Mein erster kleiner Großsegler: Cirrus 1:4 Baubericht

Hallo zusammen,

Nach etlichen Holzbausätzen wage ich mich jetzt mal an meinen ersten Eigenbau. Der Rumpf ist aus der ehemaligen Gewalt-Form gefallen, vielen Dank dafür an CV!

Ich plane, den Cirrus eher "free-scale" zu bauen, mit Wölbklappen anstatt Störklappen, und handstartfähig mit 6s Nasenantrieb. Der Rumpf hat ein E68 angeformt, das werde ich wohl auf ein moderneres Profil ändern.

Da es mein erstes Projekt dieser Art ist, und ich auch zum ersten Mal Styro-Abachi-Flügel bauen will, will ich hier mal meine Erfahrungen und Eindrücke berichten. Die Updates werden eher unregelmäßig kommen, da ich leider nur an den Wochenenden die Möglichkeit habe, weiter zu arbeiten. Daher wird sich die Geschichte wohl etwas hinziehen.

Ich bin immer dankbar für Tipps und Hinweise, da ich mit so etwas großem noch kaum Erfahrung habe.

Das hier ist die Ausgangsbasis, dazu habe ich eine tiefgezogene Haube und einen Haubenrahmen (sorry für die schlechte Qualität):
CVs Bild.jpg


Wenn Interesse besteht, berichte ich gern über meine Fortschritte.

LG
Chris
 
Hallo Chris,
👍Hut ab, ist ein tolles Vorhaben von Dir; werde zwar wohl nix hilfreiches beitragen können, aber ich lese gerne mit. :)
Wünsche dir Gutes Gelingen und viel Spass bei der Umsetzung.

Liebe Grüsse
Jürgen
 
Hi Chris,
schöner Flieger! Meiner ist ebenfalls selbstgebaut und geht ausgezeichnet. Er hat vier Klappen und ein Pendelhöhenruder, die im Flug ausgezeichnete Manövrierbarkeit gewährleisten. Bei der Landung mit Butterfly wird das Höhenruder allerdings sehr "weich"; vermutlich, weil es im Wirbel der großen Wölbklappe liegt. Heute würde ich die Wölbklappe teilen.

Viel Erfolg! Heinz
 
Los ging es dieses Wochenende mit dem Seitenruder:

Begonnen hab ich mit dem Steg für die SR-Flosse, an der auch gleich das Servo in einem Schlitten montiert wird. Die Teile bestehen alle aus 4mm Pappel und etwas 5x5mm Kiefernleiste. Gehalten wird der Schlitten nach hinten direkt vom Seitenruder:

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Als Vorlage für das Ruder dient eine grobe Dreiseitenansicht aus dem Internet, die reicht für meine Ansprüche. Mittels Inkscape auf 4,4m Spannweite skaliert, das SR ausgemessen und 2x aus 2,5mm Balsa ausgeschnitten. Die Rippen bestehen aus 5mm Balsa, die unterste zum Verrunden aus 15mm Balsa:

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Nachdem die obere Beplankung sitzt, wird die Flosse vorn mit 2,5mm Balsa verschlossen.

Als Scharnier verwende ich einen 2mm Stahldraht, der im Ruder in 3mm Messingröhrchen steckt. Die Lagerzungen, die im SR-Steg sitzen, bestehen aus 4mm Birkensperrholz. Die 2mm Bohrungen habe ich mit dünnem Seku gehärtet.

An das Ruder werden vorn mehrere Stücke 5mm Balsa aufgeklebt, auf denen das Messingrohr aufgeklebt wird:

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Dann werden die Lagerzungen im Steg verklebt und mit kleinen Ecken aus 4mm Pappel verstärkt:

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Neben den Röhrchen wird mit 3mm Balsa aufgefüllt und dann eine 15mm dicke Leiste aufgeklebt, die anschließend rund verschliffen wird:

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Die kleine Aussparung ist für das Ruderhorn aus 2mm Gfk, die muss noch in der dicken Leiste erweitert werden. Angelenkt wird "unsichtbar" in der Flosse.

So, das ist das Ergebnis eines Wochenendes mit viel Messen, schätzen, schneiden, kleben und noch mehr schleifen. Zwischendurch hätte ich mir eine CNC Fräse gewünscht, aber so bleibt alles Handarbeit. :D

Sieht doch gar nicht so schlecht aus. Das Ruder ist oben und unten noch etwas zu kurz, da kommt noch ein Klotz zum Verrunden drauf:

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Nächstes Wochenende wird das SR fertig geschliffen und die Anlenkung gebastelt, mal schauen wie ich dann weiter mache... Vielleicht mit dem Motorspant, mal sehen... :D

LG
Chris
 

jduggen

User
Hi Chris,

cooles Projekt, viel Spaß und Erfolg bei einem der schönes aller Vorbilder, das man sich aussuchen kann. 😃😏

hatte ich vor einigen Jahre auch gebaut, Rumpf war "3te Wahl" von privat bei Ebay, Fläche nach meinem Entwurf bei Müller bauen lassen. Flog einfach nur Top, nichts berauschendes, aber super schön.

Wenn Dich das hier stört, gerne einfach wieder löschen.

ich lese mit,

Jörg
 

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Hallo Chris
tolles Projekt! Schöne Lösung mit der Servohalterung.
Was mir aufgefallen ist, der Radius am unteren Ende des Seitenruder ist zu groß.
Ich hatte den Graupner Cirrus, da war der Radius sehr viel kleiner. Wenn es die Dreiseitenansicht ist, die ich auch gefunden habe, (auf einer französichen Seite), die ist ist meiner Meinung nach falsch.
Schau Die mal ein paar alte Fotos an. Du findes einiges über die Google Bildersuche.
Oder hier einen schönen Walkaround auf youtube ()
Viele Grüße
Olaf
 
Was mir aufgefallen ist, der Radius am unteren Ende des Seitenruder ist zu groß.

Hi Olaf,
Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, aber da war es schon zu spät 🥲 ich hab mich kurz geärgert, dass ich die erstbeste Zeichnung genommen habe, aber so schlimm finde ich es doch nicht. Ist halt nur "free-scale", und es sieht doch eigentlich ganz gefällig aus :rolleyes:

Hi Simon,
Vielen Dank für dein Angebot, dein Cirrus ist echt schön geworden (schaut mal HIER, da sind ein paar Bilder von ihm). Die Pläne hast du mir schon geschickt, danke nochmal dafür :)

Hi Jörg,
Deiner sieht auch wirklich schick aus, danke für die Fotos. :cool:

LG
Chris
 

Locke

User
Moin,
der Plan vom Graupner-Cirrus ist super, wird hier aber nicht viel helfen...
Hier liegt ein Gewalt-Rumpf auf dem Bautisch, und sobald da Flächen ran kommen, die etwas von Scale-Anspruch haben sollen(?) , passt weder die Geometrie an sich, als auch die Maße der Graupner-Fläche weder vorn noch hinten...
Lese weiterhin gespannt mit.
Gruß Pierre
 

Locke

User
Moin,
ick noch mal 🤦‍♂️...
Nix gegen den Graupner-Cirrus!!!
Der Run darauf ist wohl noch nicht abgeebbt 🙄, hat an sich aber nur den Namen Cirrus und ist bestenfalls am Schempp-Hirth "angelehnt".
Da ist für mich der Begriff "semi-scale" noch weit weg.
Stand bei mir auch schon auf der " Haben woll-Liste" - aber was denn noch alles 🤦‍♂️.
Daher nix für ungut.
Gruß Pierre
 
Mein "semi-scale"-Anspruch ist wohl eher ein free-scale Anspruch, daher reicht es mir, wenn man die Cirrus-Form grob erkennt, also das Kreuzleitwerk und die markante Form des SLWs.
Eine passende Rumpflänge, Flächentiefe, HLW-Flächeninhalt, originale Streckung und originalgetreue Flügeltrapeze sind mir relativ egal, kommen ja eh Wölbklappen rein :D

Oh, und meine Haben-Wollen-Liste ist auch viel zu lang, das Problem kennt wohl jeder Modellbauer :p
 
Sooo, dieses Wochenende ging es weiter mit dem Seitenruder und dem Motorspant:

Zuerst hab ich den Ausschnitt für das Ruderhorn im SR mit viel Geduld, Schlüsselfeilen und einem Skalpell ausgearbeitet. Der Schlitz ist 2mm breit und geht recht tief ins Ruder hinein, um genügend Klebefläche im weichen Balsa zu haben. Insbesondere ist der Schlitz vor und hinter dem Messingrohr des Scharniers noch deutlich tiefer ausgefeilt. Das Ruderhorn hat ein einen entsprechenden Ausschnitt. In der großen Aussparung vorne oben kann man den Gabelkopf mit vertretbarem Gefriemel einhängen:

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Parallel zum Ausschnitt im SR entstand eine Schablone für das Ruderhorn aus 1,5mm Balsa, das sich viel leichter bearbeiten lässt als Gfk. Nachdem Horn und Ausschnitt perfekt zusammenpassen, habe ich die Kontur auf 2mm Gfk übertragen und ausgesägt. Die Aussparung unten wird über das Messingröhrchen gestülpt. So konnte auch die Bohrung für den Gabelkopf direkt über dem Drehpunkt gesetzt werden, für eine möglichst symmetrische Anlenkung. Das Ruderhorn passte fast ohne Nacharbeit perfekt in den Ausschnitt. Die kleinen Bohrungen sorgen für eine bessere Verklebung mit dem SR. Geklebt wurde mit 5min-Epoxy:

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In die Seitenflosse gesteckt, muss man sich nur noch ein Spaltabdeckband dazu denken, schon ist die Anlenkung unsichtbar:

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Danach habe ich 5- bzw. 3mm Balsastücke für die Randbögen angeklebt und so lange verschliffen, bis keine Kante mehr mit dem Gfk der SR-Flosse in Kontakt kommt:

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Als nächstes der Motorspant:

Ausgesägt aus 4mm Birkensperrholz, nach Gefühl etwas größer als der Motordurchmesser. Vor dem Aussägen aus der Platte habe ich die Bohrungen für die Schrauben und die Zentralbohrung gesetzt (wenn man mehrere Tangenten an einen Kreis zeichnet, und daran die Senkrechten durch den Berührpunkt, ist der Schnittpunkt der Senkrechten zufällig ausgerechnet der Kreismittelpunkt, was ein Glück :cool:). Rundum mit ca. 30°-40° angefast, damit sich ein besserer Sitz in der spitz zulaufenden Rumpfnase ergibt. Die Kühlluftöffungen mit einer Rundfeile aus dem harten Holz auszufeilen war dann etwas langwierig, aber das Ergebnis gefällt mir ganz gut:

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Dann hab ich den Spant nach vorn in den Rumpf gedrückt und mit großzügig Überstand angezeichnet. Dann die Metallsäge angesetzt und die Spitze abgetrennt:

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Um den Spant ordentlich ausrichten zu können, hab ich ihn mittig auf eine lange M10-Gewindestange gesetzt und festgezogen. Die mittige Bohrung sollte natürlich möglichst genau senkrecht sein. Auf das Baubrett habe ich eine lange gerade Linie gezeichnet und den Rumpf penibel mittig darauf ausgerichtet. Das Heck dabei soweit unterlegt, dass die Mittellinie der Rumpfröhre hinter dem Flächenansatz halbwegs horizontal verläuft, das habe ich mal als Rumpfbezugslinie angenommen. Den Spant vorn rein gehalten und vom Tisch bis zur Mitte ausgemessen, so konnte ich ausrechnen, wie viel die Gewindestange im Abstand von 30cm zum Spant unterlegt werden muss, damit sich ca. 3° Motorsturz einstellen. Dann noch mit ca 1° Seitenzug zur Linie auf dem Baubrett ausgerichtet (Werte für Sturz und Zug nach Erfahrungswerten hier aus dem Forum, ich kann den Motor bei Bedarf ja noch mit U-Scheiben nachjustieren). Den Rumpf musste ich vorn mit mäßigem Kraftaufwand von oval nach rund drücken, dann konnte ich dickflüssigen Seku rundum auf den Spant geben, vorne rein drücken, ausrichten, kurz festhalten und sitzt (Eine dritte Hand wäre da ganz hilfreich gewesen, @Sayder wo warst du :D). Das ganze hat mit ausrichten und ausmessen doch recht viel Zeit gebraucht:

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Danach hab ich zwei Kohlerovings so abgelängt, dass sie dem Umfang des Spants entsprechen. Der Roving hinter dem Spant musste überraschend viel länger sein als der vordere. Geharzt hab ich dann mit 5min-Epoxy, ich weiß das ist nicht optimal. Uhu Endfest wäre mit Sicherheit besser, hatte ich aber leider nicht da. Erst Harz in die Fuge zwischen Rumpf und Spant gegeben, den Roving gut eingeschmiert und einmassiert (Gummihandschuhe sind Pflicht!), und in die Fuge gelegt. Mit dem Rührstäbchen ordentlich rundum angedrückt und noch mehr Harz dabei geschmiert, dann wurde es auch schon zu fest für den zweiten Roving. Also neues Harz angerührt, und das ganze noch mal hinter dem Motorspant. Da der Rumpf vorn stark konisch ist, muss die Verklebung keinen großen Teil der Zugkraft aufnehmen, sondern hauptsächlich das Drehmoment des Propellers (was bei ca. 1,2kW auch nicht unerheblich sein dürfte). Das überschüssige Harz hab ich mit dem Finger auf dem Spant verschmiert und abgewischt, um möglichst keine Unebenheiten auf der Auflagefläche zu haben, und das Holz zu versiegeln:

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Und so sieht es aus wenn der Motor eingebaut ist. Mal schauen welchen Spinner ich nehme, billig (Lindinger Alu-Spinner) oder edel (Freudenthaler CFK Scale Spinner). Vielleicht bestelle ich beide und schaue, welcher besser zur Rumpfform passt. Glücklicherweise wird ein 50mm-Spinner mit einem kleinen Luftspalt ziemlich gut passen, der Rumpf hat vorne außen exakt 52mm Durchmesser :p. Motor ist ein Robbe Ro-Power 5062 305kv mit ca. 400g, Prop wird eine 20x10 CamCarbon:

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So, das war alles, was ich vergangenes Wochenende geschafft habe, eher mäßiger Fortschritt :rolleyes:. Aber die ganze Handarbeit kostet dann doch recht viel Zeit, und jeder Schritt einiges an Überlegung. Als nächstes würde ich mit dem Höhenruder anfangen (Styro-Gfk-Balsa), quasi als kleines Übungsstück für meine erste Fläche in Positivbauweise. Das wird aber wohl noch etwas länger dauern, und vorher kann ich mit dem Rumpfausbau auch nicht weitermachen.

Alternativ könnte ich mich auch erst um die Kabinenhaube kümmern, Befestigung vorn/hinten, Haube zuschneiden und auf Rahmen kleben etc.
Dafür vielleicht noch ein paar Fragen an die Community:
1. Wie stelle ich am besten sicher, dass der Zapfen vorn so exakt wie möglich an die Bohrung im Rumpf passt, und das gleiche für den Haubenverschluss hinten?
2. Welchen Kleber empfiehlt ihr für die Haube? Habe mal was von Uhu Por gelesen, das soll funktionieren. Sollte ich den ablüften lassen oder lieber nass in nass verkleben? Speziellen Canopy Glue will ich eigentlich nicht kaufen, wie ist das mit Weißleim? Der trocknet doch auch recht transparent ab.
3. Sollte ich die Haube erst nur ganz grob zuschneiden, auf den Rahmen kleben und später anpassen? Oder erst möglichst exakt ausschneiden und exakt aufkleben? Wie macht ihr das?

Bis zum nächsten Mal, Holm- und Rippenbruch!
Chris
 
Hallo Chris,

sieht doch schon ganz gut aus. Da du die Seitenruderanlenkung von mir kopiert hast, ein Tip: ich habe beide Seiten angelenkt, damit der Schlitten immer in einer definierten Position steht. Versuch einfach einmal das Ruder zu bewegen.
Gruß Christian
 
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