DDR Modelle vom VEB Moba und Hintergründe

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
Ich beschäftige mich seit einiger zeit mit den Modellen des VEB Moba und auch der Geschichte des Betriebes. Ich habe Schönbrunn mehrmals besucht und mit einigen ehemaligen Mitarbeitern gesprochen. Auch habe ich eine gute, aber leider noch nicht vollständige Sammlung der Moba Modelle. Ich möchte mit Euch hier alles austauschen, was es über den VEB Moba und dessen Modelle zu berichten gibt bzw. möchte auch weitere Informationen sammeln. Ich bin dabei eine website www.veb-moba.de zu erstellen, auf der dann alle Informationen über den Betrieb von der Gründung bis hin zum Ende dargestellt werden sollen. Die Seite ist online, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Ich würde mich hier über Bilder von DDR Modellen des VEB Moba freuen, über Bauberichte, Hintergrundwissen, Geschichten usw. Manche kennen vielleicht mehr die namen PGH Hawege oder VEB Anker. Eigentlich ist das alles ein und der selbe Betrieb, wurde halt nur umbenannt. Dazu aber später mehr. Natürlich könnt Ihr auch fragen stellen, soweit ich kann, werde ich sie beantworten. Aber Antworten suche ich hier auf diesem Wege auch. Ich hatte schon einiges in einem anderen Thread gepostet (Freiflug), habe mich aber nun entschlossen hier bei "Retro" das Thema passender zu platzieren. In den letzten Monaten habe ich eine Reihe von kleinen Modellen gebaut, Informationen und Bilder folgen. Auch Bilder vom alten "Werk", Mitarbeiter, Produktionsabläufe, Zahlen etc. werde ich versuchen so weit es mein Kenntnisstand zulässt, hier teilen. Lasst uns gemeinsam ein Stück DDR Modellbaugeschichte aufarbeiten, so das das nicht vergessen wird.
 

Antares

User
Hallo Ralf,

schöne Idee und gute Website.
ich hatte mal den Plan der Hawege "Kobra" gekauft. Davon gab es wohl keinen Baukasten.

Deckblatt-xs.jpg

Gruß,
Harald
 

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
Hi Harald, zwei mal gut, das Du das gepostet hast. Diese Baupläne sammel ich nicht, hatte überlegt es zu tun, aber irgendwann hat man dann zu viel. Aber ich bin dabei auch eine Liste der Baupläne mit Bildern zu machen. So kann man dann mal sehen, was es alles an Bauplänen gab. Und Bingo! Dieses Bild hatte ich noch nicht.
Ich bin mir nicht sicher, aber einiges was es an Bauplänen gab, wurde dann später auch mal ein Baukasten? Ich hatte damals in der AG einige Bausätze vom Raketenschnellboot. Bis heute habe ich diesen Bausatz nicht gefunden, aber einen Hawege Plan vom Boot. Nun würde ich gerne wissen, ist das das gleiche?
 
DDR-Modellkatalog_1968_kk.jpg


Wenn ich mal viiel Zeit über habe, wird der gescannt. (Wer sich den gerade in der kleinen Bucht zu 43.- angeboten noch eine Zeitlang verkneifen kann ...) Erschienen 1968, es wurde eine Fortschreibung versprochen, die mW aber nie geschah.

servus,
Patrick
 

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
Ich habe das schon teilweise gescannt, wird aber dann auch mal auf der website veb-moba.de zu sehen sein. Ich fange heute mal mit der Moba Geschichte an.
Nach Kriegsende haben kleine Familienbetriebe in Thüringen oft in Heimarbeit angefangen, Güter aus Holz zu produzieren. Holz war ja im Thüringer Wald ein "weit verbreiteter" Rohstoff. So produzierten die kleinen Betriebe Böttcherwaren, Schneidebretter, Dekorationsartikel, Holzlöffel, Quirle und vieles mehr, hauptsächlich Küchengeräte. Ende der 50er Jahre sollte der Verwaltungsaufwand, der Vertrieb der Waren konzentriert werden und so auch die Produktivität steigern. Es wurde die PGH HAWEGE gegründet und fasste dann viele einzelne kleine Familienbetriebe zu einem zusammen. Für den Hauptsitz der PGH HAWEGE musste nun noch ein Gebäude samt Grundstück gefunden werden.
Am nordöstlichen Ende von der kleinen Gemeinde Schönbrunn befand sich ein Sägewerk. Daneben stand das kleine Wohnhaus der betreibenden Familie. Das Sägewerk wurde irgendwann nach dem Krieg (Datum weiß ich leider nicht) still gelegt. Anfang der 50er Jahre hatte die neu gegründete landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft einen Platz für einen Kälber- oder Kuhstall gesucht. Sie nutzten dann das alte Sägewerk, welches abgerissen wurde und an dessen Stelle ein Kuhstall entstand. Diese wurde dann über Jahre genutzt und stand dann aber Ende der 50er Jahre wieder leer. Diesen Kuhstall kaufte die PGH HAWEGE und stockte das Gebäude auf, so das ein 2 stöckiges Haus entstand. Dazu baute man noch ein kleines Verwaltungsgebäude und eine Doppelgarage für die Fahrzeuge. 1959 begann dann dort die PGH HAWEGE mit ihrer Arbeit. Hier wurden dann Modellbausätze produziert. Wie nun die PGH HAWEGE neben den Küchenartikeln zum Modellbau kam, ist mir leider nicht bekannt. Es kann sein, dass eine in Schönbrunn ansässige Tischlerei der Ursprung war. Hier produzierte man feine Kiefernleisten für Modellbauer, soweit ich weiß war einer der Inhaber oder Söhne auch Modellbauer und konnte eben so seinen Modellbaufreunden helfen. Dies ist aber nicht mit Sicherheit bekannt. Auch kann ein Hans-Joachim Lehne eine Rolle gespielt haben. Er war derjenige, der zu den Modellbauern draußen auf den Flugplätzen Kontakt hatte und dann die "Bausätze" ins Haus "holte". Aber ob er schon 1959 mit dabei war, ist mir leider auch nicht bekannt. Hier muss ich noch mal weiter recherchieren. Die in die PGH HAWEGE zusammengeschlossenen kleinen Familienbetriebe arbeiteten unter neunen Namen weiter und produzierten auch weiterhin die Küchenartikel. Bis zum Schluss im Jahre 1991 hatte der dann genannte volkseigene Betrieb VEB Anker immer noch ca. 15 Außenstellen bzw. Zweigbetriebe. Im Hauptbetrieb entstanden nun so die ersten PGH HAWEGE Bausätze wie "Der neue Tilikum", "Der neue Benjamin", Fliege, Schwalbe und Specht.
 

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
Eigentlich wollte ich heute mit dem Mambo beginnen, ein Gummimotor Modell von Percy H. Yung. Und es war mein erstes selbst gekauftes Modell. Aber ich muss den L-60 Brigadyr mal vor nehmen. Ich habe den Rumpf im Gerüst soweit fertig und kann nun die Kunststoffteile anpassen. Die vordere Windschutzscheibe scheint gut zu passen. Oben jedenfalls ist der Rumpf 124 mm breit, die Scheibe passt oben saugend rein. Aber die hintere Scheibe erscheint mir viel zu schmal. Sie müsste auch 124 mm oben sein, ist aber nur 105. Also sie geht nicht über die beiden Ansatzrippen für den Flügel drüber.
Hat schon mal jemand einen L-60 gebaut? Das Problem müsste ja bei jedem auftreten.
 

matt

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Moin,

schön dass du dich um die Geschichte von MoBa kümmerst, ich lese hier gespannt mit. Diese Modelle begleiteten mich auch durch einen Teil meiner Jugend und es erstaunt mich immer wieder was es doch alles gab, so manchen Bausatz habe ich nie im Laden gesehen... und ich war wöchentlich in allen drei Geschäften der Stadt zur Bestandsaufnahme unterwegs! :D
Letztens erst war ich bei einem Clubkollegen, da hing ein Junior an der Wand, da umströmten mich gleich wieder wohlige Jugenderinnerungen.

Gruß Andreas
 

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
Andreas...Danke. macht viel Arbeit aber auch eine Menge Spaß.

Es muss so das Jahr 1975-76 gewesen sein. Ich war im Ferienlager in Arendsee eine Woche lang und einen tag durften wir in die Stadt. Natürlich musste das Taschengeld auf den Kopf gekloppt werden. Also ab zum Spielzeugladen Otto Goyer in Arendsee. Seinen Namen findet man auch in der Händlerliste des GHG Katalogs von 1968. Alle kauften sich Taucherbrillen, Bälle und so einen "Quark", ich ging die Trepppe hoch in die Modellbauabteilung und kaufte mir ein Gumimotormodell. EVP 4,65 Mark! Nach dem Ferienlager habe ich dann gleich angefangen das Ding zu bauen. Es war ja mein erster selbst gekaufter Modellbausatz. Vorher hatte ich Bamby, Pionier und L-60, diese Geschichte aber dann später mal. Ich weiß noch, das ich das Teil mit roter Nitrofarbe gepinselt hatte und das es nicht mehr flog, also von der einen Wohnzimmerecke zur anderen. An den Namen konnte ich mich dann danach 45 Jahre nicht erinnern. Aber dann habe ich einen Plan gefunden, in einer Kiste der Modela Melodie (Boot). Diese hatte ich damals angelegt und alles drinnen gut verstaut. Gott sei Dank! Da war dieser Plan und der Flieger kam mir so bekannt vor, das ist er!
MAMBO ist sein Name und wurde von Percy H. Yung aus Leipzig konstruiert (eigentlich vom Vater Harald!!!). Dieser Bausatz kam 1972 auf dem Markt, ob nun der Name vom gleichnamigen Tanz genannt wurde der zur Gründung des VEB MOBA 1972 (nach PGH Hawege) aus den Buchstaben des namens "MOBA" entstand, lässt sich nur, je nach Wunsch, beurteilen.
 

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
Auf jeden Fall musste ich das Ding nach 45 Jahren noch einmal bauen. Natürlich in Rot lackiert. Und jetzt kam es anders als vermutet: der Mambo ist ein hervorragend fliegendes Anfänger Modell. mit einem langen Gummi fliegt der Mambo bis zu 7 große Kreise. Flugzeiten von über einer Minute sind locker drin. Er ist heute von der Minigum Serie mein Lieblingsflieger. Wenn ich es schaffe, lade ich mal ein Video hoch. Hier die Bilder:
 

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joergh

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Hallo Ralf,
ich habe meine L60 vorgeholt und ein paar Maße genommen: Die Frontscheibe ist exakt 125 mm breit, wie Du schreibst. Die Heckscheibe ist ein Notbehelf des früheren Erbauers und der Grund für meine Nachfrage nach Tiefziehteilen.

Am oberen hinteren Scheibenrand ist die Anformung nur 120 mm breit (wobei ich nicht weiß, ob die Scheibe überhaupt richtig herum eingesetzt wurde), so dass es keine Auflage gegeben hätte. Die Scheibe wurde deshalb 10 mm breiter ausgeschnitten.

Ich deute das mal so, dass das Problem auch damals bestand, und sich "der erfahrene Modellbauer" irgendwie beholfen hat. Mal mehr, mal weniger elegant...
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Viele Grüße
Jörg
 

matt

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Ralf, wenn du nach den MoBa-Bausätzen mal viel Zeit hast :D , könntest du dir die Modela-Bausätze vornehmen. Ich denke eine Vega-Termik oder ein Astir wären tolle Projekte und sicher auch an den Mann zu bringen. Die Kunststoffrippen könnte man leicht durch Frästeile ersetzen, für die Rümpfe müsste man halt Formen bauen.

Gruß Andreas
 

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
So wie es hier aussieht, ist hinten von der ganzen tiefgezogenen Scheibe NUR die untere hintere Hälfte genutzt worden. Oben und seitlich ist das einfaches Plattenmaterial. Schon komisch, dass das auch nie geändert wurde. Die Tiefziehformen wurden mal erneuert, ich habe einen sehr alten PGH HAWEGE Bausatz hier zu liegen und da sind die Abdrücke im Material von der Form anders, als bei neueren VEB MOBA Bausätzen. Aber warum da dann nicht gleich die hintere Scheibe auf 124 mm verbreitert wurde, kann ich nicht sagen. Auch waren die ersten weißen Teile nicht aus ABS, sondern aus Styrol und viel dicker und schwerer.
Ich werde die teile abformen und die hintere Scheibe dann anpassen und verbreitern. Kunststoffteilesatz L-60 Brigadyr werde ich so ca. Ende Januar Mitte Febraur fertig haben.
 

Ralf Schneider

Vereinsmitglied
aber Modela macht schon jemand in Prag. Leider erstmal Boote oder zum Glück, denn die Melodie war ein mega geiles Boot damals.

 
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