Gerüchte Küche...

Ich habe da mal was gehört...
und wollte mal die Meinung von den erfahrenen Druckern aufnehmen. Seht es bitte unter dem Gesichtspunkten Singlewall und Perimeter zwischen 0,4 bis vielleicht 1mm.
Bei einem Hersteller kreist der Gedanke um sehr steifes TPU mit einem Zusatz von Glas, oder Carbon.
Ich habe meine Gedanken zu diesem Filament schon geäussert, aber für mich wäre es interessant, ob ich alle Punkte getroffen habe.
 
Die findest du im Mail-Fach vom Hersteller, Stephan. ;)
Ich möchte hier nichts beeinflussen...alles offen halten. Was wird gebraucht, was fehlt, wohin soll es gehen...
Deshalb ist die Frage auch an die erfahrenen Leute gerichtet...zu denen du zweifellos gehörst!
 
Kann grad nicht deutlich reden - zuviel Honig um den Mund. ;)
Also, was ich (weit ausholend) sagen kann:
Grundsätzlich denke ich, dass TPU als Materialbasis weit mehr kann, als der schmale Range, der als Druckfilament (idR nur als Flex) verfügbar ist, widerspiegelt. Ich kenne nichts, was eine vergleichbare Layerhaftung hat, und das bei gleichzeitig guter Temperaturtoleranz und erträglichem Gewicht, ganz zu schweigen von den abrasiven Qualitäten und der Schlagzähigkeit. Und leidlich gut kleben lässt es sich auch noch.
Das nützt nur leider alles nix für den Dünnwanddruck, wenn man es nur in Shorehärten bis max. 58D kriegt. Frage mich, warum - Granulat, z.B. Elastollan von BASF, ist ja bis 83D verfügbar (das gibt es übrigens ab Hersteller auch (glas-)faserverstärkt). Sowas wäre als Druckfilament natürlich eine tolle Sache für halbwegs unzerstörbare Modelle - wenn es denn druckbar ist (s.u.).

Das einzige mW aktuell verfügbare härtere TPU-Material ist Ninjatek Armadillo mit 75D (also immerhin schon im Härtebereich von PA6). Damit habe ich etwas herumexperimentiert - die ersten kleinen Versuchsteile waren sehr vielversprechend. Dann musste ich aber leider feststellen, dass es (zumindest bei mir) im Druck extrem unzuverlässig ist: Der Grundsatz "Je härter, desto unproblematischer im Extruder" greift leider nicht, da anscheinend mit zunehmender Härte zwar die elastische Verformbarkeit geringer wird, aber die plastische gleich bleibt (und zwar auch bei niedrigen Temperaturen).
Äußerte sich bei mir im Prusa so, dass meist nach den ersten ca. 5g verdrucktem Material sich im unteren Bereich des Coldends durch Kompression ein Pfropfen gebildet hatte, der jeglichen Weitertransport verhinderte (natürlich genauso das Herausziehen - um den Drucker wieder in Betrieb zu bekommen, musste ich jedes Mal den kompletten Extruder demontieren). Ein einziges Mal habe ich es geschafft, ein 25 g schweres Teil fertigzudrucken. Als ich aber danach mit denselben Einstellungen das nächste Teil drucken wollte, kam es wieder zur Pfropfenbildung. Eine Lösung dafür habe ich nicht gefunden.
Alternativ habe ich es im Delta mit fliegendem Extruder (ebenfalls Bondtech, ca. 12 cm Teflonschlauch, Hotend ebenfalls E3 V6) versucht. Hier bildete das Filament im Teflonschlauch eine formstabile Zickzackstruktur, ebenfalls bis kein Weitertransport mehr stattfand.

Nachdem ich mit zwei so unterschiedlichen Druckern das gleiche frustrierende Ergebnis hatte, habe ich mal nach Erfahrungsberichten für Armadillo gegoogelt. Viel habe ich nicht gefunden. Teils wurde problemloser Druck selbst mit Bowdenextruder berichtet, teils hatten die Nutzer das gleiche Problem wie ich (und ebenfalls keine Lösung). In Rezensionen wurde meist nur das extreme Stringing bemängelt; das waren aber alles offensichtlich Nutzer ohne generelle TPU-Erfahrung.
Ich muss dazu sagen, dass mir in puncto Konfektionierung (v.a. Wicklung!) und Verpackung (Dichtheit) ein so schlampiger Hersteller wie Ninjatek noch nicht untergekommen ist. Kann gut sein, dass da auch (Langzeit-)Lagereffekte eine Rolle spielen. Bei mir brachten zwei Bestellungen bei unterschiedlichen Händlern aber das gleiche Ergebnis, und auch mit Trocknen ("Backen") war keine Verbesserung zu erzielen. Ich würde es in Zukunft gern vermeiden, jemals wieder was von denen zu kaufen.

Was meinen Wunschzettel für zukünftige Materialien angeht:
Ein TPU mit einer Härte von 75D oder mehr, das auch zuverlässig druckbar ist, wäre durchaus eins meiner absoluten Wunschmaterialien - nicht nur für den Singlewall-Druck, aber vor allem da, denn gerade im (Flug-)Modellbau würde das dem 3D-Druck Perspektiven eröffnen, die vorher mit keinem Fertigungsverfahren existiert haben.
Was eine eventuelle Faserfüllung angeht, habe ich keine so rechte Vorstellung, inwieweit das zielführend wäre, solange ich die Eigenschaften des ungefüllten Materials nicht kenne. Gesetzt den Fall, man könnte z.B. ein TPU-Filament mit einer Härte von 75-80D und einem Gewicht um 1,2 g/ccm ungefüllt herstellen, das sich problemlos drucken lässt, würden mir dazu schon einige Verwendungen einfallen. Eine Faserfüllung als Option würde in dem Fall evtl. für meine Bedürfnisse einen Overkill darstellen, auch unter dem Aspekt, was das Zeug dann kosten würde.
Wenn ich auf der anderen Seite die problemlose Druckbarkeit von z.B. Extrudr TPU "hart" (58D) mit der Katastrophe bei Armadillo vergleiche, stellt sich bei mir natürlich zuallererst die Frage, was denn der Hersteller als "sehr steif" ansieht. Vielleicht geht ja eher darum, ein Basismaterial mit einer Steifheit im Bereich von 60D, die an sich noch gar nicht ausreichend für Singlewall-Teile wäre, durch die Faserfüllung auf dieses Level zu heben und damit gleichzeitig die Druckprobleme, die mir beim Armadillo untergekommen sind, zu vermeiden? Das wäre dann natürlich ein Ansatz, den ich gern unterstützen würde.
Generell kann ich also sagen: Klar, ich hätte gern einen Leistungskunststoff, der das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten von TPU in der industriellen Fertigung auch in den 3D-Druck bringt. Eine Faserfüllung würde ich dabei nicht per se als erstrebenswerten Vorteil ansehen, aber als Anwender interessiert mich natürlich eh weniger die Rezeptur als die Eigenschaften, die dabei rauskommen.

Tja, soweit meine Gedanken auf meinem aktuellen Kenntnislevel - hilft dir das weiter? Wenn nicht, musst du wohl doch spezifischer fragen - kann aber sein, dass ich dann auf dem Schlauch stehe...

Tschöö
Stephan
 
Das hilft, Stephan, denn genau dahin gehen meine Gedanken.
...und es soll in Richtung PA12 gehen. Die Faserfüllung(Verstärkung ist es ja nicht) dient nur dem Zweck, Verzüge zu vermeiden, oder zu verhindern und das ganze Filament etwas "steifer" zu machen.
Funktioniert bei PA6 sehr gut!
TPU hat nun mal ne Layerhaftung, da legts dir die Ohren an! Ausserdem reagiert es ziemlich locker auf Belastungspitzen...genau das, was wir ja brauchen. Temperatur ist kein Thema und gutes TPU lässt sich absolut easy drucken. 220-225 Grad reichen immer und da ist dann auch ein Hotend mit Inliner im grünen Bereich.
...und schön, das du ne Firma kennst, die gutes TPU herstellt. ;)))
 

dschim

User
Hallo Stephan,
Rätsel, Rätsel .....
das liest sich so wie wie wenn TPU eine deutlich höhere Schmelzwärme hat wie PLA oder auch bezüglich Erweichungstemperatur andere Eigenschaften hat .... habe bisher immer mit den Elastomeren gedruckt weil ich diese Eigenschaft brauchte (<80Sh(a)). Wenn wir dann Lockdown haben habe ich ja Zeit zum googln ..... aber die Geschichten mit PA ähnlichen Eigenschaften hört sich interessant an.
 
Das hilft, Stephan, denn genau dahin gehen meine Gedanken.
...und es soll in Richtung PA12 gehen. Die Faserfüllung(Verstärkung ist es ja nicht) dient nur dem Zweck, Verzüge zu vermeiden, oder zu verhindern und das ganze Filament etwas "steifer" zu machen.
Funktioniert bei PA6 sehr gut!
Hi Torti,
ist aber vielleicht bei TPU gar nicht nötig - kommt halt auf die Ausgangshärte an. Verzug konnte ich beim Armadillo nicht beobachten (wobei mein Erfahrungsschatz da natürlich etwas beschränkt ist), beim 58D dagegen Wellenbildung (ja, ich habe auch mit 58D versuchsweise Flächensegmente singlewall gedruckt). Wobei das 58D halt eh zu weich wäre, um die Form zu halten.

...und schön, das du ne Firma kennst, die gutes TPU herstellt. ;)))
Und schön, dass du durch die Blume meinen Verdacht bestätigst, um welchen Hersteller es geht. ;)

Hallo Stephan,
Rätsel, Rätsel .....
das liest sich so wie wie wenn TPU eine deutlich höhere Schmelzwärme hat wie PLA oder auch bezüglich Erweichungstemperatur andere Eigenschaften hat ....
Hi Wolfgang,
nee, es geht definitiv nicht um temperaturbedingte Effekte. Die Verformungen, die den Weitertransport verhindert haben, traten ja im fliegenden Extruder z.B. schon rund 12 cm vor dem Coldend auf. Das Armadillo verformt sich offensichtlich auch kalt, nur durch den Druck vom Extruder, nur eben dann nicht elastisch, sondern bleibend (d.h. die veränderte Form bleibt auch dann erhalten, wenn der Druck nicht mehr anliegt). Was ich nur nicht verstehe, ist, warum andere (z.B. hier) das Problem nicht haben - hätte einfach keine Idee, wo man da noch den Hebel ansetzen sollte... bzw., im Link wurde 3mm-Filament verwendet - falls das das entschärfende Kriterium sein sollte, kann ich halt leider einfach nicht mit einem kompatiblen Drucker dienen.

Tschöö
Stephan
 

Thoemse

User
Generell werden Filamente ja sehr hart und spröde, wenn Carbonfasern beigefügt werden. Das könnte bei TPU auch das Problem des Verstopfens lösen.

Ich sehe das Problem da, dass TPU immer nur gekauft wird, weil es schön weich ist. Gibt es einen Markt für hartes TPU?
Vielversprechend wäre es definitiv. Das Zeug ist unzerstörbar!
 
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