Mehrteilige Kabinenhaubenrahmen-Form erforderlich?

Milan

User
Mahlzeit in die Runde.

Ich habe ein Haubenrahmen-Urmodell gebaut und möchte eine Form davon erstellen.
Das bauen der Form bereitet mir keine Probleme - aaber:

1. eine offene, einteilige Form wäre mir am liebsten. Ich befürchte aber, das sich das Urmodell nie wieder daraus befreien lässt.
2. eine offene, zweiteilige Form mit Trennlinie mittig des Rahmens (von links nach rechts oder anders rum:D) macht halt mehr Arbeit - nur: klappt das dann bereits mit der Entformung problemlos?
3. oder muß es gar eine offene, dreiteilige Form mit Trennstellen an den Radien (Schenkel vorn und hinten) werden?

Hat jemand einen Rat oder eine Lösung für mich?

Danke auch und lG

Harry
 

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Gideon

Vereinsmitglied
Grundsätzlich wäre ich für eine einteilige Form. Du kannst ja das Urmodell noch entsprechend anpassen, um Hinterschnitte zu vermeiden.

Zeig mal bitte eine Detailaufnahme des Randes.
 

Milan

User
Hallo Gideon.

Hier noch zwei Bilder vom Rahmen.

Die waagerechten Rahmenteile sind an den Flanken nach oben hin verjüngt. (Trapetz)
Die Rahmenaussenseiten folgen ringsum selbstverständlich der Kontur der Haube (ja nee iss klar), sonst würde ja eine Form keinen Sinn machen da ich sonst jedes mal am Bauteil nacharbeiten müsste.
Ich überlege gerade ob es eventuell Sinn macht eine flexible Form (Silikon) zu bauen..........

c.jpg

d.jpg

LG

Harry
 

Milan

User
Tach!

Hmm, eine mehrteilige Haubenform ist nun doch zu aufwändig. Eine einteilige aus Silikon; nur das später am Bauteil nicht nachgearbeitet werden muß? Nö, gefällt mir auch nicht mehr.

Also nun doch eine einteilige Haubenform auch wenn ich die Hinterschneidungen mit Plastilin eliminieren und der fertige Rahmen im Nachgang an den Innenseiten nachschleiffen (anpassen) muß.

Hier ein paar Bilder:

Das "Urmodell" habe habe ich mit Seku auf eine beschichtete Resopalplatte, beziehungsweise an den Stirnseiten auf Cu beschichtete Epoxiplatten geklebt.

1v3.JPG



Mit Plastilin, stinknormale Kinderknete, ist das Urmodell ringsum gegen unterlaufendes Formenharz abgedichtet - die ursprünglichen Hinterschneidungen großzügig ausgefüllt.
Das spätere Entformen soll auf jeden Fall keine Probleme bereiten.


2v3.JPG


3v3.JPG


Jetzt kann es mit dem Abformen losgehen............

Interessiert euch das überhaupt?

LG
 
Interessiert euch das überhaupt?

:D

Ein Silikonklotz dafür wäre relativ teuer oder umständlich.
Das mit dem Plastilin und "konventioneller" Form ist eine gute Idee.
Willst Du die Hinterschneidungen im unteren Bereich nicht etwas großzügiger mit Knetmasse abschrägen?

LG
Juri
 

Milan

User
Hallo Juri.

Für den Formklotz und die späteren Bauteile gibt es nur die Möglichkeit senkrecht nach oben entformt zu werden.
Horizontal, vor oder zurück, geht da bauartbedingt nichts.
Die Anformung mit der Knetmasse hat jetzt schon einen ordentlichen Öffnungswinkel welches das Bauteil sofort frei gibt - auf den Bildern ist das leider nicht zu sehen.
So ein 3D-Bild wäre eine tolle Sache.....

LG

Harry
 

Gideon

Vereinsmitglied
Mach die Form mit UP-Vorgelat und einem elastischen Hinterbau (maximal so um die 400 g/m² insgesamt), dann kannst Du hinterher das Bauteil noch relativ leicht aus der Form herausbiegen bzw. vice versa.
 

Milan

User
Danke für den Tipp Gideon!

Welche Vorteile hat eine Vorgelat-Formoberfläche statt eine mit Formenharz erstellten? Mehr Flexibilität?

Mein extra gekauftes Formenharz schaut mich schon ganz weinerlich an........

LG

Harry
 

Adi72

User
Hallo Harry

wenn Du wegen der Hinterschneidung den Rahmen eh nachbearbeiten musst, dann bohr doch ein 1mm Loch in die Form und entforme mittels Pressluft oder einem 1mm Stahldraht.....
Wichtig wäre das Loch gut einzutrennen!
Grüsse
Adrian
 

Milan

User
Hallo Adrian.

Bingo. Super Vorschlag von Dir - ich habe da auch schon eine Idee wie und wo ich das umsetze.
Bin bereits beim Eintrennen des Abformlings mit Grundierwachs.
In das Bohrloch kann man ja auch einfach ein wenig Knete reinpopeln.


LG

Harry
 

Gideon

Vereinsmitglied
Danke für den Tipp Gideon!

Welche Vorteile hat eine Vorgelat-Formoberfläche statt eine mit Formenharz erstellten? Mehr Flexibilität?

Mein extra gekauftes Formenharz schaut mich schon ganz weinerlich an........

Ja, das ist deutlich flexibler als ein klassisches Formenharz. Wenn Formenharz, dann sehr dünn (≤ 0,5 mm) auftragen.
 

Gideon

Vereinsmitglied
Ja. Bei einem symmetrischen Laminataufbau (und auch generell hier nicht) ist ein zusätzlicher Abschluss nicht notwendig.

Achtung: Eine so hergestellte Form weist durch das relativ weiche und elastische UP-Vorgelat eine verringerte Kantenfestigkeit auf. Für Produktionsformen ist diese Methode deshalb nur bedingt geeignet.
 

Milan

User
Heute ist Freitag der 13!

Beste Gelegenheit also weiter zu machen:

Abformling mit Grundierwachs und Folientrennmittel vorbereitet.
Formbauharz hauchdünn aufgetragen.
Gewebe zugeschnitten.
Rasen vorm und hinterm Haus gedüngt und gekalkt.
Angeliertes Formenharz mit dünnflüssigen Harz eingepinselt.
Baumwollflocken-Kantenmumpe entlang des Rahmens aufgetragen.
Gewebe auflaminiert : 2 mal 80iger, 2 mal 163er, 1 mal 280er, 2 mal 163, alle Lagen jeweils um 45° gedreht.

Nebenbei mit dem Bau eines Tiefziehklotzes begonnen.

Formbau1.jpg

Formbau2.jpg


LG

Harry
 

Milan

User
Guten Abend.

Genug gewartet - nach 48h warten habe ich mit dem Entformen begonnen.
Nach drei Minuten war die Prozedur erledigt. Mit ein paar Holzstäbchen (Autobahntankstellenkaffeeumrührstäbchen) bin ich unter das Laminat gefahren und flupp war die Aktion schon vorbei.
Mit dem Dremel (Flexscheibe) war ruckzuck der Rahmen besäumt und mit dem Schleifklotz der Rand begradigt. Knete rausgepult und mit einem Lappen nachgerieben. Anschliessend unter fliessendem Wasser die Form aus,- und abgewaschen.

Wenn die späteren Bauteile genauso gut aus der Form flutschen will ich zufrieden sein.

entformt 1.JPG

entformt 2.JPG


LG

Harry
 

Milan

User
Hallo.

Die neue Form ist nun eingetrennt, wieder mit Grundierwachs und PVA.
Die Deckschicht ist in den Kanal eingepinselt und geliert derweil an.


laminieren1.JPG



Sechs Rovingstränge sind als erstes eingelegt worden, der verbleibende Hohlraum mit Baumwollflocken/Mikroballon - Mumpe aufgefüllt und abgespachtelt.
Jetzt heißt es wieder 48h warten bis das Machwerk durchgehärtet und entformbereit ist.

Das eingearbeitete Glasgewebeband soll als Entformhilfe (Prinzip Deckel-Öse-raufziehen) fungieren; mal sehen ob das klappt.......

Harzreste werden in den Tiefziehstempel entsorgt!

laminieren2.JPG


LG

Harry
 

Milan

User
Also:

heute war schlechtes Wetter für die Gartenarbeit - deshalb habe ich mal kurz meine Werkstatt aufgesucht um nachzuschauen, ob denn der Härtevorgang des Haubenrahmens ordnungsgemäß vonstatten ging.
Optische Kontrolle - sah gut aus; also einmal vorsichtig die Form verwunden und knack, da hat sich was gelöst!
Jetzt gab es kein Halten mehr. Nun die Form sanft in Gegenrichtung verdreht - und wieder ein deutliches Knacken.
Ein leichter Ruck an der Glasfaserband - Entformhilfe und schon hatte ich das Schmuckstück in den Händen.

entformen1.JPG



Behutsam habe ich den Rahmen grob besäumt (welch Wortspiel) und das PVA abgewaschen. Ich finde das Ergebnis ist klasse geworden. Durch die Verwendung von CFK-Rovings ist der Rahmen sehr gut gegen Verzug geschützt und gar nicht mal schwer geworden.

entformen2.JPG



Abschliessend wird der Rahmen in der Form ruhend noch mehrere Tage durchhärten.
Experiment gelungen - Patient lebt!

entformen3.JPG


Vielen Dank für Eure wertvollen Tipps per PN oder direkt in diesem Tread. Umgesetzt habe ich die mehr oder weniger vollständig.

Mein Tipp für Selberbauer: Bauvorhaben nicht zu lange theoretisieren, irgendwie mit dem Bauen beginnen - das wird schon.


LG

Harry
 
Zuletzt bearbeitet:

Gideon

Vereinsmitglied
Sehr schön! Freut mich, dass es so gut geklappt hat. Danke auch für die vielen Bilder und die gute Beschreibung. Das hilft sicherlich auch noch anderen Usern weiter.
 

Gideon

Vereinsmitglied
Gewebe auflaminiert : 2 mal 80iger, 2 mal 163er, 1 mal 280er, 2 mal 163, alle Lagen jeweils um 45° gedreht.

Formbau2.jpg

Eine kleine Anmerkung zur Faserorientierung hätte ich noch: Bei Geweben mit Köperbindung verläuft bei einer ± 45°-Orientierung der Köpergrat gerade durch den Zuschnitt.
 
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