Red Bull X-Alps 2021-Vom Chiemsee (TP4) nach Lermoos (TP5)

Text: Claus Eckert

Fotos: Daniel Schulz, Team GER 1 - zooom Productions GmbH - Claus Eckert​

Der dritte Tag im Rennen um die Red Bull X-Alps 2021 begann wieder mit Laufen. Sowohl bei den aktuellen Spitzenreitern wie auch im Verfolgerfeld.
Das Team GER1 von Manuel Nübel hatte gleich nach der Grenze zwischen Tirol und Bayern an der Tiroler Ache genächtigt. Ein Gewittersturm in der Nacht wurde unbeschadet überstanden.


Gleich um 5 Uhr ging es vom Rastplatz bei Schleching über Mühlau und die Oberauer Brunst auf die Hochplatte. Ich kenne die Strecke und weiß um deren Steilheit. Wie die Steinböcke rannten Manuel und sein Begleiter auf den Berg. Oben angekommen spürten sie am Gipfel den Südwind . Manuel konnte sich etwas hocharbeiten, um im Lee wieder kräftig zu sinken.

Es ging Richtung Chiemsee und ich hatte irgendwie vergessen, dass das Livetracking um einige Minuten verzögert ist. Mein Blick aus dem Dachfenster erfasste Manuel, der schon hoch über Übersee flog.


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Also schnell rein ins Auto, um zu versuchen, Manuels Landestelle zu finden. Das war dann auch kein Problem und so trafen wir uns zum ersten Mal seit Salzburg wieder. Nachdem Manu eilig seinen Schirm gepackt hatte, marschierte er gleich weiter Richtung Chiemsee, um in den Zylinder des Turnpoints zu kommen.

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Während ich mit einigen nicht notwendigen Ausrüstungsteilen, die Manuel bei mir zurückgelassen hatte, auf sein Team wartete, kam Yael Margelisch (SUI4) des Weges. Ein Erinnerungsfoto im Vorbeigehen war natürlich möglich. Yael ist ebenso wie Toma Coconea (ROM) zu Fuß Richtung Chiemsee und zurück nach Marquartstein (TP4) gegangen.

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Kurze Zeit später kam dann Manuels Team. Nach einem großem Hallo begleitete ich das Team noch etwas, um anschließend zum Turnpoint 4 nach Marquartstein zu fahren.

Als ich dort ankam war ich erstaunt, dass weniger Zuschauer warteten als am Vortag. Es war aber auch erst kurz nach 8 Uhr am Morgen. Doch die Zeit konnten wir gut nutzen. Ich erinnerte mich nämlich, dass ein Mitglied aus unserm Modellflugverein den kürzesten Weg auf die Hochplatte kennt. Ein Anruf bei ihm genügte und er kam schnell vorbei, damit ein Abgleich des GPS-Tracks für die Begleitmannschaft gemacht werden konnte. Außerdem begleitete er Manuel und dessen Helfer noch auf dem Fahrrad, um ihnen den Einstieg in den Weg zu zeigen.

Inzwischen kam Toma Coconea (ROM) am Turnpoint 4 in Marquartstein an. Nach der Unterschrift benötigte er noch eine längere Massage. Dann ging es weiter Richtung Hochplatte.


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Yael Margelisch (SUI4) war die Nächste. Mit strahlendem Lächeln kam die sympathische Schweizerin am Turnpoint an. Irgendwie machte sie einen erholten Eindruck. Und das nach über drei Stunden Fußmarsch.


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Manuel Nübel (GER1) war der Nächste am Turnpoint. Typisch Manu: Unterschreiben, Kopf einziehen und sofort weiter! Bloß keine Zeit verschwenden.
Eigentlich richtig. Allerdings warteten da auch Leute, die gerne ein Interview mit ihm gemacht hätten.


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Die hatten dann aber bei Thomas Friedrich (AUT3) mehr Glück. Der Youngster nahm sich viel Zeit und beantwortete zahlreiche Fragen. Gerade so, als hätte er alle Zeit der Welt. Hatte er auch. Denn bereits mit 12 Jahren war es sein Ziel, als Erwachsener mal bei dem Red Bull X-Alps mitzumachen. Er gilt als großes Talent für die Zeit nach der Dominanz der aktuell stärksten Athleten. Er kann in Ruhe abwarten, irgendwann an die Spitze zu kommen.


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Gegen Mittag begann der Flugtag. Es war aber eine richtige Bastelei. An der Hochplatte ging es hin und her bis die Höhe ausreichte, um Richtung Kampenwand und von dort über das Aschauer Tal zu fliegen. Auch hier war es sehr schwierig vorwärts zu kommen. Yael Margelisch (SUI4) ,Toma Coconea (ROM) und Manuel Nübel (GER1) flogen einige Zeit gemeinsam.


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Währenddessen verabschiedete sich das Team von Manuel vom Turnpoint 4 in Marquartstein.

Arne Wehrlin (li.) von der Firma Skywalk hatte den Turnpoint 4 in Marquartstein organisiert. Skywalk hat seinen Firmensitz in Marquartstein. Sascha Rentel (re.) ließ es ich nicht nehmen, das Team GER1 von Manuel Nübel einige Zeit zu begleiten und unterstützen.
Auf dem weiteren Track machte die Querung des Inntals Probleme für Manuel und seine Begleiter. Es waren meistens Höhen um die 1600 m, die geflogen werden konnten. Nach einer Talüberquerung musste Manu mühsam wieder Höhe tanken.
Die Entscheidung, den nördlichen Kurs zu wählen war aber goldrichtig. Alle, die einen südlicheren Kurs flogen, wurden nämlich gnadenlos „runtergespült“.

Manuel und Toma waren bis zum Nachmittag stets gemeinsam unterwegs. Das Livetracking zeigte sie immer nahe beieinander.

An der Spitze gab es nichts Neues, könnte man schreiben. Gegen 14.00 Uhr tauchte Chrigel Maurer (SUI1) am Turnpoint 5 in Lermoos auf. Trotz heftigem Wind landete er souverän und ging gleich zum Unterschreiben.

Patrick von Känel (SUI2) landete kurz danach. Die beiden Schweizer bildeten sozusagen die „eidgenössische Speerspitze“ der Red Bull X-Alps 2021. Nach einem kurzen Aufenthalt und ging es weiter Richtung Säntis zum Turnpoint 6.

Ihnen direkt auf Fersen ist Benoît Outters (FRA2). Kurz dahinter befindet sich Aaron Durogati (ITA1). Für den nötigen Druck auf die Spitzengruppe sorgen die beiden Teams aus Österreich mit Paul Guschlbauer (AUT1) und Simon Oberrauner (AUT2). In der Spitze ist also noch lange nichts in trockenen Tüchern.

Derweil kämpften sich Manuel und Toma am Nachmittag auf ihrem gemeinsamen Kurs südlich der bayrischen Seen Richtung Lermoos (TP5).

Markus Anders (GER2) hing zur gleichen Zeit in der Nähe von Mittenwald fest. Gestern noch in der Spitzengruppe lag er heute im Mittelfeld. Das sind die Red Bull X-Alps 2021. Jeden Tag neue Überraschungen.

Die Flugeschwindigkeiten über Grund lagen um die 20 km/h. Etwa um 15.30 Uhr betrug die vor Manuel liegende Strecke noch 73 km. Auch wenn es knapp wird, könnte das bis zum Abend fliegend zu schaffen sein. Das Team mit dem Hauptmobil wartete bereits in Lermoos auf ihn. Das kleine wendigere Fahrzeug war kurze Zeit nach der Landung bei Manuel.

Kurz vor 16.00 Uhr passierte es dann doch. Beim Achenwald hatte Manuel den Kurs etwas zu weit südlich gewählt. Das zwang ihn zur Landung an der B 307 zwischen Achensee und Sylvensteinsee. Gemeinsam mit Yael Margelisch (SUI4), die ebenfalls galandet war, machten sich die beiden zu Fuß auf den Weg.

Um 21.00 Uhr war Schluss für Manuel. Das Nachtlager wurde südlich des Walchensees in Wallgau aufgeschlagen. Massieren, essen und ab ins Bett. Das übliche Ritual eines ausgehenden Tages.

Resümee des dritten Tages für Manuel: Er kommt immer besser ins Rennen und arbeitet sich langsam nach vorne.

Die Spitzengruppe, bestehend aus Chrigel Maurer (SUI1) und Patrick von Känel (SUI2), konnte sich weiter absetzen. Der Abstand dürfte noch größer werden, wenn beide in ihrem schweizer Heimatfluggebiet sind. Aber Benoît Outters (FRA2) ist nicht weit hinter ihnen. Auch Aaron Durogati (ITA1) kann noch eingreifen. Diese Gruppe war im Bereich St. Anton bzw. Stuben am Arlberg unterwegs.

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Weiter nördlich läuft eine Gruppe südlich von Weissenbach/Tirol ziemlich genau auf Kurs. Diese Gruppierung bilden Paul Guschlbauer (AUT1), Simon Oberrauner (AUT2), Maxime Pinot (FRA1) und Tobias Grossrubatscher (ITA2).

Markus Anders (GER2) und Toma Coconea (ROM) versuchen, noch vor dem Ende des Tages den Turnpoint 5 in Lermoos zu erreichen.

Wie sich das Wetter am vierten Raceday entwickeln wird, ist noch nicht ganz eindeutig. Zumal es in den Alpen gerne auch regionale Unterschiede geben kann.



Alle Artikel:

Der Prolog

20. Juni Start in Salzburg bis nach Wagrain

21. Juni Von Wagrain nach Lermoos

22. Juni Vom Chiemsee nach Lermoos

23. Juni Von Lermoos zum Säntis

24. Juni Von Lermoos nach Fiesch

25. Juni Vom Säntis nach Fiesch

26. Juni Von Fiesch zum Mont Blanc

27. Juni Vom Mont Blanc zum Piz Palü

28. Juni Vom Piz Palü ins Ziel

29. Juni Der Kampf um Platz 2

01. Juli Der Kampf um die Platzierung

02. Juli „Comeback-Nübel“ landet auf dem sechsten Platz


Extra:
23. Juni Das I-Clip Gewinnspiel
 
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