Elektrosegler „Tera V5“

Ein Bausatz von Pichler Modellbau

von Milan Lulić.​


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Eine kurze Geschichte über den Werdegang dieses interessanten Elektroseglers mit seiner außergewöhnlichen Fläche, die dank geodätisch angeordneter Tragflächenrippen eine ausgezeichnete Torsionssteifigkeit aufweist. Dazu zählt auch die konsequente Leichtbauweise des gesamten Modells, die ausschließlich mit ausgesuchten Balsaholzteilen erfolgt.

Als vor etlichen Jahren Alexandre Cruz seinen „Tera“ entwickelte, wollte er seinen brasilianischen Freunden einen einfachen und preisgünstigen Einstieg in das Fliegen ermöglichen. Die ersten Modellversionen wurden noch mit CFK- und GFK-Teilen aufgebaut. Da die Teile in Brasilien sehr teuer waren, entstand die V3-Version mit einer Spannweite von knapp 1,8 Meter und war komplett aus Balsaholz gebaut. Später folgte die „V4“ mit einer Spannweite von 1,9 Meter.
Nachdem Alexandre Cruz aus beruflichen Gründen nach Deutschland gezogen war, entstand hier die V5-Modellversion mit einer Spannweite von 2,25 Meter. Der Flügel bekam Landeklappen. Auch diese Modellvariante wird noch immer ausschließlich aus selektierten Balsaholzteilen hergestellt.

Nun hat die Firma Pichler die Produktion und den Vertrieb des Modells übernommen. Dank der größeren Lasermaschine können die Bauteile auf die gesamte Halbspannweite und Rumpflänge vergrößert werden - das Schäften von Leisten und Beplankungen ist nun nicht mehr erforderlich!


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Der Holzbausatz wird in einem großen Karton geliefert, in dem sich in einer Kiste alle Bauteile von sehr guter Qualität befinden. Sie enthält alle Frästeile und Materialien, die zum Bau des rohbaufertigen Modells erforderlich sind. Deckel und Boden dieser Kiste dienen als Bauhelling mit aufgedrucktem Bauplan für die linke und rechte Fläche. Alle gelaserten Holzteile sind passgenau, von hoher Qualität und dank ausgesuchter Materialhärten, zum jeweiligen Einsatzzweck passend - natürlich alles in Pichlers hauseigener Lasermanufaktur in Eggenfelden hergestellt.

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Die Bauanleitung in englischer und deutscher Sprache und der 1:1-Bauplan auf großem Papierbogen lässt beim Aufbau keine Unklarheiten aufkommen. Vor Baubeginn ist es wie immer ratsam, die Bauanleitung samt Bauplan gründlich zu studieren, die Teile der jeweiligen Baustufe sorgfältig zu sortieren und dann erst den Kleber in die Hand zu nehmen.
Folgende Klebstoffe habe ich verwendet: Sekundenkleber, Epoxidharz und Bindan-P Holzleim.
Für die Motorisierung dieses schönen und leichten Elektroseglers bietet Pichler-Modellbau ein komplettes Antriebset (Best. Nr. 15328) als Zubehör an. Ich habe aus meinem Fundus jedoch einen Boost 18 BL Motor, XQ 30 Regler und eine 9 x 5 Zoll- beziehungsweise 10 x 6 Zoll-Luftschraube verwendet.


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Leitwerke

Der Aufbau der Leitwerke ist einfach und kann daher schnell durchgeführt werden. Den Bauplan habe ich mit transparenter Folie abgedeckt. Das Höhenleitwerk, bestehend aus dem Mittelstück, den beiden Nasenleisten, der Endleiste und den Rippen war zügig zu positionieren und mit Weißleim zu verleimen. Mit Epoxi wurden die beiden Höhenruderhälften mit der Kiefernleiste verklebt. Genauso habe ich auch das Seitenleitwerk hergestellt. Dann wurden Höhenleitwerk, Höhenruder, Seitenleitwerk und Seitenruder verschliffen - die Leitwerke waren damit zum Bespannen fertig. Anschließend habe ich noch die beiden Flächenrandbogen auf dem mit Folie geschützten Bauplan fixiert und mit Weißleim verklebt.


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Die gute Passung der Lasercut Holzteile.


Rumpf in klassischer Bauweise

Zuerst wurden auf den beiden Rumpfseiten die Aufdopplungen und Sperrholzverstärkungen angeordnet und festgeklebt, dann die rechte Seitenwand an den Rumpfboden geklebt, die Servohalterungen und Spanten fixiert und danach die linke Seitenwand hinzugefügt. Die Servohalterungen müssen unter Umständen an die vorgesehenen Servos angepasst werden. Es kann auch vorkommen, dass neue Halterungen hergestellt werden müssen.


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Ich habe die Servos im Rumpf hintereinander montiert. Um mehr Platz für die Servokabel zu schaffen, ist es empfehlenswert, die beiden Servos ganz hinten auf der Servohalterung nebeneinander zu installieren.
Ist er verklebt und geschliffen, wird der sechsteilige Nasenklotz angebracht. Dabei ist darauf zu achten, dass der Nasenklotz aus jeweils zwei B1-, B2- und B3-Bauteilen zusammengeklebt wird!


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Die CFK-Anlenkungsgestänge wurden durch die Rumpfspanten eingezogen und auf die entsprechende Länge gekürzt. Danach konnte ich das Rumpfoberteil positionieren und festgekleben. Der zweiteilige Motorspant ist angepasst und mit Epoxi befestigt. Anschließend habe ich alle Kanten und die Rumpfspitze zum Motorspant sauber rund geschliffen. An den gestrichelten Bereichen wurden die Abdeckungen der Servo- und Akkuhalterungen aus dem Rumpf ausgeschnitten, beide Deckel mit passenden Befestigungen versehen, mit Folie bespannt und anschließend mit Oracover bebügelt.


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Die Haube ist mit einem selbstgebauten Verschluss ausgestattet.


Flächenbau

Der Aufbau der beiden Flächenhälften ist identisch. Gut dass wir die Helling doppelt haben: Eine für die linke und eine für die rechte Fläche. So können wir die beiden Flächenhälften, wenn erwünscht, gleichzeitig aufbauen. Die Helling habe ich mit transparenter Folie abgedeckt, Schlitze in die Folie geschnitten und alle Winkel eingesteckt, etwa 50 für eine Flächenhälfte!

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Nachdem ich alle „A“-Rippen positioniert hatte, wurden die „B“-Rippen reihenweise mit Weißleim fest auf die „A“-Rippen gesteckt und verklebt. Dabei sollte man darauf achten, dass alle aufliegenden „B“-Rippen voll durchgesteckt sind, eventuell müssen die Schlitze in den „A“-Rippen etwas erweitert werden.

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Die Kanten der Rippen B2, A15 und B1 gerade schleifen und die Doppelrippe R0 anpassen und festkleben. Das Gleiche macht man auch mit den Rippen A14 und B15 (in der Bauanleitung als B12 angegeben) und mit der Doppelrippe R99.

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Nun konnte die obere „Nasenleiste“ Ls1 (im Bauplan als LE angegeben, was eigentlich der zweite, kürzere Tragflächenholm ist), der Tragflächenholm, die Randleistenbeplankung und die fünf Millimeter Ladenklappe und der Querruderholm angebracht werden. Anschließend folgte der untere Tragflächenholm, die „Nasenleiste“ und die Randleistenbeplankung.

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Jetzt war das Anbringen der 3D-Kunststoff Flächenverbinder an der Reihe. Das Epoxi war auf dem Tragflächenholm aufzutragen und dann der Flächenverbinder durch die Rippe B2 durchzuschieben und auf dem Tragflächenholm festzukleben. Nach ausreichender Trockenzeit habe ich den oberen Tragflächenholm angepasst und befestigt.

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An zwei Stellen habe ich die Flächenverbinder und beide Tragflächenholme mit Kevlargewebe umgewickelt, mit Sekundenkleber getränkt und nach ausreichender Trockenzeit fein geschliffen. Dann die untere Beplankung an den unteren Tragflächenholm angeklebt und anschließend jede Rippe mit Sekundenkleber an der Beplankung befestigt.


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Die untere Beplankung ist angebracht.

Nachdem der Klebstoff auf die beiden oberen Holme sowie die vorderen Rippenbereiche aufgetragen war, konnte ich die obere Balsabeplankung positionieren und mit Nadeln und Klebeband fixieren. Nachdem die Flächenvorderteile plan geschliffen, die Nasenleiste angebracht und vorsichtig verschliffen war, habe ich die Doppelendrippe (2 x R100) befestigt und im 30°-Winkel verschliffen. Die fertig bespannten Winglets habe ich, erst als die Fläche bespannt war, angeklebt und mit Nadeln gesichert.
Die Landeklappen waren schnell hergestellt. Es war eine Nut in die untere Beplankung zu schleifen, der Holm und die kleinen Rippen in die Schlitze zu kleben, zu verschleifen und dann die obere Beplankung anzubringen. Die Querruder wurden nach Plan in Form geschliffen. Die diamantförmigen Halterungen der Servoabdeckung habe ich mit zwei Millimeter Abstand für die Servoabdeckung angebracht, danach die dünne Kupferlitze verlegt, um nachher einfach die Servokabel durchziehen zu können.
Die Flächen habe ich mit Oralight bespannt.
Zwei interessante Details am Rande: Mein „Tera V5“ wog Rohbaufertig 272 Gramm. Der Gewichtsunterschied zwischen dem linken und dem rechten fertig gebügelten Flügel betrug lediglich ein Gramm!

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Schon im Rohbauzustand macht der "Tera V5"-Elektrosegler eine gute Figur


RC-Komponenten

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Sechs Master-Servos sind eingebaut.

Im "Tera V5“ habe ich sechs Master-Servos installiert: Vier Master S706MG für die Fläche und zwei Master DS2312MG im Rumpf, welche perfekt in die Servoplatte im Rumpf wie auch in die Flächenservohalterungen passten.

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Servos für die linke und die rechte Fläche werden positioniert.

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Servos werden in den Flächen mit drei kleinen Schrauben fest montiert.

Da ich die beiden Servos im Rumpf hinter einander eingebaut habe, um etwas mehr Platz für Kabel von Flächenservos zu bekommen, musste am Servobefestingungsbrettchen etwas nachgearbeitet werden.


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Die Wölbkappen- und Querruderanlenkungen wurden aus kurzen Drahtgestängen und Gestängeanschlüssen gefertigt, während die Seiten- und Höhenruderanlenkungen aus CFK-Stäben, Gabelköpfen und Gestängeanschlüssen bestehen. Dem Bausatz liegen dünne Sperrholzruderhörner mit Bohrungen für ein Millimeter Drähte bei.

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Flächenservoanschluss über kurze Drahtgestänge mit Gestängeanschluss.

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Die Flächenservoanschlüsse am Empfänger sind vierpolige Stecker.


Fertigstellung

Zum Schluss habe ich die Antriebskomponenten, Servos und Empfänger installiert. Dann alle Ruderwege eingestellt und natürlich die Eingangsleistung des Antriebs gemessen.

Meine Messergebnisse: Der Boost 18 Motor dreht eine 9 x 5 Zoll aero-naut Camcarbon-Luftschraube, Eingangsspannung 11 V, Drehzahl 9.950 U/min. Das ergibt eine Eingangsleistung von 122 W. Diese Leistung ist für meinen Elektrosegler mit einem Startgewicht von 668 g mit Sicherheit ausreichend. Mit einer 10 x 6-Luftschraube und einer Eingangsspannung von 11 V wird eine Drehzahl von 8.820 U/min und eine Eingangsleistung von 198 W erreicht. Für beide Antriebsvarianten verwende ich einen 1300-3s LiPo-Akku, für den im Rumpf gerade noch genügend Platz ist.

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Lets´fly!

An einem schönen, ruhigen Herbsttag habe ich mich mit meinem Fliegerkollegen und Fotografen Alex getroffen, um einige Bilder für diesen Bericht an zu fertigen. Vielen Dank Alex für deine Arbeit! Nachdem ich die Ruderausschläge kontrolliert und ein wenig korrigiert hatte, konnte der erste Handstart erfolgen!

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Die "Tera V5“ wurde mit halber Motorleistung in die Luft befördert. Mit voller Kraft stieg der Kleine ganz schön flott in den Himmel und nach schnell erreichter Höhe wurde der Antrieb ausgeschaltet. Es waren nur leichte Korrekturen am Höhenruder notwendig. Dann folgten einige Iangsame Vorbeiflüge für den Fotografen. Zur Landung habe ich weit ausgeholt und die "Tera V5" kam dann mit ausgefahrenen Klappen sehr langsam und sicher bis „bei Fuß" zurück. Mein erster Eindruck: Dieser leichte Elektro-Segler fliegt genauso wie er sollte. Schnell gewann ich Vertrauen in dieses schöne Modell - das Teil fliegt echt klasse. Zudem ist es sehr gutmütig im Langsamflug. Von jedem Piloten mit etwas Erfahrung beim Steuern von Modellen mit Querrudern beherrschbar.
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Wenige Tage nach diesem Flug hatte ich bei relativ ruhigem Wetter wieder Gelegenheit, mit der "Tera V5" ausgedehnte, gemütliche Flüge zu absolvieren. Teils auch mit ein wenig Thermik, um einige Flugfiguren zu versuchen. Auch das ging alles tadellos.
Das Überziehverhalten? Beim Ziehen am Höhenruder nimmt das Modell die Nase hoch, wird Iangsamer, kippt sanft nach vorne ab und kann weiter gesteuert werden. So hat man es gern.


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Für "Tera V5" werden folgende Ruderausschläge empfohlen: Seiten- und Höhenruder: 20 % bis 30 %, Querruderausschlag nach unten halb so groß wie nach oben. Maximaler Ausschlag der Landeklappen als Bremse, dabei die Ausschläge mit Höhenruder mischen – für Thermik nach oben trimmen. 40 % Querrudermischung mit Seitenruder, das verbessert die Rollrate und Abstimmung.
Mit den vorgegebenen Werten für die Ausschläge lässt sich das Modell sehr gut und sicher fliegen.
Für die gemütlichen Flüge habe ich die Ausschläge für Höhen- und Querruder mit Dual-Rate-Schalter reduziert und für Querruder noch 35 % Expo eingestellt, gerade richtig für einen Piloten des alten Semesters!


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Kurzum, ein schöner, interessanter Elektrosegler dank seiner außergewöhnlichen Fläche mit geodätische Anordnung der Tragflächenrippen, schönem Flugbild und neutralen Flugeigenschaften.
Die Wendigkeit und Ruderreaktionen sind bei der "Tera V5" einfach sehr gut. Der etwas aufwändigere Bau des Modells hat sich im jedem Fall gelohnt.
Wer einen echten Holzbaukasten in sehr guter Qualität sucht, auch um beim Bauen richtig viel Spaß zu haben, der wird mit der "Tera V5" sicherlich eine gute Wahl treffen.


Technische Daten -"Tera V5" von Pichler
Einheit
Spannweite
mm​
2.250
Länge
mm​
1.020
Fluggewicht (Testmodell)
g​
668
Tragflächeninhalt
dm²​
33,8
Flächenbelastung
g/dm²​
20,0
weitere Angaben
Empfänger (MULTIPLEX)M-LINK RX-7
Schwerpunkt
mm​
65
Bausatzpreis
€​
179
Bezug
"Tera V5"-Bausatzwww.pichler.de
Akkuwww.stefansliposhop.de www.Pichler.de
 
Toller Bericht. Gibt es auch eine Bauanleitung? Zumindest habe ich diese in der Kiste und Online noch nicht gefunden.
 

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