Design-Glasvlies

Hallo,

ich habe das Design-Glasvlies von R&G entdeckt. Es sieht von nahem nicht wirklich gut aus. Aber aus 50cm Entfernung macht es einen guten Eindruck.
Ich frage mich, ob man das Material als Decklage für den Flächenbau verwenden kann? Es hat 30g/m2 und ist wirklich sehr dicht. Die Drapierfähigkeit würde ich als schlecht beurteilen (oder geht das nass besser?). Dafür kann man es passend zuschneiden.

Welche Anforderungen muss eine Decklage eigentlich erfüllen? Ich denke an F3B/F3F-Flächen mit durchgehend mindestens 120g Biax. Das Biax zeichnet sich mit 49g Glas gerne ab. Ist das Vlies hier vielleicht sogar besser? Der Beitrag der Decklage zur Steifigkeit ist doch generell nicht hoch, oder?

Ich würde es sogar gerne ohne Klarlack einsetzen. Vielleicht generell mit Lack (eine Farbe) und dann mit Sicht-Design-Glasvlies-Blockstreifen ohne Klarlack (also Abkleben aber nur einmal lackieren)

Was meint Ihr dazu?

Auf der Webseite steht:
Wir empfehlen Epoxydharz HT 2 (Bestellnr. 105100-x) oder UP-Laminierharz Palatal U 569 TV-01 (Bestellnr. 140105-x) mit MEKP-Härter (Bestellnr. 145130-x).

Warum so spezielle Empfehlungen? Hat das einen Grund? Hat der Binderanteil von 7% irgendeine praktische Bedeutung?

Danke
Stefan
 

Gideon

Vereinsmitglied
Hallo zusammen,

ich habe mal einen ersten Versucht gemacht. Beim Formenbau war noch ein Stück 600er Biax übrig. Ich habe etwas Harz (Epoxy) auf Backpapier gestrichen und das Flies (CFK- und Hybrid-Optik) aufgelegt. Es tränkt recht gut und klebt nass auch gut an der Oberfläche. Rückseitig habe ich dann das dicke Gelege aufgewalzt.

Leider ist Backpapier leicht rau. Ich hätte was anderes nehmen sollen. Ich habe nach dem Aushärten horizontal abgeklebt und mal schnell mit 600er und 1200er geschliffen. Dann noch mal vertikal abgeklebt und in der Mitte mit Klarlack drüber lackiert.

Was sieht man? Die Optik ist OK. Bei näherem Hingucken erkennt jeder, dass das nicht echt ist. Aber aus 1m Entfernung ist der Effekt ganz nett. Das Flies nimmt dem groben Gelege komplett die Struktur und überdeckt Lunker zuverlässig. Ich werde versuchen es mal als Außenlage anzuwenden. Ich denke vor allem an GFK-Positivbauweise. Dort ist es immer schwierig mit dem Lackieren, weil man die Nase verschleifen muss.

Stefan

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Bitte unbedingt weiter berichten wenn es Neuigkeiten gibt! Hab mich auch schonmal in Grundlagen mit dem Zeug beschäftigt, es aber dann aufgrund mangelnder erfahrungen gelassen :D
Dass es nicht perfekt echt aussieht dürfte wohl jedem klar sein, aber so als Effekt und als Decklage könnte das ganze schon interessant sein :)

Gruß, sebastian
 
Hat Vlies eine Richtung? Hier steht "Vliesstruktur: Wirr"
http://shop1.r-g.de/art/190160

Weiterhin kann man lesen:
Höchstzugkraft: 25 N/50 mm längs, 18 N/50 mm quer
Dehnung bei Höchstzugkraft: 1 % in beide Richtungen

Was ist längs und quer? Längs = Rollenrichtung?
Die Werte sind ähnlich. Ob man das Material als quasiisotrop annehmen kann?
Ich überlege gerade, ob man es in +/-45° verwenden sollten oder eher nicht.

Anwendung: Außenlage Flügel, Positivbauweise, Holmgurt über gesamte Profiltiefe mit UD in Spannweitenrichtungen (der Einfachheit halber und um Abzeichnungen zu vermeiden)

Stefan
 
Hallo zusammen,
ich habe einen weiteren Versuch durchgeführt. Diesmal auf gewachsten Mylars.

1. Stück
- Mylar 1 mal mit HP-CX7 gewachst, 24h ablüften lassen
- 1K Klarlack aus der Dose, 24h härten lassen (ich nehme eigentlich nie 1K Lack, aber hier war das Risiko überschaubar)
- Harz nicht angedickt mit Velourwalze aufgerollt und Vlies aufgelegt und nachgerollt.
- dann ein 80er Köper, dann 600er Biax (lag beides beim Formenbau noch rum)
- kein Vakuum

2. Stück
- Mylar 1 mal mit HP-CX7 gewachst, 24h ablüften lassen
- weißer Streifen mit IMC lackiert, 24h härten lassen
- Harz nicht angedickt mit Velourwalze aufgerollt und Vlies aufgelegt.
- dann ein 80er Köper, dann 600er Biax
- kein Vakuum


Beide Teile glänzen herrlich. Das Teil mit Klarlack klebt noch ganz leicht am Finger (diese schrecklichen 1K Produkte...). Die Oberfläche ist aber sehr gut und frei von Lunker. Außer an der Stelle wo sich die beiden Vliese überlappen.

Das Teil ohne Klarlack fühlt sich sehr gut an. Das Lack hält super. Im Schräglich sieht man aber die Lunker. Das kann man aber bestimmt noch verbessern, wenn man die bekannten Techniken von Sicht-Kohle anwendet.

Die Oberfläche sieht jetzt aber schon ziemlich gut aus. Das Motiv bleibt Geschmacksache. Außer echte Sichtkohle gibt es ohne Farbe meiner Meinung nach keine bessere Oberfläche. Gefärbtes Harz oder solche Sachen waren bei mir immer der Ausfall.

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Gast_36267

User gesperrt
Sieht doch recht nett aus, gerade das Grau Schwarz wäre siche eine super Alternative für Unterseiten mit ST Uni oder Biax Gelege.
Dann könnte man sich nach der Aussenschicht absolut auf die Lagen Technik konzentrieren ohen den optischen Verschnitt zu berücksichtigen.
Werde mir auch mal ein Probestück anschaffen, entweder Design und/oder Kohleflies zum Test ....
Gruß Martin
 

Gast_36267

User gesperrt
der Streifen sieht so schlimm aus, weil er auf die schnelle mit Tesa-Krepp abgeklebt wurde...

Wie war das bei dir mit Abkleben und Wachs und Entformen ?

Mit dem Wachs und Folientrennmittel geht da ja fast gar nichts ... dafür suche ich noch ne Lösung oder ich muss einen Kunstmaler angaschieren der das reinpinselt :cool:
Die gute Entformbarkeit dieser Kombi bräuchte ich aber für die einfachen Negativformen damit nix zerstört wird, da braucht man schon ein bisschen Nerven für ....

> oder gibt es da ganz andere Lösungen (Trennwachs) dafür ????

Gruß Martin
 

Hans Rupp

Vereinsmitglied
Hallo,

bei einer Dichte des Epoxidharzes von 1,14 g/ccm und einem Faservolumenanteil von 20% im Handlaminat (oberster Anteil) kommen leider rund 300gr/m² Flächengewicht raus.

Hans
 
...das ist auf jeden Fall der ganz wunde Punkt bei dieser Sache...

Ob man es etwas verbessern kann, wenn man das Vlies tränkt und die nächste Lage trocken auflegt. Kann es sein, dass unter Vakuum das Vlies komprimiert wird und wieder etwas Harz abgibt? Ist vermutlich ein Spiel mit dem Feuer. Ausfall sicher vorprogrammiert.

Bei meiner (aktuell) angestrebten Positivbauweise geht das sicherlich nicht. Aber da kann ich vielleicht auch mit dem Gewicht leben.
Ich will unbedingt irgendwas damit bauen...

Stefan
 
Wie war das bei dir mit Abkleben und Wachs und Entformen ?

Mit dem Wachs und Folientrennmittel geht da ja fast gar nichts ... dafür suche ich noch ne Lösung oder ich muss einen Kunstmaler angaschieren der das reinpinselt :cool:
Die gute Entformbarkeit dieser Kombi bräuchte ich aber für die einfachen Negativformen damit nix zerstört wird, da braucht man schon ein bisschen Nerven für ....

> oder gibt es da ganz andere Lösungen (Trennwachs) dafür ????

Gruß Martin

Mit Folientrennmittel kann man gar nicht abkleben. Das verwendet man auch in der Regel beim Flächenbau nicht. Wachse wie W70 oder CX7 brauchen kein PVA. Darauf kann man abkleben wie man will. Einen Streifen abzukleben ist in der Regel einfach, weil man die zweite Farbe einfach drüber lackiert. Auf der Farbe kann man auch nicht mehr abkleben. Für mehrfarbige Designs gibt es dann mehrteilige Schablonen.

Was sind denn "die einfachen Negativformen"? Was ist eine komplizierte? Wo ist der Zusammenhang zum Wachs?
Es ist ja eher umgedreht. Für Formen mit kritischen Stellen nimmt man gerne PVA.

Stefan

Edit: Du meinst vermutlich diese Sache:
http://www.rc-network.de/forum/showthread.php/456568-Kostengünstige-Negativ-Formen
 
Dann wachse die Mylars mit W70 oder CX7 (einmalig 8 Mal mit jeweils >12h Pause, später nur noch ein mal). Da fällt das Laminat fast ab.
Sollten wir aber vielleicht "bei Dir drüben" diskutieren.

Stefan
 
So, ich habe ein erstes echtes Teil mit dem Vlies gebaut. Es handelt sich um einen Heckspoiler von einem Rennboot (1,3m lang, 26ccm). Das Originalteil war in Glashartschale laminiert und bei dem schwanzlastigen Boot mit 140g wirklich viel zu schwer.

Das Teil ist jetzt 27cm x 13cm groß und wiegt 40g. Der Styrodurkern wiegt 20g. Die Beschichtung also auch 20g. Unter Vernachlässigung der Nase aus UD kommen dann tatsächlich 290g/m² zu Stande. Das wären dann wirklich nur 10% Faservolumenanteil. Ich habe Harz auf die Mylars aufgewalzt, dann das Vlies aufgelegt und nachgewalzt. Danach habe ich überschüssiges Harz mit Zellstoff und der Walze wieder aufgenommen.

Die Oberfläche ist OK. Die Beulsteifigkeit ist brauchbar. Die Torsionssteifigkeit wäre für ein Ruder aber schon problematisch. Mit 100er Biax (ähnliches Gewicht) wäre die Torsionssteifigkeit sicherlich viel höher.

Stefan

PS: Bei den Mylars reicht 1 mal wachsen wirklich aus.

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