RESkant - schlank und mit Rohrholm

Liebe Freunde,

Nach dem recht erfolgreichen Entwurf mit dem Rippensatz des X-Dream wollte ich nochmal neue Wege gehen und eine höhere Streckung und eine für mich neue Bauweise testen. In der letzten Saison ist mir aufgefallen, dass die Rohrholmflieger meist wirklich gute Leistungen zeigten und auch einen sehr ausgewogenen und ruhigen Eindruck im Flug vermittelten. Der Purito ist sicher das bekannteste Beispiel, aber auch der Resilience von Lars Heinemann oder der NoRES fallen in diese Kategorie. Da ich zudem schon einmal ein recht leistungsfähiges 4m Modell (mein Low-Save) in der Bauweise mit Pull-winded Holmen erstellt habe, wollte ich nun auch einen ersten eigenen Entwurf für unsere F3L Wettbewerbe nachlegen.
In dieser Bauweise ist es zudem sehr einfach, auch einen voll elliptischen Flügel zu realisieren. Dachte ich zumindest. 😀
In vielen Situationen ist nicht nur geringes Sinken, sondern auch gutes Gleiten gefordert. Darum habe ich mich für eine recht hohe Streckung entschieden. Mein Entwurf hat nun eine Streckung von 13,6 bei einer Flügeltiefe von 185mm in der Mitte. Der Flächeninhalt beträgt somit unter 30dm2, genauer 29,35dm2. Das weicht recht deutlich vom Mittel der sonstigen Modelle ab, die eher bei 35dm2 und aufwärts liegen.
Nach einiger Lektüre habe ich mich für den Profilstrak BC70-50-30 entschieden. Die ersten Striche in meinem CAD Programm (Rhino 3D) zeigten sehr schnell, dass für das Mittelteil nur ein 10mm Rohrholm machbar ist. Da bin ich auf ein gewickeltes Rohr mit vorsichtshalber 1mm Wandstärke gegangen. Nach außen hin werden die Rippen sehr schnell sehr filigran, weswegen ich alle Hauptrippen aus 3mm Balsa vorgesehen habe. Dazwischen stehen jeweils 3 Halbrippen aus 1,5mm Balsa. Für höhere Torsionssteifigkeit sind hinter dem Rohrholm diagonale 3mm Rippen angeordnet. Zudem ist der Flügel aus dem gleichen Grund mit normaler Folie bespannt, in diesem Fall von Kavan. Dazu kann ich später nochmal meine Erfahrungen teilen.
Die Außenflügel starten mit 8er Rohrholm und stufen mehrfach ab bis auf 3mm Kohlestäbe ganz außen.
Die V-Form ist wie bei meinen anderen Entwürfen recht gering. Hier ist aber zu berücksichtigen, dass außen noch weniger Flügelfläche als bei meinen anderen Modellen vorhanden ist, was die Schiebe-Rollkopplung noch schwächer macht. Das war bei den ersten Flügen auch zu spüren. Mal schauen, wie ich damit klarkomme. Ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass meine 5mm CFK Steckung direkt im Holmrohr steckt, um die Kräfte nicht über die Rippen spazieren zu führen.
Als Rumpf kommt der bewährte RESkant Rumpf mit dem charakteristischen Pylon zum Einsatz, das HLW ist neu, damit es zum elliptischen Flügel passt.
Obwohl ich selbst eine kleine Stepcraft Fräse habe, habe ich bei Lars Heinemann angefragt, ob er mir die Teile für das gesamte Modell lasern kann. Für die Rippen wollte ich möchlichst gute Profiltreue sicherstellen und die Schnitte vom Lars zählen zu den saubersten, die ich bislang gesehen habe.
Nachdem Lars mir ein sehr faires Angebot unterbreitet hat, habe ich bestellt und kurze Zeit später sauberst geschnittene Teile in genau der gewünschten Materialqualität bekommen. Manche Teile wie z.B. die Endleiste wollte ich lieber aus etwas festerem Balsa haben.
Der Bau hat aufgrund der super Passungen große Freude gemacht. Trotzdem das Beplanken der D-Box entfiel, kommen aber schon einige Stunden zusammen, nicht zuletzt, weil die Rippen sehr filigran sind und sehr sorgfältig gearbeitet werden muss. Ballastbox und Aufnahme des Klappenservos hatte ich zudem am CAD nicht ganz zuende geplant, die Zeit dort gesparte investiert man dann beim Bau gefühlt dreifach.
Etwas geschockt war ich dann beim Blick auf die Waage. 470g bei so wenig Flächeninhalt verhieß nichts Gutes. Der recht schwere Rohrholm und die normale Folie fordern Ihren Tribut, ebenso wie die 0,8mm Stahldrähte zum Leitwerk.
Gestern war dann einigermaßen brauchbares Wetter für den Erstflug. Das Modell war insgesamt noch keine halbe Stunde in der Luft, von daher ist es viel zu früh für ein Urteil. Darum hier nur erste Eindrücke:
Das Modell beschleunigt am Seil recht rasant, die erste Phase sieht gut aus. Die zweite Phase nicht. Der Haken kann aber auch noch etwas weiter nach hinten. Trotzdem deutet sich hier an, dass die Starthöhen evtl. nicht zu den Besten zählen werden. Wir hatten mittleren Wind, das Gleiten gegen den Wind sah erstmal nicht schlecht aus. Auch gute Luft wird trotz der hohen Flächenbelastung gut umgesetzt, für richtige Thermik hat´s nicht mehr gereicht.
Der Spaßfaktor ist groß, das Modell fühlt sich dynamisch an. Das Modell ist immer noch nicht ganz fertig. Heute z.B. habe ich noch den Pylon foliert. Und das Schlimmste: Mir fällt noch kein guter Namenszusatz ein. Soll wieder RESkant ___ heißen.
Jetzt aber erstmal ein paar Bilder. Aufgrund des Wetters gestern nur in recht bescheidener Qualität. Ein Bild zeigt das schlanke Modell im Vergleich zum Wiki, der ja eigentlich nicht als "Pummelchen" bekannt ist.

Gruß, Ralf
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Hey Ralf,

der neue RESkant ist einfach wunderschön geworden. Ich hab ja die Planung und den Bau bzw. die Bauschritte ein wenig mitbekommen und habe bei entscheidenden Momenten immer mit gefiebert ob das alles klappt wie du es dir vorgestellt hast. Auch die Geschwindigkeit dessen war für mich sehr beeindruckend und das Ergebnis ist wirklich super!
Deine ersten Flüge hast du jetzt nun schon erfolgreich bewerkstelligt und selbst nur diese 30 min. Flugzeit lassen ja schon vermuten das da noch deutlich "Luft nach oben" ist.
Ich bin gespannt was du nach dem einfliegen dann alles berichten wirst. Und ein passender Name fällt dir auch noch ein... :cool:
Gratulation also nochmal von mir zu diesem optisch absolut herausragenden neuen F3L Modell! Klasse gemacht!

Beste Grüße Marcel
 
Hallo Dieter, ja da hast Du Recht. Der Antist-RES war mir zumindest aus dem Forum auch schon bekannt. Der Flügel sieht ja nach noch weniger Tiefe aus. Das würde auch die extreme Durchbiegung beim Start bedingt durch einen evtl. noch dünneren Rohrholm erklären?
 
erinnert mich an den Antist-RES von Uwe Heuer, der allerdings unter 400 gr wiegt. http://www.thermik-board.de/viewtopic.php?f=7&t=1567

Schönes Fliegerle, aber wenn der bei dem Wetter eingesetzt wird wofür der RESkant gedacht ist, dann würde es den Antist wohlmöglich am Gummi zerreißen. Ist schon irre wie stark sich der Flügel biegt. Ok, die V-Form tut ihr übriges dazu, dass das durchbiegen noch stärker aussieht... Aber bei mehr Wind oder mit noch mehr Spannung würde ich den Flieger dennoch nicht mehr starten wollen.

Zurück zum RESkant - das BC Profil mag es ja mit erhöhter Flächenbelastung geflogen zu werden. Deswegen ist das auch völlig Wurst wenn jetzt 470 Gramm auf dem Deckel stehen. Der Flieger wird wohl selten Wetter erleben, wo er leichter sein müsste! Dann nimmt man halt wieder ein anderen Flieger...oder hast du nur ein Modell für alle Wetterlagen Dieter?


Beste Grüße Marcel
 
Hallo Marcel,

Ralfs neuer Flieger geht schon etwas in die Richtung des AntistRES.

Jörg Schmahl hatte damit bei der zweiten DM im RES 2015 das Finale erreicht. Da war es dann im Flyoff schon recht windig, wenn ich mich recht erinnere.

Konstruiert wurde das Modell von Uwe Heuer. Man muss bedenken, dass man in dieser Zeit noch nicht so einfach an brauchbare CFK Rohre für Holme ran gekommen ist. Uwe hatte deshalb Pfeilschäfte von Bogenschützen verwendet. Ich glaube selbst Josef Gerges hat damals die Rohre für den PURES noch selbst gewickelt.

Aber hier soll es ja um den RESkant gehen.

Gruß
Dietmar
 
Schönes Fliegerle, aber wenn der bei dem Wetter eingesetzt wird wofür der RESkant gedacht ist, dann würde es den Antist wohlmöglich am Gummi zerreißen. Ist schon irre wie stark sich der Flügel biegt. Ok, die V-Form tut ihr übriges dazu, dass das durchbiegen noch stärker aussieht... Aber bei mehr Wind oder mit noch mehr Spannung würde ich den Flieger dennoch nicht mehr starten wollen.


Hallo Marcel,

kurz noch mal OT zum AntistRES: den habe ich auch bei mehr als der im Reglement maximal zulässigen Windstärke am Gummi gestartet. Es hat weder meinen, noch die (wenigen) anderen Flieger dabei zerrissen.....soweit ich das von den anderen mitbekommen habe.
Die Pfeilschäfte sind teleskopierbar und bei viel Wind wurde ein zusätzliches Kohlerohr oder eine genau passende Ballaststange lose in den Rohrholm des geraden Mittelstücks geschoben.
Die Durchbiegung des schlanken Flügels mit Streckung > 15 war bei viel Wind schon abenteuerlich, aber was sich biegt bricht nicht....gute Pfeilschaftrohre sind sehr widerstandsfähig.
Der Antist war ein experimentelles RES-Modell mit sehr hoher Streckung und dünnen Profilen, ein Nachfolger hätte sicher weniger Streckung gehabt und hätte dem RESkant recht ähnlich gesehen. Allerdings wäre ich wahrscheinlich beim V-Leitwerk mit 90° Öffnungswinkel geblieben.
OT Ende.

Gruß,

Uwe.
 
Vielen Dank Dieter, Dietmar und Uwe für die wertvollen Hintergrundinfos. Auf die Idee mit den Pfeilschäften bin ich ja noch gar nicht gekommen. Das waren dann für den Antist wahrscheinlich 5/16", knapp 8mm? Die gibts ja in allen erdenklichen Ausführungen zu sehr interessanten Preisen.
Einen nächsten Flügel würde ich auch mit weniger Rohrwandstärke und bei Bedarf einschiebbarem passenden Rohr planen. Ich halte es für durchaus machbar da an die 400g zu kommen, aber andererseits habe ich für solche Bedingungen eh andere Modelle.
 
@Liegestuhlflieger und @UweH auch von mir vielen Dank für dieses Hintergrundwissen und die Aussagen zu dem Modell. Hätte ich mir nicht vorstellen können, aber dann ein großen Respekt an die Konstrution! Und entschuldigt, dass ich hier gezweifelt habe...

Beste Grüße Marcel
 
Kurzes Update: Das Modell wird nach langem Überlegen nicht mehr RESkant heißen. Zwischenzeitlich wollte ich es RESponse nennen, bis ich sehen musste, dass es diesen Namen für ein RES Modell in Österreich schon mal gab. Ich habe mich dann für den Namen "Kingfisher" entschieden. Es war pures Glück, dass ich die Farben Blau und Orange gewählt haben und diese nun perfekt zu einem Eisvogel passen. Mittlerweile ist ein zweites Modell zu etwa 70% fertig. Allein der Flügel ist etwa 50 g leichter geworden. Ich hoffe, dort auf etwa 400g zu kommen.
Ob das überhaupt Vorteile bringt, muss sich zeigen. Mein jetziges Modell fühlt sich trotz 16g/dm2 Flächenbelastung selbst in so toten Bedingungen wie wir sie gestern hatten recht wohl (anlässlich des Erstfluges meines Antares durfte auch der Kingfisher gestern noch zwei Flüge machen bevor ich wieder zurück an den Schreibtisch musste). @Marcel85 wird in Kürze auch einen Kingfisher bauen, ich bin schon sehr auf seine Eindrücke gespannt.
 

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