Rechtsstaat oder Versagerjustiz ?

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ppb schrieb:
Für mich der Satz des Tages! Bitte in Stein meißeln.
Dan meissle bitte auch wo "Gesellschaft" aufhört und wo "Täter" anfängt.

Wann hast du Dich das letzte mal über die 'Abzockerei' eines Starenkastens aufgeregt?

Die meisten von uns sind auch Täter. Gesellschaft sind wir sowieso alle, inklusive der Täter.
 

gexx

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Wir können auch umformulieren:

Der Schutz der Gesellschaft muss vor dem Freiheitsrecht eines Schwerverbrechers stehen.

Jeder der den Thread gelesen hat, weiß was damit gemeint ist...

Grüße
Robert
 
Das Problem der Abgrenzung bleibt. Balance. Steffen hat das schon sehr richtig ausgedrückt.

(Bei uns geht z.b. zur Zeit die Diskussion hoch wegen testosterongetriebener Täter mit der Tatwaffe Auto. Wenn die Benzinkutsche das Ziel ist, werden manche Vertreter von Zucht und Ordnung auf einmal sehr Paulus zu Saulus.)
 

gexx

User
MarkusN schrieb:
Das Problem der Abgrenzung bleibt. Balance. Steffen hat das schon sehr richtig ausgedrückt.
Welche Balance? Bezogen auf die Rechte des Einzelnen?

Wenn betrachtet auf 20 Jahre ca. 200 Opfer durch Wiederholungstäter zu beklagen sind, aber dafür 1000 "Schwerverbrecher" erfolgreich resozialisiert wurden, kann das eine ausgleichende Balance darstellen.

Aber nach meiner Meinung, wiegen die Opfer soviel, dass selbst nur eines kein Gleichgewicht herstellen kann. Denn wie schon oft geschrieben, der Schwerverbrecher hat eine Tat begangen und war für diese allein verantwortlich.

Grüße
Robert
 

udogigahertz

User gesperrt
gexx schrieb:
Denn wie schon oft geschrieben, der Schwerverbrecher hat eine Tat begangen und war für diese allein verantwortlich.
Grüße
Robert
Aber nicht doch! Wer hat denn Schuld an den Taten der RAF? Doch nicht die Täter selber. War es nicht vielmehr "die Gesellschaft"? Das "System", welches überwunden werden musste? Ist ja hier schon angesprochen worden: Der Fall Benno Ohnesorg, der brutal von der Staatsgewalt umgebracht wurde, bloß, weil er sein Grundrecht auf Demonstration wahrnehmen wollte. Ein solches brutales und grausames Sytem wie das Unsrige rechtfertigt natürlich alle Mittel, einschließlich das Morden seiner Repräsentanten, um es zu überwinden.
Es sind niemals nur die Täter schuld, sondern immer nur "die Gesellschat", also wir alle.

Da also wir dafür verantwortlich sind, müssen wir uns auch folglich sehr um die Resozialisierung von Schwerverbrechern kümmern, das ist doch klar.

Grüße
Udo
 

Uli_ESA

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gexx schrieb:
Denn wie schon oft geschrieben, der Schwerverbrecher hat eine Tat begangen und war für diese allein verantwortlich.
Hallo,
nein, die werden sich auch irgendwann auf den Gruppenzwang berufen, wie schon mal in der deutschen Geschichte.
auch wenn es dieses mal nur eine kleine Gruppe war, aber auf keinen fall besser.
Und genau das wollten die ja bekämpfen, nur der schuss ist durch die selbst nach hinten losgegangen.
Gruß
Uli

Ps.: Schade das wir kein Sibiien haben wohin man die ausquatieren könnten.
 
Uli_ESA schrieb:
Ps.: Schade das wir kein Sibiien haben wohin man die ausquatieren könnten.
Yeah, right. Ruft nach Väterchen Stalin.

Sagt mal, habt Ihr sie eigentlich noch alle? Polemisieren mach ja schon Spass. Man kann sich aber auch hochschaukeln. Und eh man sich's versieht steht irgendwo ein Mob mit Fackeln und einem Kanister Benzin.

Und nur mal so als Hinweis: Polemisieren in gleichgesinnter Gruppe hat vermutlich die RAF dahin gebracht wo sie am Schluss waren.
 

gexx

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udogigahertz schrieb:
Aber nicht doch! Wer hat denn Schuld an den Taten der RAF? Doch nicht die Täter selber. War es nicht vielmehr "die Gesellschaft"?
Mir ging es ja auch nicht nur um RAF- Terroristen. Die haben gegen die Gesellschaft rebelliert. Die Gründe der Tat sind da von der Gesellschaft gegeben. Aber die Tat hat er vollzogen und dafür ist er selber verantwortlich.

Und der Kinderschänder und Vergewaltiger? Klar daran sind wir alle Schuld. Was läuft den die Frau auch im Minirock durch die Gegend. Selbst schuld, dass sie vergewaltigt wird. Das kann ja wohl nicht sein!!!!
Der ist selbst verantwortlich und muss mit voller Härte bestraft werden!

Grüße
Robert
 

Uli_ESA

User
MarkusN schrieb:
Yeah, right. Ruft nach Väterchen Stalin.
wieso das geht da heute auch noch, und Stalin gibt es schon lange nicht mehr:D
Ich wollte damit nur zum ausdruck bringen das die nicht in die Freiheit gehören.

Und eh man sich's versieht steht irgendwo ein Mob mit Fackeln und einem Kanister Benzin.
Och wenn es die dann treffen würde hätte ich nichts dagegen. Überlege mal wieviele in deren Augen Unschuldige die bei Ihren Attentaten in Kauf genommen haben. Ach sorry
Zudem waren die Attentate von denen auch noch Hinterücks und für die Betroffenen nicht im Vorfeld sichtbar.
Warum sollte es denen anders ergehen?

Aber nicht doch! Wer hat denn Schuld an den Taten der RAF? Doch nicht die Täter selber. War es nicht vielmehr "die Gesellschaft"? Das "System", welches überwunden werden musste? Ist ja hier schon angesprochen worden: Der Fall Benno Ohnesorg, der brutal von der Staatsgewalt umgebracht wurde, bloß, weil er sein Grundrecht auf Demonstration wahrnehmen wollte. Ein solches brutales und grausames Sytem wie das Unsrige rechtfertigt natürlich alle Mittel, einschließlich das Morden seiner Repräsentanten, um es zu überwinden.
Es sind niemals nur die Täter schuld, sondern immer nur "die Gesellschat", also wir alle.
Genau, darum ist ja auch unser System am Amoklauf in Efurt damals Schuld, und nicht der amre Junge der das gemacht hat. Was kann der denn dafür das die Lehrer und Mitschüler ihn nicht leiden konnten. Hatte ja rein gar nichts mit seinen Verhalten zu tun. Und für die schlechten Noten sind ja auch immer nur die Lehrer verantworlich und nicht die Schüler. Was kann denn der Schüler dafür wen der Lehrer die falschen Fragen stellt.
Und wenn du mit 120 in der Orschaft geblitzt wirst, ist da ja auch die Polizei dran Schuld und nicht du, was stellen die sich denn auch genau da hin zu Blitzten, wo du fährst. so eine unerschämtheit aber auch.
Gruß
Uli
 
Uli_ESA schrieb:
Och wenn es die dann treffen würde hätte ich nichts dagegen.
Definitiv nicht mehr lustig sondern Billigung einer Straftat. Auch wenn's Dir nicht passt, der Herr Klar hat genau die gleichen Persönlichkeitsrechte wie Du.

Eben weil Du in einem Rechtsstaat und nicht unter einer Versagerjustiz lebst.
 

udogigahertz

User gesperrt
Uli_ESA schrieb:
Och wenn es die dann treffen würde hätte ich nichts dagegen.
Gruß
Uli
Uli, das geht zu weit. Wenn man sowas zulassen würde, wären wir ja auch nicht besser, als die Täter. Damit sollten wir uns nicht auf eine Stufe stellen. Ich bin nicht nur strikt gegen die Todesstrafe, sondern natürlich auch strikt gegen jede Art von Selbstjustiz. Wo soll das denn hinführen? Das führt geradewegs in die Anarchie und das wollen wir doch alle nicht, oder?

Unsere Justiz macht Fehler, fällt Fehlurteile, klar. Aber das ist immer noch besser als jede Form von Selbstjustiz.

Übrigens: Vor Gericht bekommt man nicht recht im Sinne vorn Gerechtigkeit, sondern man bekommt nur ein Urteil.

Grüße
Udo
 

gexx

User
udogigahertz schrieb:
?

Unsere Justiz macht Fehler, fällt Fehlurteile, klar. Aber das ist immer noch besser als jede Form von Selbstjustiz.
Es gibt aber auch Fälle, wo das leider nicht zutreffend ist.
Was ist, wenn ein durch Justizfehler auf freien fuß gelangender Triebtäter erneut ein Mord begehen will. Der Vater des ersten Opfers bringt den Triebtäter kurz nach seiner Entlassung um. In diesem Fall gibt es so oder so ein Todesopfer. Mit Selbstjustiz ist es der Verbrecher, ohne ist es das weitere Opfer.

Da ist hier echt die moralische Frage: Was ist besser? Welcher Tod ist für die Gesellschaft eher zu ertragen? Oder ist es alles als gleichwertig anzusehen?

Das soll jetzt keine Anstiftung zur Selbstjustiz sein, sondern eine moralische Frage bezogen auf diesen spez. Fall.

Grüße
Robert
 
gexx schrieb:
Da ist hier echt die moralische Frage: Was ist besser? Welche Tod ist für die Gesellschaft eher zu ertragen? Oder ist es alles als gleichwertig anzusehen?
Du ruinierst allerdings noch ein weiteres Leben, nämlich das des Lynchrichters. Hat schon einen Grund warum wir diese Entscheidung in die Hände eines Profis legen. Wie Claas vor vielen vielen Seiten geschrieben hat: Wir alle sind damit zunächst mal emotional überfordert.
 

Stefan Kreuz

Vereinsmitglied
Es gibt aber auch Fälle, wo das leider nicht zutreffend ist.
Was ist, wenn ein durch Justizfehler auf freien fuß gelangender Triebtäter erneut ein Mord begehen will. Der Vater des ersten Opfers bringt den Triebtäter kurz nach seiner Entlassung um. In diesem Fall gibt es so oder so ein Todesopfer. Mit Selbstjustiz ist es der Verbrecher, ohne ist es das weitere Opfer.

Da ist hier echt die moralische Frage: Was ist besser? Welcher Tod ist für die Gesellschaft eher zu ertragen? Oder ist es alles als gleichwertig anzusehen?

Das soll jetzt keine Anstiftung zur Selbstjustiz sein, sondern eine moralische Frage bezogen auf diesen spez. Fall.
Meinst du nicht dass es nun zu weit geht ?

Ich bin auf jeden Fall froh dass ich in einem Rechtsstaat lebe wo es hoffentlich noch sehr lange illegal bleibt, wenn ein aufgewiegelter Mob den Laternenpfahl als Mittel der Rechtssprechung nutzt.
 

gexx

User
Nö, eigentlich nicht. Das ist mal ein ganz spezieller Fall, der jederzeit eintreffen könnte und auch schon eingetroffen ist.(zumindestens der Fall ohne Selbstjustiz)

Es bleiben da trotzdem die genannten moralischen Fragen. Das soll aber nicht moralisch bezogen auf die Selbstjustiz sein, sondern aus der moralischen Konsequenz. Und die lautet nach wie vor für "Der Schutz der Gesellschaft muss vor dem Freiheitsrecht eines Schwerverbrechers stehen"

Opferschutz vor Täterschutz...

Grüße
Robert
 

Stefan Kreuz

Vereinsmitglied
Die Frage nach der Moral kannst du beim Gedanken an Selbstjustiz schon beenden. Wo liegt da die Moral ? Was ist daran moralisch ? Was unterscheidet den der Selbstjustiz ausübt vom Mörder ? Oder siehst du in der möglichen Fehlentscheidung des Richters oder Gutachters die Legitimation für Selbstjustiz ?
Absoluter Quatsch !
 

gexx

User
Nein, es bezieht sich ja nicht auf die moralische Konsequenz be ider Selbstjustiz ansich, sondern bei meinem speziellen Fall.
Ist denn (in diesem Fall) die Selbstjustiz nach Versagen des Rechtssystems moralisch verwerflicher, als das Opfer durch die Wiederholungstat?

Ich glaube, dass ist eine Frage, die man nicht mit "Quatsch" beantworten kann. Aber sie ist ernsthaft nur sehr schwer beantwortbar. Wahrscheinlich muss das jeder für sich entscheiden...

Grüße
Robert
 

ppb

User
udogigahertz schrieb:
Übrigens: Vor Gericht bekommt man nicht recht im Sinne vorn Gerechtigkeit, sondern man bekommt nur ein Urteil.

Das habe ich schon am eigenen Leibe erfahren. Es ging um einen Blitzer auf einer Autobahn. Der Stand (in meinen Augen, bzw. bin die Strecke damals täglich gefahren) deutlich vor dem 100er Schild (bis dahin war freies Fahren). Wurde mit ca. 125 geblitzt. Hat beim ausrollen aber locker bis zum 100er Schild gepasst. So nich! Wenn ich Scheiße baue stehe ich dazu, aber wenn nicht dann wehre ich mich.
Das ging dann irgendwann vor Gericht. Ich hab dem Richter mehrfach gesagt das es sehr wohl ein 100er Schild kurz vor der Baustelle gab, aber eben weiter hinter der Stelle wo geblitzt wurde. Der Plan der von der Polizei vorgelegt wurde war greußlich. Da stimmte überhaupt nix. Es war nich mal die Ausfahrt in der Baustelle eingezeichnet.

Wie auch immer. Ich kam frei, weil es nicht zu beweisen war ob überhaupt ein 100er Schild irgendwo auf der Autobahn stand. So oder so ähnlich war der Richterspruch. Ich kam also frei obwohl der Richter nicht recht hatte.

Das hat mich dann schon ein wenig erschüttert, bzw. den Glaube an unser Rechtssystem. Und das bei einem völlig unbedeutenden Fall.


Ich glaube nicht das wir hier zu einem Ergebnis kommen werden. Wir scheinen uns nur darin einig, das wenn unser System da besser/fehlerfrei wäre, solche Menschen nicht mehr auf uns losgelassen würden. Also verbessern wir das System, aber bitte ruhig und sachlich.

Patrick
 
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