Wenn es einem alten Esel langweilig wird!

Wie ich lernte im Dreieck zu fliegen!

von Kai Wimmer.​

Da ich in meinem letzten Beitrag stärker auf die Technik und die Erfordernisse für das Triangle-Fliegen eingegangen bin, möchte ich hier meine Geschichte darüber erzählen, wie ich mit dem Um-drei-Ecken-Fliegen angefangen habe.

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Beim Modellfliegen ist es oft so, dass man etwas Neues ausprobieren möchte , wenn es einem trotz viel Erfahrung zu langweilig wird.

Genau dann kommt häufig zunächst die ernüchternde Erfahrung, dass man zwar fliegen kann, sich unter den neuen Umständen aber doch stark anpassen muss.
Im Falle des modellfliegenden Esels muss dieser das Fliegen neu lernen und sich zugleich intensiv mit einer neuen Technologie auseinandersetzen.

Aber der Reihe nach.

Vor fast zehn Jahren hörte ich von einer neuen Modellflugsparte: GPS-Triangle!
Zur damaligen Zeit war das natürlich noch alles ziemlich neu und kaum einer wusste, was das nun genau ist.
Also habe ich mal die Datenbank des weltweiten Wartens bemüht und bin bei www.gps-triangle.net fündig geworden.

Prinzipiell waren die dortigen Informationen recht hilfreich, um zumindest ein gewisses Grundverständnis dafür zu erlangen, was es mit diesem mysteriösen Thema auf sich hat.

Kurz zusammengefasst:
Man muss ein festgelegtes Dreieck aus einer bestimmten Maximalhöhe innerhalb von 30 Minuten so oft wie möglich umrunden!
Mann, Leute, das kann doch nicht so schwierig sein...!

Wenn ich vorher gewusst hätte, was dann auf mich zukam, hätte ich es vielleicht gelassen, aber meine Neugier war geweckt.
Allein die Tatsache, der manntragenden Fliegerei kaum näher kommen zu können, übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus.

Also habe ich mir zunächst die benötigten Komponenten besorgt:
  • GPS-Tracker im Modell,
  • Android-Smartphone als Bodenstation mit der damals passenden App,
  • Bluetooth-Modul für den Sender.

Da ich gerade von der HoTT MZ-24 auf die Jeti DS-24 umgestiegen war, erschien mir das BT-Modul als eine gute Lösung.
Am Ende stellte sich genau das jedoch als totaler Trugschluss heraus.

Nun denn, dann habe ich doch auf die Kabelverbindung zwischen Sender und Smartphone gewechselt. Glücklicherweise gab es das alles bei SM-Modellbau.
Danach ging es ans Training.

Da konnte ich erstmals feststellen, dass Fliegen nicht gleich Fliegen ist!
Zu dem Zeitpunkt, als ich eingestiegen bin, wurde die Sport-Klasse gerade ins Leben gerufen.
Mit 5 m Spannweite und 7 kg Gewicht passte meine Alpina 5001 genau in diese Klasse. Sie war das Modell, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt neben meinem TXL die meisten Flugstunden gesammelt hatte.
Prinzipiell eine gute Wahl, wenn da nicht ...

1. Die Alpina 5001 war eher thermikstark als streckentauglich.​
2. Durch den kurzen Rumpf litt die Richtungsstabilität.​
3. Die Einstellung war eine Katastrophe!​

Besonders Punkt 3 war der ausschlaggebende Faktor.
Ich hatte den Schwerpunkt relativ weit hinten liegen, was das Modell zwar agil, aber auch zappelig machte.
Die Ruderabstimmung für die einzelnen Flugphasen war für diesen Zweck ebenfalls völlig ungeeignet.

Durch das instabile Verhalten konnte ich den Flugpfad auf dem Smartphone nicht besonders gut einschätzen, da ich das Modell nicht aus den Augen lassen durfte, um das Display des Smartphones zu betrachten.

So gesellte sich ein Punkt zum anderen. Aufgeben war aber keine Option. Dafür hatte ich schon zu deutlich gemerkt, wie interessant und vielseitig diese Sportart ist.
Dann kam der erste Wettbewerb, damals in Thannhausen, mit dem Ergebnis, Vorletzter zu werden.
Dass ich bei diesem Wettbewerb überhaupt ein paar brauchbare Flüge zusammengebracht hatte, lag einfach daran, dass mir von der GPS-Gruppe ein T3000 als Leihgerät zur Verfügung gestellt wurde. Damit konnte mein Helfer mir den Flugpfad sauber ansagen und ich habe erfahren, was ein wirklich gutes Variometer (Vario) ist.

Bild1.JPG

Damit war mein Schicksal endgültig besiegelt und die Sucht hatte mich vollständig gepackt.
Mittlerweile gehe ich nicht mehr ohne meine GPS-Ausrüstung zum Modellfluggelände.

Ein Jahr später wurde in Thannhausen ein GPS-Workshop organisiert!
Dazu zitiere ich mich selbst aus einem Bericht in der „Aufwind“:
Leider gibt es solche Veranstaltungen für die Wettbewerbseinsteiger viel zu wenig, weshalb ich auch glaube, dass die Wettbewerbsszene immer kleiner wird. Was hier vor Allem auch sehr schön gezeigt und auch immer gesagt wurde war, dass man weder über sündhaft teures Spezialmaterial verfügen muss, noch muss man der absolute Superpilot sein. Es genügt ein normaler 4m Segler mit durchschnittlichem E-Antrieb, der sauber abgestimmt geradeaus fliegt. Wer sich keine GPS-Ausrüstung leisten will kann auf das Angebot des Veranstalters zurückgreifen und bekommt ein Leihgerät z.V. gestellt. Dafür wird lediglich etwas Platz im Rumpf und ein freier Servoausgang (zur Stromversorgung) am Empfänger benötigt. Mich auf jeden Fall hat der GPS Virus nun vollends verseucht und ich fürchte das Krankheitsbild des Virus „Modellbaus Luftikus“ hat eine zusätzliche extrem ansteckungsgefährdende Variante dazu bekommen.

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Philipp Kolb erklärt die Grundlagen des Triangle-Fliegens.​

Inzwischen ist diese Veranstaltung fester Bestandteil der GPS-Triangle-Jahresrunde und wird stets sehr gut besucht.

Danach gab es für mich kein Halten mehr und ich versuche seitdem, bei möglichst vielen Wettbewerben mitzufliegen.

Mittlerweile war ich auf einigen Wettbewerben mit mehr oder weniger gutem Erfolg, aber immer mit sehr viel Spaß.
Außerdem habe ich viele neue Fliegerkollegen kennen und schätzen gelernt. Niemals wurde ich wegen irgendetwas dumm angemacht oder geringschätzig angelächelt oder Ähnliches. Der gesamte Umgang in der Community ist sehr respektvoll und es wird einem immer geholfen.

Ja, ich habe mich auch modellmäßig weiterentwickelt, aber die echte Leistungssteigerung kam durch die Flugpraxis und die Teilnahme an Wettbewerben. Daher bleibe ich bei der Aussage: 85 % Pilot, 10 % Material und 5 % Glück!
Es ist völlig egal, mit welcher Fernsteuerung oder welchem Modell man fliegt, ob man mit einem Zelt oder einer Luxuswohnbox erscheint und so weiter.
Das interessiert dort niemanden.

Von daher kann ich immer nur sagen:
Leute, fahrt zu den Wettbewerben. In so kurzer Zeit kann man kaum mehr lernen.
Ein Wettbewerbswochenende bringt mehr Erfahrung als zehn Tage lang auf dem heimischen Vereinsgelände zu fliegen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir uns das eine oder andere Mal auf einem Modellfluggelände bei einem der Wettbewerbe treffen.
Aber Vorsicht!
Diese Art zu fliegen birgt ein extremes Suchtpotenzial!

Viele Grüße und always happy Landings
 
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