3 Zustände meiner ASW19 oder „Reparieren ist eine Option“

Maho29

User
Mit diesem kurzen Beitrag möchte ich diejenigen unter Euch motivieren, die überlegen, ob sie ein Modell nach einem Absturz in die Tonne stecken oder reparieren sollen.

So hat meine ASW19 von Paritech (1:4) ursprünglich mal ausgesehen:

ASW19_A.jpg

Sie ist klasse geflogen und ich war mit dem einfachen Meyer Klapptriebwerk auch unabhängig von Schlepp-Piloten.
Das ging so lange gut, bis der Motor des KTW letzten Oktober bei einem Durchstartversuch in ca. 10m Höhe einen Lagerschaden hatte. Durch den erhöhten Luftwiderstand + leichte Höhentrimmung (um automatisch das Nickmoment des KTW auszugleichen) + wenig Fahrt, riss die Strömung ab und die ASW knallte aus 10m senkrecht auf den einzigen Kiesweg weit und breit – Shit.

Das Resultat sah dann so aus:

ASW19_B.jpg

ASW19_C.jpg

ASW19_D.jpg

ASW19_E.jpg

Spontan wollte ich den Rumpf gleich auf den Wertstoffhof werfen, aber dann lag er doch erst einmal bei mir im Keller. 2 Monate später war der erste Frust überwunden und ich habe mir die Teile in den Weihnachtsferien noch einmal angesehen.

Schadensbild:

- Rumpf bis zur Höhe der Steckung gebrochen (Fotos) und am Seitenleitwerk zwei Risse li/re, Klapptriebwerk gebrochen, Klappen ausgerissen, Haube ca. 20 Teile, Haubenrahmen 6 Teile
- Fläche li. Störklappe gelockert und Nasenleiste am Randbogen ca. 15cm gebrochen
- Fläche re. auch Nasenleiste am Randbogen durch den Aufschlag geplatzt, Ecke an der Wurzelrippe ab
- 12mm Flächenverbinder aus gehärtetem Stahl sieht aus wie eine Banane
- Seitenleitwerk und Höhenleitwerk OK bis auf ein paar kleine Löcher 😊 – immerhin
- 6S Lipo defekt, entsorgt, restliche Elektrik OK

Nachdem kein gebrauchter Rumpf aufzutreiben war und ein neuer bei Paritech knapp 400€ kostet (und keinen KTW Ausschnitt gehabt hätte), habe ich mich dann von einem netten RCN Mitglied überreden lassen eine Reparatur anzugehen.
Da ich so etwas noch nie gemacht hatte, habe ich mir erst einmal die sehr gute Dokumentation von Swiss Composite zur „Plätzli“ Technik durchgelesen, frisches Harz + Matte gekauft und dann mit dem Dremel geschliffen was das Zeug hielt.

Nach mehreren Abenden in der Werkstatt sah der Rumpf dann so aus:

ASW19_F.jpg

Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich einige Streifen CFK Gewebe einlaminiert und das Einziehfahrwerk stillgelegt, weil ich eh lieber am Hang fliege und das KTW meine „Absaufhilfe“ ist:

ASW19_G.jpg

ASW19_H.jpg

ASW19_I.jpg

ASW19_K.jpg

ASW19_L.jpg

ASW19_M.jpg

Dann folgten noch mehrere Abende mit Feinspachteln und schleifen (ca. 4 mal). Hier ein Bild vom ersten groben Arbeitsschritt:

ASW19_N.jpg

Ende April habe ich dann alle Teile zu einem befreundeten Autolackierer gebracht, weil ich selbst keine Lackierkabine habe und das Resultat mit Sprühdosen bei so großen Flächen bei mir wahrscheinlich nicht gut geworden wäre. Bei der Gelegenheit wurden die Flächenunterseiten der ASW19 schwarz. Erstens ist damit die Sichtbarkeit in großen Höhen besser und zweitens sieht es einfach cool aus. Der alte Haubenrahmen wurde auch geflickt und bei Paritech eine neue Haube geordert. Die Beschriftung kommt von Michael (Plott&Fly), das hat auch schon bei anderen Projekten perfekt funktioniert.

Hier nun die „auferstandene“ ASW19 mit mehr oder weniger gleichem Abfluggewicht wie zuvor (Wegfall Einziehfahrwerk, dafür Harz/Matte und komplett neue Lackierung):

ASW19_25.JPG

ASW19_29.JPG

ASW19_30.JPG

ASW19_28.JPG

ASW19_32.JPG

Unbenannt.JPG

Der "Erstflug" nach Auferstehung ist für das kommende Wochenende geplant.

Mein Fazit: Reparaturen sind machbar und ich habe wieder eine Menge gelernt.


Kopf hoch!
Marcus

PS: Nochmals vielen Dank an Georg (User: gecu) für seine freundliche Unterstützung und Motivation
 
Tolle Leistung Marcus. Sie sieht klasse aus. Viel Erfolg beim zweiten Erstflug.

Schöne Grüße Martin

P.S.: Ein schönes Beispiel, was dann doch alles machbar ist..
 
Respekt, eine sehr gelungene Reparatur.
Sieht super aus mit der Lackierung.
Da wünsche ich viele schöne Flugstunden.
 
Kurzes Update

Kurzes Update

Hab sie gerade auf einer frisch gemähten Wiese getestet.
Abfluggewicht sogar 200g weniger wie früher (5.600g).
Start mittels Flitsche (2x Bungee mit 7,5m + 15m Seil)

https://youtu.be/fW2ejqWoSqo

Der 3-Blatt Druckantrieb war schon immer laut (wegen der offenen Triebwerksklappen) und daran hat sich auch nichts geändert. Die Steigrate ist absolut ausreichend.
Der Rest war unspektakulär, steigt mit 3000mAh 3 mal auf ca. 300m - fliegt wie vorher, Durchzug Klasse, Landung flott.
 
Hi!
Das Resultat kann sich sehen lassen, nur ist die „Blätzli Methode“ eigentlich keine zu empfehlende Reparaturtechnik.
Ziel einer Reparatur wäre es ja, die ehemalige Faserstruktur möglichst exakt wider herzustellen. Mit der Blätzli Technik liegen die Fasern eigentlich immer komplett falsch.
Oft hält diese „Reparaturtechnik“, meistens aber nur weil viel mehr Material reingeknallt wird als ursprünglich da war... Meistens mit dem Vermerk „hält besser als zuvor“ :rolleyes:
Beim nächsten mal einfach mal überlegen wie die Fasern liegen müssen um die auftretenden Kräfte aufzunehmen und das Gewebe entsprechend einlegen, um die Vertiefung gleichmässig auszufüllen die grösse der Gewebestücke abstufen.
 
Mit der Blätzli Technik liegen die Fasern eigentlich immer komplett falsch

Das ist zum Glück nicht ganz so, denn ein Teil der Fasern liegt dabei richtig wenn man es nicht absichtlich falsch macht.
Allerdings ist eine reine Plätzli-Reparatur tatsächlich weniger fest als die ursprüngliche Belegung weil ein großer Teil der Fasern falsch ausgerichtet ist.
Leider enthält die Kritik von shoggun keine wirklich konkrete Verfahrensempfehlung wie man das besser macht.
Ich selbst repariere von außen mit möglichst großen Plätzli, bei denen die Faserrichtung der ersten Lagen möglichst der Ursprungsfaserrichtung entspricht und lege dann von innen große Zusatzlagen in korrekter Faserorientierung in die aufgerauhte und entfettete Innenseite des Rumpfes ein.
Dabei besser viele dünne Gewebelagen in Kevlar oder Glas verwenden statt wenige dicke.
Kohlefaser im Glasrumpf ist wegen der sehr unterschiedlichen Fasereigenschaften auch nicht zu empfehlen.
Meist müssen dazu einige Rumpfeinbauten raus und nach der Innenverstärkung wieder neu rein.

Gruß,

Uwe.
 
Egal wie, es ist trotzdem irre, wie aus einem vermeindlichen Schrotthaufen wieder ein extrem schickes Modell entsteht. Und ich würde wetten, es wird beim Fliegen nicht zerstört werden. Außer halt beim senkrechten... nein nein, ich schreib es nicht.

Gruß Mirko
 
Heftig geil! Meinen tiefen Respekt für diese gelungene Reparatur (vor allem als Erstlingswerk)! ;)
 
Also mit plätzli ist immer so eine Sache. In der Manntragenden hab ich es auch etwas anders gelernt. Allerdings sind die Modelle auch alle „überfest“ gebaut womit nicht schlimm ist wenn’s 10% verliert. Mir ist eine reparierte stelle noch nie wieder auf gegangen.... also alles gut!!!

Respekt für dieses Erstlingswerk! Würde dir meine Brüche sofort anvertrauen!

Wie habt ihr das beim lackieren mit den Scharnieren der Ruder gemacht? Einfach über lackiert und dann mit einer Trennscheibe wieder frei gemacht oder sind die Ruder neu anscharniertt worden?

Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Widererstflug!
Hier mal ein Video wie es die großen machen - wirklich sehenswert. Kann man sich eine Menge von abschauen um noch besser zu werden. Die Jungs haben allerdings die belegepläne von allem was die Sache mit der Faserrichtung deutlich vereinfacht.
https://vimeo.com/60497114

Hast aber alles richtig gemacht :-)

Grüße

Tim
 
Wow - Klasse Video - Vielen Dank Tim !

Bei mir war der Aufwand dann doch "geringfügig" weniger :)

Zu Deiner Frage:

Die Seitenruderscharniere wurden abgeklebt und über alle anderen Scharniere (Elastic...) wurde einfach drüberlackiert.
Die Störklappen hatte ich ausgebaut und auch getrennt zusammen mit den Abdeckungen lackiert.
Nach dem Lackieren einfach die Ruderflächen ein paar mal auf die Anschläge bewegen und das reicht für normale Gängigkeit.

PS: Das schließen des Rumpfs mittels Schnüren fand ich einen interessanten Ansatz, das könnte man sogar auf Modellrümpfe übertragen.
 
ASW19 - wie neu

ASW19 - wie neu

Hi Marcus,
Gratulation !
Bei so flächigen Reparaturen bin ich da völlig schmerzfrei und nicht päpstlicher als der Papst. Sekunde zum fixieren dicke CFK/GFK Matte rein, von außen Spachteln und Schleifen fertsch.
Meine ASH26 ist übrigens aus gleichem Grund ebenso aus 10-15m auf harte Wiese eingeschlagen > Beim Durchstarten hat´s die FES (17x9) Schraube zerfetzt und durch den Schlag das HöhenruderServo rausgenagelt...identisches Schadensbild!

Kam gerade vom 1 Wo Männerausflug "Italien" zurück! Rate mal welcher Flieger nun so richtig Spaß macht... und darum geht´s.

Meine alte "19" fliegt nun schon seit 200x - oft und gerne, auch mit vielen kleinen Wunden wunderbar :)
http://old.torcman.de/faszination/praxis/kunden/e-segler/asw19.htm

Damals war das FES bei Scale noch quasi "verboten".

Bis bald am Hang

Andreas
 
Danke für die Info!
Lackieren lerne ich gerade erst.... ich verstehe nun noch besser warum das ein 3 jähriger Ausbildungsberuf ist....


Zum Video:

achte vor allem mal auf die Verarbeitung des CFK Gewebes. Als erstes werden auf Folien die Umrisse markiert. Darauf wird das Gewebe getränkt und anschließend passend geschnitten. Das macht eine Reparatur wirklich einfach und so bleibt alles verschiebefest bis zum anbringen. Kann ich Dir nur empfehlen demnächst auch so zu arbeiten.
Das nächste ist die Abstufung. Wir Schäften meist von klein nach groß. Das ist allerdings tatsächlich total falsch :D
Als erstes sollte die größte Lage aufgetragen werden. nun die kleinere und so weiter....

hier nochmal genau nachzuschauen https://www.dg-flugzeugbau.de/wp-content/uploads/flickfibel-d_Optimized.pdf
Ab Seite 400 (38 im PDF) ist das sehr gut zu sehen. (Den Inhalt des links sollte man sich am besten mal abspeichern. Jedes mal wenn ich das lese lern ich nochmal etwas mehr)

Das verschließen des Rumpfs mit Bändern ist wirklich spannend. ich mache das inzwischen so bei den Flächen. Die Oberseite wird durch eine Form neu auflaminiert. Die Unterseite mit dieser Methode verschlossen und anschließend über laminiert. das Gewicht ist nur marginal höher, da man als Formgebung tatsächlich auch einfach leichtestes Balsa oder hauchdünne GFK Platten verwenden kann.

Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du dieses Wissen alles niemals mehr brauchst und somit "always happy landings"

Beste Grüße

Tim

PS: eins fällt mir noch ein: sollte man nicht wissen welche Lagen verbaut wurden so kommt man zumindest mit etwas nachdenken immer auf die grobe Faserrichtung und bei R&G sind die Datenblätter wie dick eine einzelne Lage eines Gewebes letzten endes wird. Damit weiß man wieviele Lagen man selbst nun verwendet, indem man einfach die Stärke des Materials im Vorfeld misst.... ich hoffe es ist verständlich was ich meine
 
Meine alte "19" fliegt nun schon seit 200x - oft und gerne, auch mit vielen kleinen Wunden wunderbar :)

Hi Andreas,

nachdem Du mir ja Deinen 19er Rumpf nicht geben wolltest, blieb mir fast nichts anderes übrig :p
Freu mich schon auf die Italien-Geschichten.

Ciao
Marcus

PS: Laut Windfinder wird's die nächsten Tage erst mal nix am Hang ..
 
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