Einführung
Der Bau des Modells einer historischen Dampfmaschine stellt hohe Anforderungen
an den Modellbauer. Dass die Bewältigung der anfallenden Arbeiten
jedoch nichts mit Zauberei zu tun hat, soll dieser Bericht zeigen. Eckart
Kercher hat sich die Mühe gemacht, alle wesentliche Arbeitsschritte
zu dokumentieren, um anderen Modellbauern die Angst vor vergleichbaren
Projekten zu nehmen. Ich habe versucht, die Abfolge nachvollziehbar darzustellen
und einen geschlossenen Ablauf zu finden, da die Ursprungsgedanken aus
einer Forumsdiskussion heraus entstanden sind.
Das Vorbild der hier gebauten Maschine ist an Produkte angelehnt, die
dem Entwicklungsbereich der Firma von F. Harkort entstammen. Die „Mechanische
Werkstätte" für Dampf- und Textilmaschinenbau des Unternehmers
Friedrich Harkort (1793-1880), in den malerischen Mauern der Burg Wetter
an der Ruhr angesiedelt, ist Teil einer Unternehmenskonstruktion, bestehend
aus Berg- und Walzwerk, Kesselschmiede und Hütte. Sie entsprach in
ihrer Struktur bereits den späteren großen Konzernen des Ruhrgebiets.
Damals beschäftigte das Gesamtunternehmen 147 Arbeiter. Der Firmeninhaber,
Friedrich Harkort, richtete Krankenkassen und andere Wohlfahrtseinrichtungen
ein. Er war einer der weit blickenden Unternehmer seiner Zeit. Über
den von ihm erkannten und durchaus richtig eingeschätzten Entwicklungsmöglichkeiten
vergaß er leider die realen Gegebenheiten. Infolge dessen machte
er im Jahr 1838 Bankrott und musste aus der Firma ausscheiden. (Quelle:
D. Ammermann)
Für weitergehende Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Die
Bilder in diesem Bericht sind für die Darstellung im Internet und
mit Rücksicht auf diejenigen Nutzer, die auf kleinere Datenraten
angewiesen sind, bezüglich ihres Datenvolumens reduziert worden.
Auf Nachfrage sind auch Abbildungen mit höherer Auflösung erhältlich.
Volker Cseke
Die Harkort II von Lothar Matrian
Ausgangspunkt für die Maschine ist ein Gussteilesatz von Lothar
Matrian. Animiert von anderen Berichten wurde die Digi-Kamera in der Werkstatt
aufgebaut, um meine Dreh-/Fräsversuche zu dokumentieren. Natürlich
wusste ich im ersten Überschwang nicht, was da auf mich zukam. Es
ging oft sehr eng zu, denn eine Werkstatt ist nun mal kein Fotostudio,
von der zusätzlichen Zeit, in der mich die Kamera plagte, ganz zu
schweigen. Nun, ich habe es begonnen und werde es wohl auch durchziehen.
Die Experten unter Euch werden vielleicht öfter mal über mein
technisches Halbwissen schmunzeln. Ich drehe und fräse halt gern,
ohne mich dabei mit viel Theorie zu belasten.
Die "Beginner" werden, so hoffe ich jedenfalls, manches finden,
das sie möglicherweise auf eigene Projekte übertragen können.
Dank an Peter, der mir mit Rat und Tat weitergeholfen hat !
Kritik ist erwünscht, auch sie hilft weiter.
Genug der Vorrede, fangen wir an.
Wie immer konnte ich nicht warten bis die Gussteile da waren. Darum habe
ich mit den Exzentern "aus dem Vollen" angefangen.
Eckart Kercher
Exzenterringe 2 Stück
Zwei gleichgroße Messingplatten wurden gesägt und jede auf
beiden Seiten mit dem Ausdrehkopf auf die erforderliche Dicke plan gefräst.
Dazu wurden sie auf zwei Parallelunterlagen im Schraubstock eingespannt.

Jedes Teil wurde an einer Mittellinie auf der Kreissäge geteilt
und wieder mit Castolin 157, Schmelztemp. 220°C, zusammengelötet.

Im nächsten Schritt wurden die Maße der Zeichnung übertragen
und angerissen. Beide Teile habe ich mit Weichlot aufeinander gelötet
und noch einmal außen rechtwinklig überfräst (zum besseren
Spannen).
Einen Spanndorn fertigen. In diesem Fall ist es ein Reststück Automatenstahl
Ø14mm, der auf einer Seite auf Ø9mm, 9mm breit, abgedreht
wird. Beide zusammengelöteten Exzenterringteile sind 10mm dick. In
die Stirnseite wird ein M6-Gewinde geschnitten.

Der Mittelpunkt des Messingteiles wird mit 8,8mm gebohrt und bis 9mm
gerieben. Bolzen und Rohteil werden mit Inbusschraube und Unterlegscheibe
montiert. Um sie genügend anziehen zu können, habe ich vorher
eine beliebige Schlüsselweite angefräst.
Die Fräse wird im Spannzangenfutter mit einer 6/5mm Spannzange bestückt.
Darin wird ein überlanger Zentrierbohrer, der genau rund läuft,
eingespannt. Auf den Rundtisch wieder ein Spannzangenfutter mit Zange
7/6mm, in den der Zentrierbohrer tief eingetaucht wird. Der Rundtisch
wird nun solange von Hand und nach Sicht bei vorsichtigem Spannen der
Zange justiert, bis die Achsen stimmen. Dann wird der Rundtisch festgesetzt.
Er muss natürlich über den Nuten des Frästisches stehen.

Ich musste dies so umständlich machen, da mein Rundtisch sehr alt
ist und im Zentrum ein Zoll-Gewinde hat.
Der Spanndorn wird mit dem Frästeil auf den Rundtisch gespannt,
die Skala auf 0° justiert und bei inzwischen gespanntem 6mm Fräser
wird die Y-Achse so verfahren, dass der Fräser 0,2mm außerhalb
des angerissenen Außenkreises steht. Dann die untere Zange soweit
öffnen und das Teil so drehen, bis der Fräser am Anfangspunkt
steht. Mit dem Fräser leicht ankratzen und zum Endpunk kurbeln. Dieser
wird auf der Skala des R.T. mit einen roten Edding gekennzeichnet.

Ich habe nun jeweils mit Z 0,5mm zugestellt, immer gegen den Uhrzeiger
und leer zurückgekurbelt, um den Durchbruch zu bekommen. Auf der
anderen Seite dasselbe.

Da die Außenkontur wieder diese Wellenstruktur hatte (siehe früherer
Bericht von Thilo) wurde jetzt um 1/10 Richtung Zentrum zugestellt. Dies
ist der Grund für die 0,2mm Übermaß. Durch langsames vor-
und zurückkurbeln bei hoher Drehzahl wurden die Oberflächen
relativ glatt.

Verbliebene "Dreieckteile" werden abgesägt.
Der Schraubstock wird wieder auf die Fräse montiert, das Teil so
gespannt, dass die Säge-Löt-Kante genau senkrecht zur oberen
festen Backenkante ist und dann wird bis zu den Anrissen gefräst.
Dabei entstehen die "Verschraubungsfahnen". Ich hoffe, sie werden
so genannt.

Das Teil um 90° drehen und auf jeder Seite je zwei Bohrungen einbringen.
Zentrierbohren und -reiben, hier auf 2,5mm.

Jetzt tritt die Drehe in Aktion. Das Teil wird im 4-Backenfutter gespannt.
Parallelunterlagen - übergroßer Mitlaufkörner, die sind
hier gefragt. Zum Schutz der Außenkontur habe ich um die Backen
0,3mm Kupferblech gebogen. Da es immer wieder abfiel, wurden es mit doppelseitigem
Klebeband befestigt. Der Ring wird zentriert. Eine etwas mühselige
Prozedur, trotz großer Mitlaufspitze, die ich aber zur letzten Feineinstellung
zurückgefahren habe. Ein Feintaster in der 9mm Bohrung brachte dann
den Rundlauf.
Der Innendurchmesser wird auf Maß ausgedreht.

Der Doppelring wird gerade so weit erhitzt bis sich nur die Weichlotstellen
lösen. An den nun zwei identischen Ringen wird anschließend
das Lot mit einem Schaber und durch Ziehen über eine Feinfeile entfernt.

Den beiden Teilen wird - einzeln im 3-Backenfutter gespannt - auf beiden
Seiten noch ein 0,5mm tiefer Rezess, der bis 1,5mm in den äußeren
Durchmesser reicht, angedreht.

Ich habe versucht, die Rundungen beider Verschraubungsfahnen mit einem
Viertelkreisfräser abzurunden. Leider war der Radius meines Fräsers
zu groß, ein passender war mir zu teuer. Also habe ich die altbewährte
Methode angewandt und zwei Rollen, Ø 4mm, mit Bohrung 2,5mm gedreht
und gehärtet. Anschließend wurden sie, wie im Bild zu sehen,
mittels Mutter und Kontermutter montiert, aber nicht einfach mit einer
Gewindestange, sondern an einem 2,5mm Silberstahl, auf dessen beide Seiten
ich ein Gewinde geschnitten hatte.

Danach wurde von Hand solange gefeilt, bis die Feile die Rolle erreicht
hatte und damit nicht mehr packen konnte. Die Rundungen werden auf diese
Weise perfekt.
So sehen sie aus.

Sind beide Ringe gefertigt, werden sie wiederum durch Erhitzen in Halbringe
getrennt, Restlötzinn wird durch Ziehen auf der Feile entfernt.
Nach leidvoller Erfahrung erschien es mir sinnvoll, die Teile an einer
unauffälligen Stelle, so wie sie zusammengehören, zu markieren
Die Exzenter
Darüber, wie man einen Exzenter herstellt, ist schon sehr viel geschrieben
worden. Daher kann ich mich kurz fassen.

An den Exzentern für die Harkort befinden sich auf beiden Seiten
Stege, welche die Ringe links und rechts halten sollen. An einem Stück
Rundmaterial wird ein 16mm Zapfen (meine größte Spannzange)
angedreht. Er wird mit einer Spannzangenhalterung, die an Stelle des Futters
in die Spindel eingeschoben und mit einer langen Zugstange festgesetzt
wird, gespannt. Das Rundmaterial wird auf den Außendurchmesser der
Stege gedreht. Mit dem Stechstahl wird der Innen-Ø für die
Exzenterringe herausgearbeitet. Hier muss man vorsichtig arbeiten und
immer wieder mit den Ringen auf Passung prüfen.
Die seitlichen Stege sind nur 0,5mm breit. Ich habe sie auf der einen
Seite soweit plangedreht bis dies erreicht war. Auf der anderen Seite
mit etwas Überstand abgestochen.
Um auch hier diesen Steg maßgerecht drehen zu können, wurde
eine dünne Hülse mit einem Innenanschlag gedreht, der Exzenter
eingeschoben und jetzt im 3-Backenfutter, mit Unterlagen zwischen Drehteil
und Futter, so gespannt, dass das Teil nur sehr wenig aus dem Futter ragte.
Die vorhandene Dicke des Steges wurde natürlich vorher gemessen und
so viel weggenommen (mitsamt der Hülse), bis die 0,5mm wieder erreicht
waren.

Die Exzentrizität der Bohrung und des Zapfens waren, im 4-Backenfutter
gedreht, kein Problem.

Der linke Exzenter erhält noch eine 10mm Bohrung für die Welle,
auf der er sitzt, der rechte Exzenter wird auf die Nabe eines Kopfzahnrades,
das einen Regler antreibt, montiert. Beide müssen mit einer 3mm Gewindebohrung
versehen werden. Sie sind mit einer Madenschraube festgesetzt.
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Da dieses Projekt recht umfangreich ist, wird es in mehreren
Teilen veröffentlicht.
Teil 1 Teil 2
Teil 3 Teil
4 Teil 5
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