flügelvorderkante übertragen:


In Antwort 15 hat David unter anderem eine PDF mit dem Titel: "Reihenfolge der Bearbeitung" veröffentlicht. Begonnen wird an der Unterseite mit #1 und der letzte Schritt ist #10 an der Oberseite.

Schritt #1:
Der mit #1 bezeichnete Bereich wird vom Unterseitenplan abgeschnitten, der übrige Teil des Plans wird an der Endleiste ausgerichtet und mit UHU-Stick auf die Unterseite des Flügels geklebt:

vh-bow8.PNG

Wenn die Kante der 8 mm Platte mit dem richtigen Abstand zur Vorderkante der Basisplatte fixiert ist (bei #1 39 mm), kann das Schleifen beginnen:


Wichtig ist, die Schleiflatte möglichst in Flugrichtung zu führen, damit man die Profile nicht schräg zur Flugrichtung einbaut. Gestartet wird mit K 80 oder 100, das letzte Stück, exakt bis an die Papierkante, schleife ich mit K 240.
Schwierig ist daran nichts, ein unbedingt zu befolgendes Schleifgesetz gibt es auch keines, man sollte nur genug Geduld mitbringen.

LG

Franz
 
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