Wallabie SVS

Wallabie

Wallabies heissen eine Gruppe kleiner Kängurus (Kangaroos), womit schon klar ist, worum es jetzt geht. „Hot-Spöttchen“ hätte mir zwar auch gefallen, kam aber vor Harpünchen nur auf Platz zwei.

Das Wallabie wurde von mir aus einer Laune heraus gebaut. Teile und Depron lagen herum, und einen Delta hatte ich noch nicht. Und mit dem Training für die Turbine kann man ja nicht früh genug anfangen…

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der Parkfly-Turbinentrainer

Der Bau war trivial – die Erstflugparameter waren es nicht. Schwerpunkt, Nullstellung der Flaperons forderten ihren Tribut. Dann wusste ich wenigstens, wo ich zu dünn gebaut hatte.

Ein Glücksfall war die Motorisierung: Ein Hyperion 2205/38 (er hat anders als der ähnliche AXI 2204 eine richtige Welle mit Gewinde – welche Wohltat!) und ein bodenständiger unzerstörbarer Graupner-Nylon 7x4. Als Benzintank dienen 700er 3S1P-Lipos von E-Tec. In den drei Exemplaren die ich besitze gehen allerdings nur höchstens 620 mAh hinein. In dieser Konfiguration betragen die Motorlaufzeiten im Stadt-/Landbetrieb 11 bis 13 Minuten, was auf einen sehr Akku-freundlichen Betrieb hinweist – durchschnittlich fliessen nur drei Ampere.
Glücksfall insofern, weil damit senkrechte „Raketenstarts“ möglich sind. Ich bin sicher, nicht nur Ihren Zuschauern bleibt die Spucke weg, wenn Sie nur 25 Sekunden nach dem Start so hoch sind, dass Sie die Fluglage nicht mehr erkennen können. Damit lassen Sie alle Twinjets, Fuzzis und andere weit hinter sich.

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die „Turbine“
 
Also gehen wir Fliegen: Den Start bitte ohne Laufen, es ist etwa wie Dart-Werfen. gerade nach vorne. Keine Angst wegen nicht angeströmter Ruder oder so.
Wenn Sie kurz danach die richtige Trimmung gefunden haben, steigt natürlich Ihre Neugier, was denn nun alles so „geht“.

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Hurra, airborne

Enge Kurven sind mit deutlichem Höhenverlust verbunden, aber das hat Sie bei der „hervorragenden“ Aerodynamik des Depron-Brettes sicher nicht überrascht. Vor der Turnerei schieben Sie das Gas also etwa 20% weiter rein (bezogen auf normalen Geradeausflug, der bei mir mit ca. 40% Gas stattfindet). Verglichen mit einem E-Segler (als extremem Gegenbeispiel) müssen Sie mit dem Gas wirklich arbeiten. Piloten, die ihr Gas auf einen Schalter gelegt haben, scheiden hier definitiv aus.

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Kurven

Zum Mond: Dann reizt Sie natürlich die sagenhafte Steigfähigkeit. Also ab nach oben, und zwar senkrecht! Natürlich müssen Sie etwa 75% nach vorne drücken, damit die normalerweise angestellten Flaperons jetzt gerade stehen. Etwas verwundert nehmen Sie zur Kenntnis, dass das ungesteuerte Seitenruder kein Nachteil ist. Das Wallabie geht wie eine Rakete. Wenn es doch mal zur Seite will, drehen Sie ein wenig und steuern mit dem Höhenruder nach. Bereits beim dritten „Mondflug“ konnte ich direkt kerzengerade bis zur Sichtgrenze fliegen, beim fünften kamen dann die Rollen dazu, eine oder zwei oder drei, dann musste ich etwas korrigieren.

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unterwegs zum Mond

Rollen: Turnen wir ein wenig. Rollen gehen mit kräftigem Nachdrücken ganz ordentlich. Wenn Sie dabei Höhe verlieren, setzen Sie Gas nach, durch die höhere Geschwindigkeit richten die Flaperons das Wallabie in den Rückenflugphasen besser auf.

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Rolle

Rückenflug: Halbe Rolle und dabei den Knüppel kräftig nach vorne. Die Flaperons müssen ganz schön nach oben bzw. „unten“ ausgeschlagen sein (beachte Bild!). Aber es geht ganz hübsch. Bei Höhenverlust in den Kurven: Gas nachsetzen! Und schon bald fliegen Sie Ihre Patterns locker auf dem Rücken.

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Rückenflug
 
Sackflug, Trudeln etc.: Meine Standard-Eröffnung ist der Handstart 45° nach oben, der direkt in einen senkrechten Steigflug bis ca. 100m (oder mehr) übergeht. Dann sehe ich nicht mehr, was los ist, schliesslich ist die Silhouette des Wallabies von hinten nicht unbedingt gross…
Dann wird der Motor ausgestellt. Anschliessend gibt es mindestens vier Möglichkeiten, nach unten zu gelangen:
a) das „welke Blatt“: Im voll gezogenen Zustand (HR +10mm) schaukelt das Wallabee in waagerechter Stellung senkrecht nach unten. Das Taumeln entsteht durch die nach innen geneigten Seitenruder. Das Wallabie SVS (siehe unten) verhält sich da anders. Ein stärkerer HR-Zug bringt nur ein vollkommen unkontrolliertes Herabsegeln.
b) Flachtrudeln: Ohne HR-Zug mit vollen QR-Ausschlägen bringt man das Wallabie in ein wunderschön anzuschauendes kreiselndes Flachtrudeln mit ziemlich geringer Sinkrate.
c) Trudeln: Mit leichtem HR-Druck und vollen QR-Ausschlägen bringen Sie das Wallabie zum „normalen“ Trudeln, wobei Sie mit dem HR spielen können.
d) Rolle senkrecht nach unten: Was Sie keinem normalen Flugzeug zumuten würden – hier dürfen Sie es. Das Wallabie senkrecht nach unten, HR gut gedrückt, und rum! Das absolute „Jetzt-ist-er-gleich-kaputt“-Manöver, aber gemach, gemach: Einmal an der Höhe gezogen und der Delta steht flach in der Luft, als ob ihn dort gerade jemand abgelegt hätte. Während des Abfangens bitte kein Gas geben, sonst gibt es Harakiri:

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Harakiri trotz 12 mm Abstand zwischen Propellerspitzen und Seitenrudern.

Möglichkeit e) bis g) sind wie oben, nur auf dem Rücken…
In der Anfangszeit hatte ich in geringer Flughöhe ein paar unfreundliche Bodenberührungen, weil ich mich aus den unmöglichsten Fluglagen mit Vollgas UND vollen Ruderausschlägen befreien wollte. Das geht nicht, und es kam teilweise sogar zur Ruderumkehr: Links gesteuert und nach rechts gerollt. Inzwischen fliege ich in solchen Situationen immer erst mit geraden Flächen kurz Vollgas und dann erst um die Ecke.

Looping: Vergessen Sie „Durchzug“ und ähnliches. Sie können ohne Gas 50 m senkrecht anstechen, das Höhenruder voll ziehen und bleiben bei 30° aufwärts stecken. Mit Gas sieht die Sache natürlich anders aus. Also: Nicht das Wallabie macht einen Loop, sonder Sie FLIEGEN einen Loop, unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel wie Schwerkraft, Motor…

Da haben Sie also ein Hallenflieger gehabt, der inzwischen so oft die Kurve gekratzt hat, dass er nicht mehr die Kurve gekratzt hat. Seine Innereien leben jetzt im Wallabie weiter, und was ist das?: Sie fliegen und fliegen… Nach 12 Minuten merken Sie das erste Mal, das Vollgas nicht mehr so richtig kommt. Also hoch anfliegen, Gas raus und segeln. Dabei deutlich, aber ja nicht zu stark ziehen (sonst schaukelt er so, dass Sie Gas und eine Ehrenrunde zur Stabilisierung brauchen), und segeln bis vor die Füsse. Am Anfang vielleicht noch mit 10% Gas. Ab dem 20.ten Flug gehen Sie während des Fliegens nach hause, öffnen die Balkontür und landen im Wohnzimmer.
 
Das Wallabie hat einen grossen Bruder mit dem gewissen Extra. Wohlan, der Seitenruder kanal ist ja noch frei.

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das Wallabie SVS ähnelt dem normalen Wallabie sehr.

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wozu ist das Servo im Bauch?

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Seltsame Motorbefestigung?

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hoppala, was ist denn das?

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oder so?

Das Modell SVS (Schubvektorsteuerung) wiegt wie abgebildet 236 Gramm flugfertig. Hier kam ein AXI 2204 mit einer GWS-Schraube 8x3,8 zum Einsatz.
 
Fliegen mit SVS

Nach dem Start ein bisschen getrimmt und dann ab in die Sicherheitshöhe. Der Schub dieser Motorisierungsvariante ist deutlich geringer, reicht aber locker für zügiges Steigen.

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Problemloser Flug nach dem Handstart.

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ein bisschen tiefere Fotoflüge

Endlich level flight und ein erster Tritt in die Pedale. Das Wallabie fliegt um die Kurve, nimmt aber die Nase stark nach unten. Mit ein wenig Übung gelingen bald die ersten Kurven ohne Querruder, nur mit SVS und gezogener Höhe.

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die SVS in Aktion

Das ist eigentlich wenig, aber doch schon ein rechter Spass. Da geht sicher noch mehr: Aus Sicherheitshöhe Flachtrudeln ohne Gas einleiten und vollen Seitenschub (aber zur richtigen Seite!): Was war das? Da wirbelte kurz etwas wie ein Derwisch. Ich kann zwar nicht so gut fliegen, dass ich die Vorgänge perfekt verstehe und reproduziere, aber „normale“ Flugmanöver waren das nicht… Zur Zeit noch mehr zufällig gelingt die Wiederholung.

Noch ein bisschen im schönen Spätherbst-Himmel herumturnen und dann zur Landung hereinschweben. Der Winter kann kommen, die ersten grossen Segler für den Seeschlepp werden bereits auf Funktion kontrolliert.

Bertram
 
GEIL!!!!

Solche Erfolgsgeschichten zu lesen macht einfach nur Spaß!

Echt super. Würde mich sehr interresiern wie du die Aufnahme des Motors bei der SVS-Variante gemacht hast.
Hast du noch mehr Detailbilder und evtl. sogar einen Plan?

mfg Flo
 
Hallo Bertram,

suuuper Teil, würd auch gern deinen Flieger bauen,
könntest du bitte eine kleine Zeichnung reinstellen?
Hast du 3 oder 6 mm Depron verwendet?

Ciao Anton
 
hi,
ich sitze gerade an einer Bauanleitung und an Detail-Fotos zur Motoraufhängung. Der Plan ist schon fertig. Kann aber bis Mittwoch dauern, habe die nächsten Tage viel zu tun.

Bis bald
Bertram
 
Na, dauert doch nicht so lange:

BAUANLEITUNG

Servos:

Für die Flächenservos wird ein passendes Loch aus der Fläche geschnitten und eine vorne angeschrägte Platte untergeklebt. In dieses Bett wird das Servo eingeklebt.

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Rumpf:

Es wird nur 6mm-Depron verwendet. Die leichte Krümmung der Platte wird so ausgerichtet, dass später die Flügelspitzen etwas angehoben sind.
Es gibt zwei Arten von Landung mit dem Wallabie:
- korrekt mit dem Heck zuerst auf den Boden, dann passiert kaum etwas
- unkorrekt mit der Nase zuerst (bei einem Abschmierer, Taumler usw.)
Im letzten Fall gibt es seitliche Krafteinwirkung auf die Rumpfnase, und das verträgt das Depron überhaupt nicht, es reisst. Deswegen sehen meine Reiss-Sicherungen (zur Zeit) so aus:
1.) Verbreiterung der Kiel-Klebung mit je einem Depronstreifen links und rechts (= "Treppe" bei Punkt 4.)
2.) Karbon 0,8x3mm als Kufe, darüber ein breites Pack-Klebeband
3.) 2 Karbon 0,8x3mm im Rumpfvorderteil oben entlang der Aussenkanten.
4.) je 1 Bahn breites Packklebeband auf der Unterseite der beiden Flügel, entlang der Nasenleiste (diese aber nicht umwickelt) und weiter nach vorne geführt, die Seiten des Kiels schräg nach oben (sauber die "Treppe" entlang kleben!) und noch kurz auf die andere Seite.

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Nachtrag zum Rumpf:
Die Hinterkante der Flächen ist mit 3x6 Kiefer verstärkt.
Die Vorderkanten sind mit 3x6 Balsa verrundet.

MOTORBEFESTIGUNG

Ohne SVS wird hinten einfach ein Sperrholz 30x45x3mm angeklebt, das passend gebohrt ist.

Mit SVS:
Zwei 30x45mm-Brettchen werden oben und unten geschlitzt. 2 Ruderanlenkungen werden eingeführt und mit Sekundenkleber mittel angepunktet. 8 kleine Leistenstückchen werden in die Ecken der Ruderanlenkungen als Verstärkung eingeklebt.

An der Unterkante des beweglichen Teils wird ein weiteres Sperrholzstückchen angeklebt, das später den Kugelkopf aufnimmt. Vor dem Einkleben muss das Stückchen dreieckig geschliffen werden. Ein bisschen spielen, man sieht schon wo es klemmt und abgetragen werden muss.

Die Schubstange verläuft beim Prototyp mitten in der Wand des Motoraufbaus. Ich musste einen Streifen ausschneiden und eine weiteres Depron-Dreieck davorsetzen.

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DEN BAUPLAN GIBT ES PER EMAIL (kostenlos für private Nachbauten)
Um mein P.M.-Fach nicht zu sprengen: Meine email-Adresse ist
Vorname@Nachname.CH - wobei Ihr bitte die Namen links verwendet
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Viel Spass beim Nachbau

Bertram

P.S.

Wer eine schöne Figur erfindet: bitte um Mitteilung. Vielleicht können wir ja ein 3-Minuten-Programm zusammenstellen, das fast ausschliesslich mit SVS-Unterstützung geflogen wird.

B.
 
Vielen Dank!

Vielen Dank!

Hallo Bertram,

wollte mich noch für die rasche Zusendung deines Bauplanes bedanken. Sehr professionell aufgebaut!
Ich schätze mal das war der kleine Wallabie oder?
Hab ihn noch am gleichen Tag gebaut und in die Luft gebracht. Fliegt sich recht zügig, beinahe schon zu schnell für mich alten Sack ;-)

Hast du schon daran gedacht deine SVS um eine zusätzliche Achse zu erweitern? Sprich Seite UND Höhe übern Motor zu regeln? Und für Freaks noch ein Verstellprop...

Gruss Oli
 
Hi Oli,

danke für die Blumen!

Kleines Wallabie? Ach so - der "grosse Bruder", den ich am Anfang des SVS erwähnte, war das "Original" GRP Harpoon mit Vectorsteuerung. Die beiden Wallabies von mir sind gleich gross bzw. klein.

"recht zügig" ?? Also ich brauche mit dem normalen Wallabie beim senkrechten Steigflug nur 25 sec bis zur Sichtgrenze (andere sagen: immer noch...) - dann kann ich nicht mehr erkennen, wie herum es fliegt und ich muss es bis zur besseren Sichtbarkeit wieder herunterfallen lassen... Ausser einer gnadenlos übermotorisierten Ariane mit Propeller-Durchmesser = halbe Spannweite haben wir im Klub glaube ich nichts, was so steigt. Und dass das Wallabie trotzdem kein "Hotliner" ist, sondern sehr langsam fliegen kann, hast Du wohl gemerkt.

An eine vertikale Schubsteuerung dachte ich aus diesen Gründen nicht:
- das Wallabie kann man auch so mit 30° Anstellwinkel fliegen
- ich müsste einen Massenausgleich erfinden
- wie steuern? Zur Höhe mischen?

Mit der Seitensteuerung sieht es schon einfacher aus.
Ich komme im Moment nicht weiter wegen
- anderer Projekte :D
- Buchhaltung fürs Geschäft :mad:
- Warten auf die Klappluftschraube Pusher 7x4 (habe den Motor mit Graupner Nylon jetzt das dritte mal beim Pflügen ausgerissen)

Dann will ich zunächst mit vergrössertem Ausschlag (ca. 30°) zackige Turns und Flachtrudel-Kreiseln einüben.

DANACH denke ich an Kobrarolle usw. und dementsprechend eine SVS um die Querachse.

Bevor ich einen Verstellprop einbaue, bekommt das Wallabie eher ein Bugstrahl-Ruder und zwei Flettner-Rotore :D

Obwohl: Rückwärts nach oben starten wäre schon ein krankes Manöver...

Bertram
 
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