"CHARLY" von WiK - ein Nachbau

Ein Oldtimer aus der Verbrennerzeit

Knut Zink​

Wer erinnert sich nicht an den legendären CHARLY von Ing. W. Klinger aus den 1980er Jahren? Leider habe ich nie einen besessen.
Doch dann habe ich letztes Jahr in einer bekannten Versteigerungsplattform ein Angebot gefunden: GfK-Rumpf, -Motorhaube mit Hamsterbacken, -Radschuhe und eine blaue Kabinenhaube. Ein Originalplan war auch dabei. Irgendjemand hatte sich die Mühe gemacht, diese Teile wieder herzustellen.
Ich schlug zu! Zeitgemäß wollte ich den CHARLY mit einem E-Motor ausrüsten.



Baubeschreibung

Die Leitwerke

Das HLW soll gemäß Plan aus einem 6 mm Balsabrett gemacht werden. Ich habe dagegen 15 mm breite Leisten aus 6 mm Balsa geschnitten und diese Gitterkonstruktion dann mit 0,8 mm Sperrholz beplankt. Das bisschen Mehrgewicht wird durch die enorm gesteigerte Festigkeit wieder aufgewogen.

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Da die SLW-Dämpfungsfläche bereits am Rumpf angeformt ist, muss man nur noch das Seitenruder aus 6 mm Balsa herstellen. Die beiden HR-Flächen wurden gleich im selben Arbeitsgang hergestellt.

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Beide Ruder (SR und HR) werden abnehmbar mit GfK-Laschen und 2 mm GfK-Draht gestaltet.

Das HLW wird fest mit dem Rumpf verklebt, wie das bei Motormodellen so üblich ist. Dazu habe ich noch Verstärkungsleisten ober- und unterhalb des Rumpfschlitzes eingeklebt. Ebenso kommt eine Abschlussleiste für das SR in die Seitenleitwerksdämpfungsfläche.

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Das ist alles schon jahrzehntelang erprobt und nichts Neues.


Rumpf

In den Rumpf müssen nur ein paar Sperrholzteile eingebaut werden.
Ein Brett zum Anschrauben des Flügels mit zwei M6-Einschlagmuttern.

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Ein weiteres Brett zum Anschrauben des CfK-Fahrwerks mit drei M6-Einschlagmuttern. An das Brett kommen noch zwei Sperrholzdreiecke, senkrecht stehend. Diese sollen bei einer heftigeren Landung verhindern, dass das Fahrwerk den Rumpf beschädigt

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Außerdem ein Brett mit den beiden Leitwerksservos, hängend eingebaut. Ursprünglich wurden die Querruder zentral mit einem Servo über Hebel vom Rumpf aus angelenkt. Heute baut man die Querruderservos in den Flügel ein. Die Verbindung zum Empfänger geschieht über einen D-sub-Stecker in der Flügelmitte.

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Kabinenhaube

Zuerst musste ich einen Rahmen aus zwei Spanten, einem Sperrholzbrett + doppelter Boden und zwei Kiefernleisten herstellen. Der Rahmen wird wie üblich auf dem Rumpf gebaut. Ich habe in den Rumpf ein quadratisches Loch geschnitten, um den Akku von oben wechseln zu können.

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Auf den Rahmen wird dann die blaue Haube geklebt und zusätzlich mit Schrauben gesichert – sieht einfach besser aus. Ein Cockpit habe ich mir gespart.

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Die fertige Haube wird mit vier Drahtstiften in den Rumpfausschnitt gesteckt und hinten und vorne von Magneten gehalten.


Flügel

Im Plan ist eine etwas antiquierte Bauweise des Flügels dargestellt: Nase aus zwei dicken Balsabrettern, kein eigentlicher Holm, Endleiste wieder aus dicken Balsabrettern.

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Da es keine Frästeile gibt, habe ich die Rippen mit symmetrischem Profil im Blockverfahren selbst hergestellt.

Deshalb habe ich mir eine neue Musterrippe gezeichnet mit Holmleisten und Verkastung, mit Hilfsnasenleiste, Nasenbeplankung aus 2 mm Balsa und davor geklebter Nasenleiste, mit 10 mm Balsaendleiste und Endleistenbeplankung – wie man es halt gelernt hat.
Im Mittelteil gibt es fünf Rippen aus 3 mm Sperrholz; außen gibt es jeweils sieben Rippen aus 2 mm Balsa, zusammen also 19 Rippen (5+7+7=19).
Als Holm habe ich 5x3 mm Kiefernleisten vorgesehen, die dann mit 3 mm Balsa verkastet wurden.

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Die Querruder sind aus 10 mm Vollbalsa, 30 mm breit. Nachdem ich eine 3 mm Nut für ein Bowdenzugrohr als Scharnier eingefräst habe, wurden die Ruder rund zugeschliffen, so wie SR und HR auch.

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Die äußere Rippe steht schräg und bildet somit den Randbogen, der einfach abgeschrägt wird.

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Beide Flügelhälften werden dann mit 4° V-Form zusammengeklebt, eine entsprechende V-förmige Sperrholzverstärkungen ist selbstverständlich. Als Steckung vorne dient ein 10 mm Buchendübel. Hinten, wo der Flügel an den Rumpf geschraubt wird, kommen Balsakeile in die Endleistenbeplankung.

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Zuletzt habe ich den Knick in der Flügelmitte noch mit 25 g/m² GfK verstärkt.
Wurzelbeplankungen und Rippenaufleimer beenden den Flügelbau.

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Motorisierung

Die Zeit der Verbrennungsmotoren ist, jedenfalls für mich als Wildflieger, vorbei. Ich baue also einen BL-Motor ein. Es ist der G60-700, 1600 W (s. techn. Daten). Wenn man pro kg Abfluggewicht 100 W rechnet, dürfte mein CHARLY 16 kg schwer sein. Er wiegt aber nur 3,25 kg – ist also ausreichend motorisiert.

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Da ich eine sehr schöne Motorhaube mit „Hamsterbacken“ habe, muss der Motor im Abstand vom Motorspant montiert werden. Dazu schraube ich ihn mit dem Befestigungskreuz an vier M4-Gewindestangen, die wiederum in eine quadratische Alu-Platte geschraubt werden. Das Alublech wird dann mit dem 6 mm Sperrholz-Motorspant verschraubt. Durch die Gewindestangen kann man ganz einfach Zug und Sturz einstellen. Das sind jeweils 3° und das sind dann wiederum nur 0,5 mm in der Länge an den Gewindestangen.

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Dazu kommt ein 80 A-Regler, ein 4-Zeller mit 4000 mAh und ein 12x8“ Propeller.

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Finish

Der CHARLY wird wie üblich mit Folie bespannt: Oben gelb und unten dunkelgrün. Die Flügel erhalten noch angedeutete Kunstflugstreifen aus roten Klebestreifen. Den Rumpf habe ich mit Goldspray gespritzt. Das musste einfach sein.

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Erstflug und Flugeigenschaften

Als eingefleischter Wildflieger ging ich zu einem naheliegenden Vereinsfluggelände, um kurzes Gras auf der Piste zu haben.
Nun ja, was soll ich sagen? Ich startete den CHARLY mit Vollgas – und er zog stark nach links und wollte sich um die Längsachse drehen. Nach der Landung habe ich den Motorzug vergrößert und damit flog der CHARLY dann einwandfrei.
Als alter Segelflieger musste ich mich erst daran gewöhnen, dass hier immer mit Vollgas geflogen und gelandet werden sollte. Da ich das aber nicht mehr gewohnt war, landete ich auch mit Halbgas in einer angrenzenden Wiese mit höherem Gras. Die abrupte Bremsung bewirkte, dass das Fahrwerk nach hinten klappte und die Räder zwei Löcher in die Bespannung des Flügels drückten. Die Nylonschrauben waren abgerissen, das Fahrwerksbrett im Rumpf aber unbeschädigt. Diese Schäden ließen sich aber leicht beheben – und wenn der Regen mal aufhört, werde ich weitere Flüge mit diesem Oldtimer machen.


CHARLY von WiK (K. Zink) - Technische Daten
Einheit
Spannweite
mm
1500
Länge
mm
1130
Tragflächeninhalt
dm²
42
Leitwerksflächeninhalt
dm²
14
Gewicht
g
3250
Flächenbelastung
g/dm²
77,3
Schwerpunktposition (hinter Nasenleiste)
mm
98
Profil
symmetrisch
CHARLY (WiK) - weitere Angaben
MotorBL-Motor G60-700, 1600 W, Turnigy (ähnlich 5055)
Regler60 A Turnigy
Propeller12" x 8"
Akku4S-LiPo, 5000 mAh
ServosHX 5010
 
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Kommentare

Hallo, Grüß Dich,
ich hab noch einen Original-Baukasten, nur mal aufgemacht und auf Vollständigkeit geprüft.
Bin den seinerseits mit einem 6,5 er Webra „wild“ geflogen. Heutzutage schon fast ein Straftatbestand, zumindest in meiner Gegend. War ein unglaublich gutmütiger und trotzdem voll kunstflugtauglicher Tiefdecker. Langsamflug z.B. Landeanflug waren nie kritisch. Einziger Nachteil war der Ölfilm vom Motorauspuff, der immer die gesamte Modellunterseite zugekleistert hatte.
Der Bauplan sieht bereits die Modifizierungen für eine Elektrifizierung anstatt Verbrenner vor.
Ich bin ihn immer gern geflogen. War damals irgendwo zwischen Anfänger und Fortgeschrittener, konnte mich aber immer auf die Gutmütigkeit des Models verlassen.

Gruß
Rainer
Hallo Rainer,

hast du noch den Baukasten, evtl. zum Verkauf?

Grüße
Samuel
 
Hallo zusammen
Wir hatten letztes Jahr die selbe Idee, nachdem wir ein paar Charlies aus Ricardo und Ebay auf unserem Platz pulverisierten, einen aus GFK zu erstellen. Die wichtigsten Änderungen zum Original sind, ein profiliertes Höhenruder, ein tieferes und höheres profiliertes Seitenruder, Segelflugakroprofil auf den Flächen und 2/3-1/3 Querruder. Verbauter Motor ist ein 15ccm OS Motor. Der Charly läuft mit der Konfiguration, wie ein Jet :cool:.
Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

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Grüsse Christoph
 

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