Wenn die ‚Simple Sweep Theory' stimmt, dann…

Noch ein Detail: Bei der Umrechnung zwischen Ortho- und Streamwise-Profil ist der Kosinus des Pfeilwinkels nicht der einzige Faktor. Die Schränkung des Flügels fügt eine zusätzliche, parabolische Wölbung hinzu. Zur Orientierung: Bei einer flugel mit 30 Grad Pfeilung, Streckung von 10 und 8° Schränkung, ist diese bei einem durchschnittlichen Profil fast so groß wie der Kosinus-Effekt.
Das verstehe ich nicht. Oder wie man heute sagt: Ich bin lost. Kannst du das nochmal anders erklären? Danke :)
 
Und dann hast du bei dieser Umrechnung immer noch das Problem der Zuspitzung. Am Ende wird es einfacher sein, man macht die orthogonalen Schnitte im CAD und wandelt die in .DAT um.
 
Schränkungswölbung fθ
Optisch schwer vorstellbar, daher ganz praktisch erklärt. Nimm eine dünne, flache rechteckige Platte und leg sie flach auf die Werkbank. Schieb unter eine Ecke (die rote) ein paar Euromünzen und nagle die anderen drei Ecken fest.
1785914968654.png

Der Maschinenbauer nennt das windschief, der Modellbauer sieht darin einen Flügel mit Schränkung.

Der rote Schnitt ist schnurgerade. Nur verdreht, keine zusätzliche Wölbung.
Der blaue Schnitt schräg unter dem 'Pfeilwinkel' φ hat die Form einer Parabel.
Für Interessierte die Formel dieser parabolischen Wölbung: fθ = θ·sinφ / (4·Λ).
Darin ist θ der Schränkungswinkel, φ der Pfeilwinkel und Λ die Streckung des Flügels.

Grafisch sieht das so aus:
1785915476800.png


Diese Wölbungsänderung muss auch bei der Umrechnung Streamwise ↔ Ortho berücksichtigt werden.
Die Excel-Tabelle berücksichtigt dies (sowie die Zuspitzung des Flügels).
 
Danke für deine Mühe! Jetzt bin ich wieder dabei.

Ebenfalls danke für die Mühe Maarten, aber ich bin immer noch nicht ganz dabei.
Ich habe schon mehrere Pfeile mit ortho-Orientierung der Profile gebaut und habe mir das im Vergleich zu Deinen Überlegungen ziemlich einfach gemacht:
1. Konventionelle 2D-Auslegung mit Profilausrichtung parallel zur Flugrichtung
2. Umrechnung der Dicke und Wölbung der in Flugrichtung eingebauten "Einbauprofile" auf die Profildaten für den Einbaus senkrecht zur Nasenleiste. Ich habe schon einige Pfeile in Kleiderbügelform gebaut, dabei werden die Profile immer mit dem cos des örtlichen Pfeilwinkels der Nasenleiste an der Einbauposition gerechnet, also in diesem Spezialfall innen weniger, außen mehr.
Für die Umrechnung habe ich Wölbung und Dicke mit dem cos des ötlichen Pfeilwinkels umgerechnet, also sowohl weniger Dicke, als auch weniger Wölbung.
3. Den Profilmoment habe ich nicht umgerechnet. Das ist sowieso ein heikles Thema, denn der TAT-Profilmoment ist bei den Re-Zahlen des Modellbaus schrecklich ungenau, siehe Nurflügelbuch von Peter Wick ab Seite 17. Die X-Foil-Profilmentente passen viel besser als die konstanten TAT, sind aber stark von der Profildicke und der Re-Zahl abhängig. Außerdem dürfte man eigentlich nicht mit dem Momentenbeiwert cm0 des Anstellwinkels 0° rechnen, sondern mit den tatsächlich am Auslegungspunkt herrschenden Momenten der Strakprofile. Ich weiß jetzt nicht aus dem Kopf wie sehr die verschiedenen Profilmomentenbetrachtungen den Auslegungs-cA für die Optimierung der Schränkung und die Höhenruder-Grundstellung verändern, aber bei den mit Zähigkeit und auf den Auslegungspunkt gerechneten Momenten hatte ich nicht das Gefühl, dass sich zwischen der Rechnung in Flugrichtung und der Ortho-Umrechnung so viel ändert, dass man dafür mehr als eine Gefühlsabschätzung berücksichtigen müsste. Ich habe einfach nur geschaut ob die Änderung in meinem gefühlten Toleranzbereich liegt, und weil das immer so war am umgerechneten ortho-Profil nichts mehr verändert.

Man kann natürlich alles ganz genau anschauen, aber wenn man "nur einen Pfeilnurflügel auslegt" und dabei Leistung kitzeln möchte gerät man leicht in den Bereich des Overengineerings.
Das kann auch Spaß machen, aber ich persönlich habe mehr Spaß an der Flugpraxis der einfacheren Ortho-Umrechnung wie hier beim Dispar unten in der gekürzten 2,7 m-Version.

Gruß, Uwe.

 
Es gibt ein DLR-Verfahren das effektive Ncrit-Werte und effektive Reynolds-Zahlen für Profile senkrecht zur Nasenleiste abschätzt. Diese Adaptions-Werte reflektieren Geometrie, Cross Flow, Grenzschichtaufdickung etc. und einige Randbedingungen. Damit sind speziell angepasste xfoil-Profilentwürfe - z. B. mit Xoptfoil2 möglich.

Fliegergrüsse
Tobias

PS
Beispielsweise hier für einfache Pfeile mit konstanter Profiltiefe.

Pfeil 25 Grad_klein.png

Pfeil 25 Grad_Re_eff_klein.png
 
Das klingt sehr interessant, genau das, was für die Auslegung/Auswahl der Orthoprofile benötigt wird. Gleich einige fragen:
Was ist ein DLR-verfahren, ist es ein öffentlich zugängliches Tool? Oder könnten Sie alternativ einen Berechnung für 30 Grad Pfeilung mit konstanter Profiltiefe erstellen?
Wie wird die Streckung berechnet, in Strömungsrichtung oder orthogonal?
 
Hintergrund der Abschätzungen sind Verfahrensweisen, die grundsätzlich auch im komplexen und nicht öffentlich zugänglichen "DLR Flow Solver TAU" des DLR verwendet werden.

Die obigen Abschätzungen liefert ein sorgsam befragtes LLM, indem es u. a. Formeln aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen mit Python nachprogrammiert. Ein LLM kann ja bekanntlicherweise nicht selbst rechnen.

Die Ergebnisse sind mit den üblichen Vorbehalten gegenüber Antworten eines LLMs zu betrachten. Mit detailierten Nachfragen lassen sich die Dinge gut hinterfragen und ggf. verstehen. Die Methode des Zustandekommens der effektiven Re-Zahlen war z. B. so für mich nachvollziehbar. Die verwendeten impliziten Randbedingungen lassen sich so auch herausfinden.

Möglich wäre auch eigenständigen Python-Code generieren zu lassen, der auf Basis einer Flugzeug-Definitionsdatei die Abschätzungen vornimmt.
 
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