Zwischendurchprojekt robbe Dolphin

Joerg_B

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Hallo!

Ich möchte euch kurz mein kleines Zwischendurchprojekt vorstellen. Es handelt sich um eine robbe Dolphin eines Freundes. Das Boot war in einem ziemlich schlechten Zustand (habe leider versäumt Fotos davon zu machen) und war alles andere als segelklar. Innerhalb kurzer Zeit wurde alles zerlegt und ich begann mit dem Neuaufbau.

Da das Modell in seiner Erstausführung nicht lackiert wurde, musste ich hier nur die Klebebilder, die den Anti-Rutsch-Belag des Decks darstellten, abziehen. Dann konnte ich mit dem Spachteln und Schliefen der Mittelnaht des geblasenen Rumpfes beginnen. Der Kunststoff ist ziemlich weich, was am Kiel zu tiefen Kratzern führte, die ebenfalls gespachtelt und geschliffen werden mussten.

Die RC-Anlage war in einer Kunststoffwanne untergebracht, jedoch nicht ordentlich verschraubt, so dass alles wackelig war. Die Wanne selbst war ebenfalls schlecht verklebt, so dass sie mit wenig Kraftaufwand herausgelöst werden konnte. Der Ruderkoker war nicht dicht, so dass innen einiges vergammelt war. Der Kiel ist mit Bleikugeln gefüllt und wurde mit einem Deckel verschlossen. Dieser war aber ebenfalls nicht dicht verklebt, so dass das eingedrungene Wasser in den Kiel gelaufen ist. Das habe ich gemerkt, nachdem ich das Modell irgendwann mal kopfüber auf dem Tisch liegen hatte und mir das Wasser entgegen kam.

Also Koker neu, Abstützung des Kokers neu, Befestigung der RC-Anlage mit Leisten und Sperrholz neu eingebaut. Akkubox (tiefgezogenes Teil aus der Grabbelkiste) auf den Kieldeckel geklebt. Das Segelservo bekam einen Arm einer Micro-Magic mit Umlenkrolle, um einen längeren Schotweg zu erhalten.
Der Bootsständer kam in den Müll und es wurde ein Klappständer aus Kiefernleisten erstellt. Der ist nicht so wuchtig und die Proportionen zum Boot sehen besser aus.

Nachdem die Mittelnaht verschliffen war ging´s ans Lackieren. Ausnahmsweise mal mit der Sprühdose. Das geht mir aber nicht so gut von der Hand, so dass das Ergebnis so lala ist. Die Plicht bekam noch einen Boden und Sitzflächen aus Sperrholz in Plankenoptik (mit schwarzem Kugelschreiber aufgemalt), sowie den alten Traveller meiner Saphir. Außerdem wurde die Plichtöffnung im Rumpf rundum mit einer Auflage versehen, auf die ein einfacher Fensterdichtungsgummi aufgklebt wurde. Vor dem Mast wurde eine Luke aufgesetzt, die Fenster wurden aus ABS erhaben gestaltet und die Dachluke mit Mahagoniefurnier beplankt. Die Holzteile wurden mit Parkettlack geschützt. Nachdem Lackieren erhielt das Deck einen "Anti-Rutsch-Belag" aus DC-Fix-Folie in der passenden Farbe.

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Heute fand eine kurze Probefahrt statt. Da das Großsegel über lange Zeit zuviel Spannung auf dem Vorliek hatte, war hier eine heftige Zugfalte entstanden, die sich auch nicht mehr wegtrimmen lässt. Da das Segel aber ziemlich stramm in der Keep des Mastes sitzt ist es eigentlich nicht notwendig das Vorliek durchzusetzen. Es ist dann zwar etwas verknittert, bekommt aber ein einigermaßen brauchbares Profil. Die Fock ist ganz gut, aber zum Verlauf der Fasern falsch geschnitten. Der Mast ist viel zu dick um eine Biegung für eine korrekte Vorliekskurve hinzubekommen. Dennoch sah das ganze für derart desolate Segel gar nicht so schlecht aus.

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Das Segelverhalten ist, wie für ein Boot mit angeformten Kiel zu erwarten, nicht berauschend. Schon bei Böen die über 2 Windstärken hinausgehen legt sich das Boot ordentlich auf die Backen, so dass kräftig gefiert werden muss. Dabei schleifen die Bäume dann gerne mal durchs Wasser. Da fehlt einfach etwas Gewicht im Kiel bzw. der Schwerpunkt des Kiels müsste tiefer liegen. Trotzdem ging das Boot bei scheinbar zuviel Wind sicher durch die Wende. Die Reaktionen auf das Ruder sind gut und das Boot läuft sehr schön geradeaus, hat also wenig Tendenzen auszubrechen, weder nach Luv noch nach Lee. Auch vor dem Wind läuft es angenehm kursstabil und neigt kaum dazu den Bug wegzustecken. Sicher keine Rennziege, aber dafür ein gutmütig segelndes Boot für max. Windstärke 2.

Nach dem Segeln war festzustellen, dass alles dicht ist. Trotz der starken Schräglage blieb die Plicht innen trocken und der Dichtungsgummi hat zuverlässig das Wasser draußen gehalten.

Fazit:
Ein nettes Boot, das mit ein wenig Aufwand durchaus eine kleine Schönheit werden kann und dem Anfänger einen guten Möglichkeit zum Einstieg in das Modellsegeln bietet.

Gruß
Jörg
 
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