Härterei gesucht

Kraftei

User
Hi Leutz

Hab da ein kleines Problem mit meinem Bugfahrwerk meiner JL Hawk. Ich musste, da ich das Hauptfahwerk mit stärkeren Federn höhergelegt hatte (was absolut super funktionierte!) nun auch das Bugfahrwerksbein verlängern, damit ich keinen negativen Anstellwinkel habe.
Ich habe mir dafür einen um 30mm verlängerten Fahrwerksstift gedreht (siehe Anhang, unten ist der kurze, originale Stift zu sehen.)

bolzen.jpg

Im Prinzip hat das perfekt funktioniert, aber leider ist dieser lange Stift nun nicht gehärtet, und durch die Verlängerung sind auch noch die Hebelkräfte so sehr gestiegen, dass es ihn, nur durch das Rollen, prompt verbogen hat. Ich werde mir jetzt nochmal so einen (minimal kürzeren) Stift drehen und will versuchen, diesen härten zu lassen. (Vorher gehärteten Stahl habe ich nicht und könnte diesen, auch mangels WIDIA-Drehstählen und meiner kleinen Baumarkt Drehbank auch gar nicht bearbeiten).
Kennt jemand eine Härterei, die so etwas zum Modellbautarif machen könnte? Kann man das evtl. auch selbst machen? So einfach wie "Anglühen -> Abschrecken -> Anlassen" ist es wohl leider nicht. Ist wohl eine Wissenschaft für sich :(

Hat da jemand einen Tip?

:) Merci

Holgi
 

Kraftei

User
Hi Peter,

vielen Dank, das ist sehr nett von dir!

Ich sehe, du fliegst bei den Oberhausenern - in eurem See hab' ich auch schon gebadet - im Februar :D

Ich versuche herauszubekommen, was das für ein Stahl war. War ein Abfallstück aus einer Schlosserei. Ich melde mich dann bei dir.

Nochmals vielen Dank und viele Grüße

:) Holgi
 

bo

User gesperrt
Hallo,
du könntest Dir auch einfach einen Passtift besorgen, die sind hart, und am oberen Ende eine Nut mit einer kleinen Trennscheibe machen und einen Sicherungsring einclipsen. ( statt des Bundes)
Oder du kuckst mal im Branchenbuch ob es in deiner Nähe einen Kunststoffspritzgussbetrieb gibt. Dort fragst du nach Auswerferstiften in deinem Durchmesser. Die haben dann schon den Bund an einem Ende.
Grüße

Torsten
 

Gerhard Stegmaier

Vereinsmitglied
Hi Leutz

Hab da ein kleines Problem mit meinem Bugfahrwerk meiner JL Hawk. Ich musste, da ich das Hauptfahwerk mit stärkeren Federn höhergelegt hatte (was absolut super funktionierte!) nun auch das Bugfahrwerksbein verlängern, damit ich keinen negativen Anstellwinkel habe.
Ich habe mir dafür einen um 30mm verlängerten Fahrwerksstift gedreht (siehe Anhang, unten ist der kurze, originale Stift zu sehen.)

Anhang anzeigen 722229

Im Prinzip hat das perfekt funktioniert, aber leider ist dieser lange Stift nun nicht gehärtet, und durch die Verlängerung sind auch noch die Hebelkräfte so sehr gestiegen, dass es ihn, nur durch das Rollen, prompt verbogen hat. Ich werde mir jetzt nochmal so einen (minimal kürzeren) Stift drehen und will versuchen, diesen härten zu lassen. (Vorher gehärteten Stahl habe ich nicht und könnte diesen, auch mangels WIDIA-Drehstählen und meiner kleinen Baumarkt Drehbank auch gar nicht bearbeiten).
Kennt jemand eine Härterei, die so etwas zum Modellbautarif machen könnte? Kann man das evtl. auch selbst machen? So einfach wie "Anglühen -> Abschrecken -> Anlassen" ist es wohl leider nicht. Ist wohl eine Wissenschaft für sich :(

Hat da jemand einen Tip?

:) Merci

Holgi
Hi Holgi,

Grundvoraussetzung zum Härten, Einsatzhärten oder Vergüten ist der Stahl selbst.
Es gibt Einsatzstähle, die nur ein paar Zehntel mm an der Oberfläche hart werden nach der Bearbeitung.
Für deinen Zweck würde ich einen Vergütungsstahl verwenden.
Es geht auch unlegierter-oder legierter Werkzeugstahl.
Auf jeden Fall musst du für den Härtereibetrieb die Materialbezeichnung kennen, damit Härten u. anlassen optimal werden.
Für einen Zehner solltest du das bei einer kleinen Härterei hinkriegen.

Gruß Gerhard
 

DRit

User
Auswerferstift

Auswerferstift

Hallo Holgi,
wenn Du Stress mit dem Auswerferstift hast, gibt mir die Maße an, wir haben alle möglichen Durchmesser in der Werkzeugmacherei vorrätig.
Gruß
Dieter
 
Hallo Holgi,

ich wollte auch einmal die Auswerfernadeln bei einem
Bugfahrwerk verwenden.
Ein Biegeversuch im Schraubstock zeigte, dass das
Material sehr spröde ist.
Nicht die geringste Biegung, der Bruch erfolgte
schlagartig und ich hatte das Gefühl, noch nicht
einmal eine besonders Große Kraft aufgewandt
zu haben.

Ich habe dann lieber einen Stab aus Federstahl
gemacht, das ging sehr gut und hält bis heute.

Gruß Klaus
 

Kraftei

User
Hi Leutz´:)

Wow! So viele Antworten! Vielen Dank euch allen !

Also ich habe meine Quelle gefragt. Es handelt sich bei meinem Material höchstwahrscheinlich um Silberstahl.
(@ Peter: reicht die Info zum Vergüten?)

Das mit dem Paßstifft mit Nut und Sicherungsscheibe ist eine gute Idee, stößt allerdings auf 2 Hindernisse.
Der Durchmesser ist zum einen irgendetwas sehr Krummes: ca. 6,32mm, und ist zum anderen eine Passung mit der Buchse, welche die Lagerung der Lenkung darstellt. Wenn hier zuviel Spiel ist, "schlackert" die ganze Mimik wegen der Hebellänge gewaltig :(
Desweiteren befindet sich im oberen "Teller" des Stiftes eine 0,8er Bohrung, in der eine Spiralfeder, welche unter dem Teller in der Buchse liegt, gesteckt ist. (Hört sich kompliziert an, ich mache mal ein Foto.) Diese Feder (am unteren Teil der Buchse ist noch eine) soll das Rad ohne Belastung in Neutralstellung bringen, damit es im Schacht sauber einfahren kann (funktioniert aber wegen der kleinen federkraft eh' nicht so toll).
Das alles würde die Paßstiftlösung erschweren, deshalb versuche ich das mal mit Peters Angebot, mir den Bolzen zu vergüten, bzw. mal eine Härterei hier in der Nähe zu finden, welche das vielleicht gegen einen kleinen Obulus in die Kaffekasse macht :)

Mein Bekannter meinte, wenn man nicht das allerletzte aus dem Vergütungsprozess herausholen muss könne man das durchaus auch mal zu Hause probieren. Das Glühen sollte zunächst kirschrot bis hellrot (nicht weißglühend) erfolgen. Das Material darf natürlich nicht fließen! Dann muss das Abschrecken in einem speziellen Härteöl erfolgen. Zum Abschluß darf sich der Stahl beim Anlassen maximal blau verfärben, aber nicht wieder glühen.
Nach dieser Prozedur sollte man schon einen gewissen Vergütungseffekt bemerken können, meint er. Soweit die Theorie.
Wie gesagt für ein bestmögliches Ergebnis steckt jedoch wohl wesentlich mehr Know how dahinter.

:) Holgi
 
Hi

Hi

Hi Holger,

Wichtig für das Härten( nicht vergüten) ist die genaue Zusammensetzung eher unwichtig.

Durchgehend erwärmen bis ca 600. Abschrecken mit Bewegung in WASSER bei silberstahl.

Anlassen bis gelbe Farbe kurz vor blau.

Holger du könntest auch in einer dreherei einfach fragen ob sie dir solch einen bolzen(schon gehärtet )drehen.

Wären noch einfacher, am besten wäre aber ein federstshl!!!

Hält länger

Grus jens
 

Kraftei

User
Hi Jens,

ja stimmt, die Möglichkeit mit der Dreherei bliebe auch noch. Vielleicht muss ich das sogar machen. Meine Baumarkt Drehbank (Rotwerk) dreht relativ krumm, und trotz Rollkörner wird der Stahl am Ende weggedrückt. Und genau dort wo ich die Passung mit der Buchse brauche (am Teller) ist der Durchmesser kleiner bis (3/10 mm !) als am Anfang, wo die Buchse ja erstmal drüber muss. Vielleicht kann ich auch den Reitstock so justieren, dass der Fehlwinkel in Richtung Backenfutter mehr stehen lässt. Mal kucken, ob das bei der kleinen Chinesin geht.
Im Moment heißt es tricksen bzw. etwas murksen, aber anders geht's leider nicht, wenn die Ressourcen begrenzt sind. Will mich nicht beschweren, man muss mit DEM zufrieden sein, was man hat. Viele habe ja nicht einmal eine Drehbank, also ist das verschmerzbar. :)
Ich verschwinde nacher erstmal im Keller :)

:) Holgi
 
Hatte das selbe Problem bei meinem Gripen von JL. Habe mir auch einen Bolzen aus Silberstahl gedreht, aber nach ein paar Landungen hat sich der Bolzen verbogen. Das Ausbiegen kann man vergessen, ist danach zu weich. :(

Ich habe mir bei der Fa. Schweighofer einen Ersatzbolzen für das Jet1a Fw gekauft.
Bekommt man sogar mit 120mm Länge..... Einfach eine Beilagscheibe oben drauf setzen, mit einem Schweisspunkt verbinden, etwas nacharbeiten, auf die benötigte Länge einkürzen und fertig. Der Bolzen ist gehärtet und ich hatte keine Probleme mehr. Funktioniert Super und ist eine Aktion von Minuten.

Da kann man schon täglich sich einen Bolzen gönnen... ;)

Das mit dem Sicherungsring ist nicht so mein Fall, da mir schon einmal ein Fahrwerksbein während des Fluges rausgefallen ist.... :(

Grüße da Stefan
 

Kraftei

User
Hi Rolf,

vielen Dank. Das klingt sehr interessant! In Verbindung mit diesen beiden Farbtabellen für Glühen und Anlassen, bekomme ich richtig Lust ,es einmal zu versuchen :)

@ Stefan: Was für einen Durchmesser hatte den der Jet-1A Bolzen? Ich brauche, wie gesagt 6,3mm, welche zusammen mit der Buchse eine Passung und somit die Lagerung für die Lenkung bilden. Das sollte also schon ziemlich genau sein.
Die Alternative wäre dann evtl., eine neue Buchse an den vorgegebenen Bolzen durch Aufreiben anzupassen.
Findet man diese Bolzen beim Schweighofer auf der Seite?

:) Holgi
 
Hallo Holger,

Das Maß 6,32 mm spricht für 1/4 Zoll = 6,35mm
Die Buchse von der Du sprichst, wird sicher in der Mechanik
über die Klemmung besfestigt, kannst Du die Buchse nicht
auch länger machen, dann ist der "Stift" länger geführt und
"jackelt" nicht so stark.

Schau doch mal, ob Du Federstahl in 1/4" bekommen kannst.

Gruß Klaus
 
Hi Holger,

Wichtig für das Härten( nicht vergüten) ist die genaue Zusammensetzung eher unwichtig.

Durchgehend erwärmen bis ca 600. Abschrecken mit Bewegung in WASSER bei silberstahl.

Anlassen bis gelbe Farbe kurz vor blau.

Holger du könntest auch in einer dreherei einfach fragen ob sie dir solch einen bolzen(schon gehärtet )drehen.

Wären noch einfacher, am besten wäre aber ein federstshl!!!

Hält länger

Grus jens
@Jens, ich glaub wir müssen mal das FeC-Diagramm miteinander durchkauen! Bei 600°C passiert nämlich nischt! PSK-Linie? :eek:

@Holgi,
Wenns Silberstahl ist, würde ich den aber nicht zu hart machen. So zwischen 52 und 56 HRC max. (350-380°C anlassen) und Oberfläche feinstgedreht oder geschliffen, wegen Kerbwirkung.
Auswerferstifte sind auch aus Silberstahl, die kann man auch noch nachträglich höher anlassen.

Gruß
Peter
 
Hallo,
ich werfe das einfach mal hier ein, damit man mal ordentliche Werte hat, mit denen man arbeiten kann:
Die Aussage, bei 600 Grad passiert da nichts, ist nicht ganz richtig. Allerdings muss man zum Härten über die
723 Grad - sonst klappt das mit dem Härten nicht.

"Silberstahl" (Werkstoffnummer 1.2210, die mit Chrom und Vanadium legiert sind (115CrV3)):
- Weichglühen bei 710–750 °C mit langsamer Abkühlung (geregeltes abkühlen im Ofen)
- Härtetemperatur bei Abschreckung in Öl: 810–840 °C (angewandt bei Materialstärken unter 8 mm).
- Härtetemperatur bei Abschreckung in Wasser: 780–820 °C (angewandt bei Materialstärken über 8 mm).
- Die maximal erreichbare Härte liegt bei 64 HRC.
Erreichbare Endhärte durch Anlassen:
100 °C = HRC 64
200 °C = HRC 63
250 °C = HRC 62
300 °C = HRC 60 (...350° - 2h => 54-56HRC)

Ich würde auch ruhig Silberstahl nehmen. Der ist durchaus recht zäh und bricht nicht 'glasartig', wenn er nach dem
Härten entsprechend Wärmebehandelt wird. Dann eher an die untere Härtegrade gehen (58...60HRC). Eine sehr hohe
Oberflächengüte zB. durch Feindrehen oder Schleifen hilft gegen die Bruchgefahr.
Ich hoffe es hilft.

Gruß
Thomas
 

Kraftei

User
Hi Peter,

Merci :)

Ich versuche mal meine Härte-Talent :D an dem verbogenen Abfall-Bolzen.
Da der neue Bolzen 11mm kürzer ist, als der alte UND ich ihn jetzt vergüten werde, sollte das den gewünschten Erfolg bringen.
Wenn ich diese Tabelle hier und die Silberstahl Eigenschaften betrachte, wird es wohl für mich als Laie schwierig, die Anlassfarbe (noch blau oder schon grau?) zu beurteilen.
Kerbwirkung :eek: klar, bei gehärteten, spröden Metallen wohl kein Fehler! Hätte ich jetzt nicht dran gedacht!
Wie gesagt, ich nehme mal ein Abfallstück und mache mal Feuer - Versuch macht kluch :)
Wenn's nixt wird, werde ich mit dem echten Teil auf dich zukommen - vielen Dank nochmal :)

@ Klaus: Die Buchse ist eigentlich schon "verlängert". Direkt unter der Buchse kommt ein massiver Aluring mit dem Anlenkhebel und darunter habe ich noch eine weitere Buchse (Alu, 11mm Dm) angefügt, um die Verlängerung des Stifts zu "verkleiden".
Das alles stützt den Bolzen bereits zusätzlich. Hat aber bei dem langen, weichen Bolzen trotzdem nix gebracht :(

:) Holgi
 
Ja Holgi, wenn Du den Rind mit der Anlenkung ganz oben
machen must, dann kannst Du die Buchse nicht einteilig
länger ausführen.
Wenn sie geteilt ist, dann bringt das auch keine
bessere Stützwirkung.

viel Erfolg bei Deinen Härte-Versuchen

Gruß Klaus
 
@Holgi,
dann versuchs mal, brauchst aber auch nen rechten Brenner um auf Austenitisierungstemperatur zu kommen. Nach dem Abschrecken muß der Bolzen wieder von der Zunderschicht befreit werden (in der Bohrmaschine mit 180er Schmirgelpapier ablaufen lassen). Nicht mehr mit den "Fettfingern" anfassen, das verfälscht die Anlassfarben! Vorsichtig mit "weicher" Flamme gleichmäßig erhitzen, und immer wieder aus der Flamme raus um die sich bildende Anlassfarbe zu sehen. Nach Kornblumenblau gehts richtung grau und das relativ schnell, dann sofort ins Wasser.

Gruß
Peter
 
Oben Unten