weak spot

Hallo Arne,

tolle Idee einen virtuellen-segelmacher-workshop zu veranstalten!
Vorschlag (ichmeinjanur) : Hierfür einen separaten thread eröffnen, dann lässt der sich einfacher über die Suche finden...

Ich bin für mich von diesen Rollschneidern abgekommen und benutze lieber Cutter mit ganz neuer Klinge. Wenn die von den genannten Herstellern gut hauen, ist es allerdings damit einfacher Kurven sauber zu schneiden.
Ich vermisse in Deiner Aufstellung eigentlich nur eine Schablone oder "Schildkröte" oder gehts "back to the roots" zu einbahnigen Segeln?
Zusätzlich habe ich noch ein rundes Stanzeisen ca. 12 mm um Verstärkungen aus dickerem, selbstklebendem Tuch für Verstärkungen ausstanzen zu können.

Ich bin gespannt.

Gruß Peter


@ Pierre: http://rt-sails.de/contents/de/d45.html ab 4.10. wieder geöffnet zum bestellen
 
Moin Peter,

meine Auflistung ist noch nicht ganz vollständig. Das wird sich aber bestimmt noch geben ;-)
Deine Idee ist sicherlich gut aber vorerst werde ich keinen eigenen thread aufmachen. Vielleicht kann ich zum Schluß nochmal alles etwas überarbeiten und dann einen thread eröffnen, schaun wir mal ...

Das doppelseitige Klebeband gibt es zum Teil auch in Bastelgeschäften. Es ist dort im Verhältnis recht teuer aber wenn ein solches Geschäft evtl. über kurze Wege zu erreichen ist, fallen die Versandkosten weg.
Ich weiß das es Qualitätsunterschiede gibt, aber wer zum erstenmal seine Segel für eine RG-65 (oder kleiner) klebt, kann meiner Meinung nach bei der Wahl des Klebers nicht viel falsch machen. Bei größeren Projekten sind die Qualitätsunterschiede dann doch sicherlich spürbar.

Welches Material ich für die Segel verwende weiß ich noch nicht, ich muss morgen erst einmal meine Bestände sichten. In Frage kommt Icarex, Gittermylar oder Mylarfolie (36 Micron).


Gruß

Arne
 
Moin Modellbauer,

als erstes habe ich der Plandatei (siehe Signatur weak-spot) die Umrisse der Segel in Maßstab 1:1 angefügt.
Das habe ich gemacht damit jeder die Möglichkeit hat den Plan auszudrucken und zusammenzukleben. Wer nicht so viel Papier verwenden will, kann die Umrisse natürlich ganz normal auf einer ebenen Platte, Karton, Papier etc. aufzeichnen.
Für diejenigen, die gerne drucken wollen, hier eine kurze Anleitung:
  • Datei öffnen (Adobe Reader)
  • Datei >> Drucken >> Seite anpassen und Optionen >> Poster und Schnittmarken >> Drucken
  • die ausgedruckten Blätter mit Hilfe der Schnittmarken zusammenkleben
  • die Bereiche der Lieken mit zB. Paketklebeband abkleben
Wer mit einem DIN A4 Drucker die Seiten ausdruckt wird 12 Seiten produzieren, mit einem DIN A3 Drucker sind es 8 Seiten. Die Anzahl hängt natürlich auch mit dem verwendeten Drucker zusammen.

Bebilderte Anleitung (~ 0,4 MB)



Fortsetzung folgt ...
 
... so sieht das dann zusammengeklebt aus.

segelbauworkshop-3.jpg


Auf das Abkleben mit Paketklebeband kann auch verzichtet werden. Ich verwende es gerne da evtl. festklebendes doppelseitiges Klebeband sich leicht wieder entfernen lässt, bei Papier funktioniert das nicht ;-)

Die Art und Weise wie ich in diesem Beitrag die Segel herstelle, soll nicht mehr sein als zu zeigen welche eine Möglichkeit es gibt.
Im Prinzip muss jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln und wird auch einige meiner Vorgehensweisen als nicht richtig oder nicht optimal beurteilen.

Als ich noch als Segelmacher gearbeitet habe (das ist inzwischen fast zwei Jahrzehnte her) habe ich in verschiedenen Segelmachereien sehr unterschiedliche Fertigungsweisen kennengelernt. Unter anderem habe ich auch in einer Segelmacherei gearbeitet, die fast ausschließlich Segel für Jollen gebaut hat und das mit großem Erfolg, bis heute. Rückblickend betrachtet war die Herstellung der Segel dort doch eher ungewöhnlich und brachte auch nicht immer das gleiche Ergebnis.
Ich will darauf hinaus, dass es unterschiedliche Ansätze gibt und das es wichtig ist, das die Segel die gebaut werden, mit einer reproduzierbaren Technik entstehen. Wenn die Vorgehensweise immer dieselbe ist, kann man sich gut an Veränderungen machen. Wenn alles immer anders gemacht wird, wird es schwer einen roten Faden zu finden und erfolgreich Segel herzustellen.




Fortsetzung folgt ....
 
... die Schablone wird mit Malerkrepp auf der Arbeitsfläche fixiert.
Anschließend wird das Segelmaterial in Bahnen geschnitten (ca. 250 mm).
Bei Icarex und allen anderen Geweben ist es wichtig, dass kein Schrägtuch entlang des Achterlieks verläuft.
Bei Icarex, Gittermylar etc. sollte der Kettfaden (verläuft entlang der Rollrichtung) parallel zum Achterliek verlaufen. Eine kleine Abweichung ist nicht unbedingt problematisch aber alles was mehr als 5° beträgt wird nur bedingt funktionieren.


Die einzelnen Bahnen sollten am Vor- und Achterliek etwas überstand haben. Vielleicht nicht so viel wie auf den Fotos zu sehen, aber 2, 3 cm sollten es ruhig sein.
Ober- und unterhalb der Naht sind 1 bis 2 cm OK.
segelbauworkshop-4.jpg

Die einzelnen Bahnen werden fixiert und das doppelseitige Klebeband auf die spätere Naht geklebt (mit ~ 1 cm Überstand nach vorne und hinten).
segelbauworkshop-5.jpg

Der Überstand nach oben wird nach aufkleben des doppelseitigen Klebebandes entfernt. Das geht entweder mit dem Rollschneider oder, so wie ich es mache, mit der Schere. Ein Strich braucht nicht gezogen werden, die Schere wird durch das doppelseitige Klebeband geführt (funktioniert nur mit einer wirklich scharfen Schere, braucht evtl.etwas Übung ;-)
Das wird mit allen Bahnen gemacht und den Kettfaden muss immer schön parallel zum Achterliek verlaufen(Bahnen mitdrehen lassen).
segelbauworkshop-6.jpgsegelbauworkshop-7.jpg

Die untere Überlappung der Bahnen am Vor- und Achterliek anzeichnen und mit dem Rollmesser und Stahllineal das überschüssige Material abschneiden. Hier kommt der Punkt bei dem ich nicht mit einerm Cutter oder Schere arbeiten würde. Durch das Ziehen der Klinge kann das Material an der Schnittkante überdehnt werden. Spätestens beim Zusammenkleben, kann es dadurch zu Problemen kommen.
segelbauworkshop-8.jpg
 
... wenn alles zugeschnitten ist werden die untersten zwei Bahnen auf die Klebehelling geklebt. Das doppelseitige Klebeband wird direkt auf die Helling geklebt, zusätzlich wird die Bahn unten mit Malerkrepp fixiert. Es dürfen dabei keinen Falten im Material sein. Die obere Bahn wird mit Überdeckung fixiert (Abstand zur Naht ~ 5 - 10cm).
segelbauworkshop-13.jpg

Die obere Hälfte wird hochgeklappt, das Tape abgezogen, die obere Bahn von der Mitte beginnend (evtl. von vorne, jedoch nie von hinten!) auf die untere Bahn kleben.
Das ist beim kleben der schwirigste Punkt und erfordert in der Regel etwas Übung. Also lieber etwas mehr Material einplanen ;-)
segelbauworkshop-11.jpg
segelbauworkshop-12.jpg
segelbauworkshop-9.jpg

Den Vorgang mit allen Bahnen wiederholen, schon ist das Segel fertig ... naja, fast ;-)
segelbauworkshop-15.jpg


Fortsetzung folgt …
 
... und der Kettfaden muss immer schön parallel zum Achterliek verlaufen(Bahnen mitdrehen lassen).
Ich hab den Kettfaden bisher immer an der Hauptzugrichtung zwischen den Ösen an Schothorn und Kopfbrett ausgerichtet (die Linie ist ja auch in deinem Segel-Riss dargestellt)!?!
Lieg ich da falsch?

Treten bei deiner Vorgehensweise keine Falten entlang der Hauptzugrichtung auf, wenn mal richtig Druck in der Luft ist?
Insbesondere bei Fat-Heads können ja die Richtungen von Achterliek und Hauptzugrichtung auseinander driften.
Entsprechend schief liegt dann der Kettfaden entlang der Hauptzugrichtung.

Aber schön, dass du icarex genommen hast.

Gruß
Wolfgang
 
Moin Wolfgang,

im Prinzip ist es bestimmt möglich den Verlauf des Kettfadens auf der Linie zwischen Kopf und Schothorn zu haben.
Schrägtuch hast du aber bei diesen Segeln im Kopfbereich immer. Daher verläuft bei mir der Kettfaden immer parallel zum Achterliek und die Kopfverstärkung geht bis zur obersten Latte.

Icarex habe ich genommen weil ich doch noch einige qm liegen habe und weil pink eine spitzen Farbe ist, mein Sohn wird sich freuen ;-)

Mein Favoriten sind eher Folien, damit kann der breite Kopf auch besser gebaut werden.



Gruß

Arne
 
… die Ecken, Positionen der Segellatten usw. anzeichnen und die Überstände mit dem Rollmesser abschneiden.
Nicht mit dem Cutter, dann lieber mit der Schere, auch wenn das nicht so gerade wird.

Das Vorliek wird einseitig mit einem 6 mm breiten Icarexstreifen verstärkt. Dazu Icarex glatt auf die Arbeitsfläche legen, einen geraden Strich ziehen und dazu parallel einen Streifen doppelseitiges Klebeband aufkleben. Da wir etwas mehr davon brauchen, am besten gleich mehrere Streifen von dem Tape aufkleben. Anschließend werden die einzelnen Streifen geschnitten. Da hier der Kleber und Trägermaterial des Klebebandes auf dem Tuch sind, kann gerne mit einem Cutter geschnitten, eine Überdehnung sollte nicht stattfinden.
segelbauworkshop-17.jpg


Das Großsegel flach auf die Arbeitsfläche legen und ca. 15 bis 20 mm vor dem späteren Vorliek einen Strich ziehen und das überstehende Material abschneiden.
Das Maß des Abstandes ist nicht so sehr entscheidend. Entscheidend ist, das dieses Maß immer das Gleiche ist. Wenn hier mal mit 10 oder mal mit 20 mm gearbeitet wird, wird die Vorliekskurve nicht reproduzierbar. Zur Not das Maß aufschreiben.
segelbauworkshop-16.jpg


Die Vorliekskurve wird mit einer gerade Latte aus Holz, Alu, GFK oder womit auch immer aufgezeichnet. In diesem Fall habe ich eine Vorliekskurve von ca. 5 mm genommen.
Da ich noch keinen Mast habe, nehme ich einfach einen Wert der in der Regel funktioniert. Zur Not muss zu einem späteren Zeitpunkt die Vorliekskurve dem Mast angepasst werden.
Wenn Falten entstehen, dann in der Regel im unteren Drittel. Das hat etwas mit der Profilierung der Bahnen und damit des gesamten Profils zu tun. Wenn beim Anschlagen/Segeln Falten auftreten dann reicht es in der Regel, vom Hals bis zur untersten Naht, die Vorliekskurve nachzustraken.
segelbauworkshop-18.jpg

Wenn die Vorliekskurve aufgezeichnet ist, kann das 6 mm breite Icarex aufgeklebt werden. Nicht Zentimeter für Zentimeter, sondern gerne in längeren Abschnitten. Dadurch wird die Kurve sauberer und es ist auch leichter zu kleben.
Bedingt durch das überschüssige Material (vorne) kann der Streifen nochmal entfernt werden, ohne das eine Überdehnung des Segelmaterials passiert.
segelbauworkshop-19.jpg

Zum Schluss alle Verstärkungen (Nummerntuch) und die Segellatten (zB. Mylarfilm, Schablonenmylar) aufkleben.
Welche Form die Verstärkungen haben ist relativ egal. Ob sie strahlenförmig sind, rund oder so wie ich sie zuschneide. Dreieckig ist nicht so gut, da genau da kein Material ist, wo es erforderlich wäre.
Für die Schot und den Kopf nehme ich vier Lagen, für den Hals drei. Die Verstärkung im Hals nicht zu groß ausführen, da der Bereich sonst zu steif wird (evtl. nur zwei Lagen). Das gilt auch für die Länge der Schotverstärkung am Unterliek, nicht zu lang machen.
Zu klein darf die Halsverstärkung auch nicht sein da sonst die Klebefläche so klein wird das sich das Nummerntuch von dem Segelmaterial löst und so ein herausreißen der Öse vorprogrammiert ist.
In den Bereichen wo das Segel an den Mast angeschlagen wird, sollte das Vorliek mit Nummerntuch verstärkt werden. Eine Lage mit 8 mm Durchmesser reicht aus. Die Löcher brauchen nicht mit einem Lötkolben durchgebrannt werden. Kleine Löcher oder die Schnur mit einer Nadel durchziehen reicht aus.


Erst wenn das Segel soweit fertig ist, sollte das Vorliek zugeschnitten werden.
Dazu wieder mit einem Rollmesser und einem kurzem Stahllineal arbeiten. Da die Kurve gering ausfällt, kann von Verstärkung zu Verstärkung geschnitten werden (Verstärkungen zum befestigen des Segels). Da die Abstände bei. ca. 10 bis 15 cm liegen, reicht diese Vorgehensweise völlig aus.
segelbauworkshop-22.jpg
 
Hi Arne,

das geht ja ratzfatz! Eine sehr gelungene Anleitung!
Zu Deiner Schablone folgende Fragen: Welches (Naca?)- Profil mit welche Steigung benutzt Du?

Gruß Peter
 
Moin Modellbauer,

eigentlich wollte ich übers Wochenende das Vorsegel fertig machen. Das wird im Detail etwas anders gebaut als das Großsegel.

Aber was soll ich sagen … ich habe gestern eine Frau kennengelernt … intelligent, hübsch anzusehen … was will Mann mehr?

Sie wollte jedoch nur das eine …

mir ein Schild um den Hals hängen auf dem steht: „out of order“.

Man ahnt es bereits. Die intelligente, hübsch anzusehende Frau ist Ärztin und arbeitet in der Notaufnahme der Uniklinik :rolleyes:
Als Konsequenz meines kurzen Aufenthaltes in der Klinik ergibt sich, dass ich zwar noch schreiben kann aber der Modellbau wohl etwas warten muss.

Da mir doch recht schnell langweilig ist, habe ich mir mein Laptop geschnappt, die neueste Version von Delftship installiert und ein neues Projekt gestartet.
In einem anderen Beitrag hatte ich schon mal über die aktuelle Delftshipversion geschrieben.
Inzwischen macht das Arbeiten mit der Software richtig spaß, obwohl ich die Software in einigen Punkten etwas umständlich finde.
Das auf anderen Seiten immer noch für Freeship geworben wird ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Wenn ich es richtig verstehe geht es den Befürwortern von Freeship wohl um den IGES Export. Für diejenigen die mit 2D Daten auskommen (geschätzt 99% der Anwender) gibt es in der kostenlosen Delftshipversion zB. eine Exportmöglichkeit als DXF.
Der Umstieg von Freeship auf Delftship ist unkompliziert, dafür arbeitet man mit aktueller Software.

65.jpg

Ob ich das Boot jemals bauen werde weiß ich noch nicht. Ich habe noch einige andere Projekte, zum Teil als Teamarbeitet, in Arbeit.

Daten
Länge: ~ 750 mm
Breite: ~ 300 mm
Tiefgang: ~ 250 mm
Verdrängung Rumpf: ~ 1.500 g

Wenn die weak-spot fertig ist, kommt die RG-65 Ritalin an die Reihe. Zeitgleich soll ein Mini 40 Projekt entstehen. Ich freue mich schon auf das kommende Jahr, ich gehe davon aus das ich dann wieder mehr Modellsegeln werde :)


Gruß
Arne

@ Peter: ich muss nachsehen welches Profil ich verwendet habe.
 

g2909

User
Moin Arne,

hoffentlich ist Dir kein Finger beim Zuschneiden der Vorliekskurve abhanden gekommen :eek:

Ich wünsche Dir rasche Genesung!


Gruß Christian
 
Moin Christian,

mit dem Rollschneider habe ich auch schon mal Pech gehabt. Mit einer scharfen Klinge sind die Schmerzen aber nicht so stark ;)

So sieht die Kiste von hinten aus.

65-2.jpg

Gruß

Arme
 
Moin,

ein Mini 6.5 mit 75 cm Länge,keine RG-65 :-)
Das Kielgewicht habe ich der Bequemlichkeithalber weggelassen. Im Rechner kippt das Ding nicht um aber im Wasser ...?


Gruß

Arne
 
Delftshipversion auch in deutsch ?

Delftshipversion auch in deutsch ?

Hallo Arne,

hoffe Du bist auf´m Weg der Besserung ! Kann man die aktuelle Delftshipversion auch "verdeutschen". Habe zwar auch die Datei "deutsch" heruntergeladen, aber noch keine Idee wie die aktiviert werden soll. Würde im Winter auch gerne mir diesem Progr. ein wenig "entwerfen".

Grüße und gute Besserung
 
Moin,

es wird wohl noch etwas dauern bis ich weiter bauen kann, die Einbindung der deutschen Sprachdatei kann ich dir aber trotzdem erklären :-)

Der normale Installationspfad ist: c:\Programme\Delftship\Languages
Ich habe einen Screenshot gemacht, ich hoffe er kann dir weiterhelfen.


Grüße aus dem Norden

Arne
 

Anhänge

Oben Unten