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Red Bull X-Alps Raceday 3

Aschau_Maurer.JPG

Red Bull X-Alps 2017

Team-Tagebuch Raceday 3

Sascha Rentel, Claus Eckert

Selection of language at the end of text.

Da war sie wieder, die Frage:“Was haben die Red Bull X-Alps mit dem ferngesteuertem Modellflug zu tun?“ Zunächst mal gar nichts. Doch vor einigen Monaten kam Sascha Rentel von Hacker-Motors auf :rcn: zu und erkundigte sich, ob wir nicht das Team von Pál Takáts unterstützen könnten?
Da stellte sich uns genau die gleiche Frage:“Was hat das denn mit uns "Ferngesteuerten" zu tun? Sascha erklärte uns, dass er als Helfer mit einem RC-Gleitschirm die Startstellen testen möchte. Dort würde er zunächst mit einem RC-Gleitschirm rausfliegen, um gefahrlos die Aufwindkonditionen erkunden zu können. So etwas hat bisher noch niemand versucht.


Dazu muss man wissen, dass die Startstellen irgendwo in den Bergen liegen. Und hinter dem vermeintlichen Aufwind, der einem ins Gesicht bläst, kann sich schon mal ein tückischer Leewirbel verbergen. Den erkennt der Gleitschirmflieger aber nicht und daher kann es für ihn nach dem Abflug überraschend schnell abwärts gehen. Das will niemand. So ist die Idee entstanden, die Situation an den Startstellen vorab mit einem RC-Paragleitschirm anzutesten.

Am dritten Renntag konnte das dann erstmals ausprobiert werden. Das Ergebnis war durchaus positiv. Gibt es den Piloten doch einen guten Hinweis, was in der nicht ungefährlichen Startphase unsichtbar vor ihnen liegt.
Damit war für uns der Bezug zum RC-Paragleiten hergestellt. Abgesehen davon sind in den Teams HUN und GER 2 auch gestandene Modellflieger vertreten.

Das Video dazu:



Wie Sascha Rentel den Raceday 3 erlebte:

Das war so ein Flugtag, den ein Pilot für den Rest seines Lebens nie mehr vergessen wird, insbesondere auch deshalb, weil er sich ausgerechnet im Rahmen eines der wohl bekanntesten Gleitschirmwettkämpfe ereignet.

Übrigens wird sich heute auch für Euch, liebe :rcn:-User, der Kreis schließen und endlich die Frage beantwortet, was denn all diese Berichte mit dem ferngesteuerten Modellflug zu tun haben. Sicher sind wir als Modellbauer der Fliegerei stets, egal aus welchem Bereich auch immer, verbunden. Des einen Liebling sind die Segelboote, des anderen die Segelflugmodelle. Weshalb wir, der Vorstand von :rcn: und ich, auf die Idee gekommen sind, über die X-Alps zu berichten, wird sich also in diesem Bericht für Euch endlich erschließen.

Aber der Reihe nach, sofern mir das um diese Uhrzeit noch gelingt. Der Morgen verlief angenehm und sportlich, genau so, wie der gestrige Abend geendet hatte. Nach guten sportlichen Leistungen haben sich abends zufällig vier Teams an der gleichen Stelle getroffen.
Nachdem Pál und ich nach einem sehr langen, anspruchsvollen (weil sehr steil und sehr nass), aber auch sehr schönen Aufstieg leider keinen Platz für einen sicheren Start gefunden hatten, mussten wir auf der anderen Bergseite wieder absteigen. Normalerweise ist genau diese Situation für viele Alpinisten schon ein Hochgenuss. Im Wettkampfstress gibt es aber leider keine Gelegenheit, dem Zauber der Natur zu erliegen. Nach dem Abstieg war keine Zeit mehr für einen weiteren Aufstieg und so musste Pál bis 22:30 Uhr weiterlaufen.
Anderen Teams erging es ähnlich. Abends waren dann vier X-Alps Teams gemeinsam zusammen. Team ITA2, AUT3, GER2 und natürlich wir vom Team HUN.

Aber zurück zum Morgen. Super Prognosen prophezeiten uns einen idealen Flugtag. Nach zwei Tagen mit wenig Flugzeit lechzten die Piloten geradezu danach, endlich mal wieder in die Luft zu kommen. Wir sollten also so schnell und so früh wie möglich auf den Berg kommen und jede Sonnenminute zum Fliegen nutzen, um große Strecken zurücklegen zu können. Wir mussten in Richtung Triglav zum Wendepunkt 2.
Gemeinsam machten sich die Piloten der Teams auf den Weg nach oben. Sesi, Ferdinand und ich vom Team HUN, sowie Christian Schineis vom Team GER2 fuhren die halbe Strecke mit unserem Summermobil voraus. Das Wetter war wirklich bombig.
Was passiert aber, wenn man zu früh startet und die Thermik noch zu schwach oder noch gar nicht vorhanden ist?
Dann landet der Pilot im Tal und muss den vorher mühsam erreichten Bergstartplatz erneut erklimmen. Das kostet Stunden und ein Großteil des guten Flugtags verstreicht ungenutzt mit klettern. Oftmals spielen die Helfer der Piloten den Dummy. Kann er sich in der Luft halten, dann startet der Pilot auch und geht meist problemlos auf Strecke. Hat der Probeflieger aber kein Glück, dann bleibt der Pilot alleine am Berg zurück und das Starten wird für ihn schwieriger. Beide Situationen sind also suboptimal!
Bei den X-Alps wird nicht von eigens präparierten Startplätzen aus gestartet. Dort, wo es nur halbwegs gut aussieht „hauen sich die Piloten raus in die Luft“. Das kann schon mal zwischen Bäumen und in zum Teil sehr unwegsamen Gelände sein. Wie vorteilhaft wäre es, wenn man etwas zum Testen der Wind- und Thermikverhältnisse hätte? Etwas, das für den Piloten das Risiko verringert, bereits früh abzusaufen. Ein handliches Thermiktestgerät?
Es müsste nicht nur genauso fliegen wie ein Gleitschirm, sondern auch die gleiche Sinkrate und Empfindlichkeit bezüglich Thermik aufweisen wie ein echter Gleitschirm. Wie es der Zufall will, bin ich schon lange Gleitschirmpilot. Außerdem aber auch Entwickler von Modellgleitschirmen und obendrein bei den X-Alps als Team-Helfer unterwegs. Eine ideale Kombination also, um zu versuchen, die oben skizzierte Idee auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen.

Ein Modellgleitschirm ist bei dem härtesten Adventure-Rennen der Welt ein geniales Hilfsmittel, um die Wind- und Thermikbedingungen risikolos zu testen. Ich habe für diesen Zweck einen Modellgleitschirm mit einer ganz besonderen Technik entwickelt.
Single-Skin Schirme sind einfach zu fliegende Modelle. Sehr stabil, einfach zu starten und easy in der Handhabung. Allerding zeigen sie in der Thermik etwas andere Eigenschaften als Double-Skin Schirme. Diese sind schneller und verhalten sich eher wie echte Gleitschirme in Bezug auf Flugeigenschaften und Thermikverhalten. Besonders aber die Gleitleistung.
Um die Vorteile beider Konstruktionen zu verbinden, wurde lange getüftelt. Den Durchbruch erreichte ich letztlich mit einer besonderen Technik und einem bestimmten Anteil von Double-Skin Zellen z Single-Skin Zellen. Das ist eine Hybrid-Technik, die es im manntragenden Bereich so nicht gibt. Der Unterschied liegt im Verhältnis und in der Anordnung der Single-Skin Zellen, die nur einen kleinen Teil der Konstruktion ausmachen.
Das ergab einen RC-Gleitschirm, der im Flugverhalten einem echten Gleitschirmes weitgehend entspricht, dabei aber viel sicherer und stabiler gegen Klapper und Turbulenzen ist. Genau das Richtige für die X-Alps zum Testen der Bedingungen.
Ich werde auf diese Konstruktion später in einem separaten Bericht näher und ausführlich eingehen.
Insbesondere mit Erläuterungen zu der speziellen Hybrid-Technik mit großem Double-Skin Zellen-Anteil.
Zurück zum heutigen Tag. Die Piloten kamen zum Startplatz, doch keiner traute sich raus. Jeder fürchtete den Absaufer wegen zu frühem Start. Für diese Situation habe ich also meinen RC-Gleitschirm dabei. Ein, wie oben beschrieben, speziell für die X-Alps entwickelter Modellschirm, dessen Flugverhalten, was Sink- und Steigrate betrifft, einem echten Schirm entspricht. Kann sich mein X-Alps-Modellgleitschirm in der Luft halten, dann können auch die Großen raus und genügend Auftrieb finden. Die weltbesten Piloten profitieren bei den X-Alps von einem ferngesteuerten Modellgleitschirm. Das ist genial. Also auch im harten Wettbewerbseinsatz kommt der Modellschirm zum Einsatz.

Wir Supporter sind heute früh am Morgen schon vor den Piloten durch die Bergwälder geklettert, um einen günstigen Startplatz ausfindig zu machen. Haben wir dann einen gefunden, werden die Piloten dorthin geholt bzw. wird ihnen der Standort übermittelt. Da wir die halbe Strecke mit dem Auto fahren konnten und selbst auch genügend Kondition hatten, erzielten wir einen guten Vorsprung und hatten genügend Zeit, um diverse Startplätze zu suchen. Diese Startplätze testeten wir mit meinem RC-Paraglider.
Als wir nach einigen Testflügen den optimalen Startplatz gefunden hatten, wurden die Piloten dorthin bestellt. Ein Video zeigt, wie wir einen Startplatz testen. Danach ging es Schlag auf Schlag. Vier Piloten und teilweise auch die Helfer gingen raus in die Luft, um einen langen Streckentag zu beginnen. Bei uns sind sowohl Sebastian Mackrodt als auch Ferdinand Vogel mit Pál Takáts gestartet. Ich hatte natürlich nur meinen Modellgleitschirm dabei. Dieser würde aber wegen des geringen Packmaßes auch in meine echte Gleitschirmausrüstung passen. Aber die habe ich jetzt nicht dabei, weil einer ja auch den Bus, unser Summermobil, fahren muss .

Christian Schineis, das ist Manuel Nübels Helfer, und ich waren die einzigen, die zurück blieben. Alle anderen starteten in einen genialen Flugtag, der alle vier Teams in der Rangliste weite nach vorne katapultierte.
Unglaublich, aber ein RC-Modell spielte bei diesem genialen Flugtag der X-Alps eine Schlüsselrolle. Zumindest wussten die Piloten, dass es nicht an den Bedingungen liegen konnte, sollten sie sich nicht in der Luft halten können.

Wir, Christian Schineis und ich, machten uns wieder auf, zunächst zurück zum Bus und dann hinunter ins Tal, um unsere Piloten zu verfolgen. Alle erreichten den Wendepunkt 2. Sie flogen sehr lange in einem Pulk. Dabei spielte Ferdinand Vogel eine wichtige Rolle. Er lotste mit seiner exzellenten Fähigkeit an den Steuerleinen das Pilotenfeld an den Alpengipfeln vorbei und testete während des Fluges immer mal wieder bestimmte Bereiche, ob es dort trägt oder nicht. Die anderen Piloten sehen dies, können sich dran hängen oder das Gebiet vermeiden. Ferdinand Vogel war für heute der Held des Tages. Gleich fünf Piloten profitierten davon.

Es war wirklich ein genialer Tag und wir sind super weit gekommen. Pál konnte am Ende des Tages noch mal einiges herausfliegen. Er ist ein wahrer Könner. Am späten Nachmittag hat er es noch bis auf 3700 Meter Höhe gebracht. Er drehte in der Thermik mächtig auf. Ferdinand war dem vielen Testen irgendwann zum Opfer gefallen und hatte kein Glück mehr. Dies nach acht Stunden Flugzeit. Pál überzeugte einmal mehr mit tollen Flügen und, wie er mir später berichtete, mit dem längsten Streckenflug seines Lebens. Er hat sich heute bis auf Platz 8 vorfliegen können. Auf Facebook donnerten uns die Glückwünsche nur so um die Ohren. Mein X-Alps Spezial-RC-Gleitschirm ist bei den echten Piloten super angekommen und es wurde „geliked“, kommentiert und kam einfach nur spitzenmäßig an.


Claus Eckert berichtet vom Wegpunkt 3:

Am Turnpoint 3 in Aschau

Hier war die Hölle los. Unzählige Gleitschirmflieger waren in der Luft. Die Kampenwandbahn beförderte alle Gleitschirmflieger kostenlos nach oben.
Einer musste allerdings zu Fuß auf die Kampenwand. Chriegel Maurer (SUI 1) ist im Achental gnadenlos abgesoffen.

Nachdem er bereits in der Nähe von Wagrain/Tirol einen spannenden Kampf mit der Thermik hatte, konnte er sich wieder auf über 2200 m kurbeln. Aber der Übergang ins Achental hat es in sich. Das wissen auch die Segelflieger in Unterwössen. Chriegel wusste das offenbar (noch) nicht. Deshalb musste er in Schleching landen und über die Südseite zu Fuß auf die Kampenwand. Ich kenne den Weg und würde ihn teilweise eher als Jägersteig denn als Weg beschreiben.

Um so höher ist Chriegels Leistung zu bewerten. Er stand in weniger als einer Stunde wieder auf dem Startplatz der Kampenwand und flog direkt nach Aschau zum Wegpunkt 3. Dort feierte ihn ein großes Publikum, den aktuellen Erstplatzierten und viermaligen Gewinner der Red Bull X-Alps Chriegel Maurer vom Team SUI 1.

Nach einem Interview und Kleidungswechsel ging es weiter Richtung Hochries, der nächstgelegenen Startstelle. Chriegel wurde im Interview gefragt, ob er zum Starten zurück auf die Kampenwand gehen will?
Seine trockene Antwort: "Ein Maurer geht nicht zurück."

Dies ist sein Flug von der Kampenwand nach Aschau zum Wegpunkt 3:



Nur für Facebook-Nutzer:
Die Seite von Pál Takáts



Link zum Livetracking


Bilder vom am Startplatz in einen genialen Raceday 3:

Ferdinand und Christian checken noch mal das Wetter.
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Überprüfen der Ausrüstung.
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Ist unter dem Schirm auch alles okay?
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Manuel ist startbereit...
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...Schirm hochziehen, ein kurzer Anlauf...
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...und raus....
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..auf die Strecke.
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RC-Paraglider auf der Suche nach Thermikanschluss beim Start, das ist super!!!! Klasse Schirm der mit seiner Hybridbauweise Vergleichswerte für die Athleten liefert. RC und Manntragenden ergänzen sich --- super !!!!---- Wir wünschen Euch auf dem weiteren Weg viel Erfolg und kommt gut und gesund in Monaco an. Wir verfolgen in Italien über Livetracking ( soweit es geht) euer Vorankommen. Macht weiter so ..... und Danke an Sascha für diese hervorragende Berichterstattung.

lieben Gruß
Diana und Schorsch
 
.... natürlich auch ein riesen Dankeschön an Claus Eckert der die RC-Paragemeinde von der Strecke und Turnpoints aktuell durch persönliche Eindrücke auf dem laufenden hält. Das hat es bisher zu den x-alps so noch nicht gegeben.

Danke für die Reportagen die Du mit Sascha hier weitergibst.
 
Zeigt auf eine coole Art und Weise dass wir von der RC-Fraktion von den Kollegen der Manntragenden-Zunft lernen können aber eben auch mal andersrum...die „Grossen“ lernen von den Kleinen. Das ist das coole „alle miteinander“, so wie ich es eben schätze!
Ich Danke allen Beteiligten für die ausführlichen Berichte, die spannenden Hintergrundinformationen und die tollen Bilder! Claus und Sascha, da haut ihr ganz schön einen raus! Danke dafür und ich freu mich auf das nächste Event wo wir uns wieder sehen werden! Natürlich freu ich mich auch auf die weiteren Hammer-Berichte dieses sensationell spannenden Events......
Grüsse aus der Schweiz
 
Besser kann man nicht berichten, ich freue mich schon auf die nächsten Bilder und Videos....Claus du machst das schon, oder? ;-)
 

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